Samstag, 11. Juli 2020

Neues aus Medizin & Wissenschaft

Ausgabe 2020.06

Neue Erkenntnisse und Studienergebnisse aus der Welt der Wissenschaft – rund um die Themen Gesundheit, Medizin, Ernährung und Wohlbefinden.


Foto: iStock-tampatra

Alzheimer: Mit Ultraschall die Gehirnleistung verbessern

Eine neue nicht-invasive Methode könnte einen Durchbruch in der Behandlung von Hirnerkrankungen darstellen.

Bei neurologischen Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz, der Parkinson-Krankheit oder der Multiplen Sklerose kommt es zum permanenten Verfall von Nervenzellen des Gehirns. Nach sechsjähriger Entwicklungszeit haben Forscher der MedUni Wien eine weltweit neue Therapiemethode entwickelt: Nun ist es erstmalig möglich, mithilfe von Ultraschall nichtinvasiv in alle Bereiche des Gehirns einzudringen und jene Nervenzellen zu aktivieren, die zur Regeneration von Hirnfunktionen beitragen können – bei vollem Bewusstsein des Patienten. Der Aktivierungspuls, der vom Ultraschallgerät ausgeht, ist drei bis fünf Millimeter breit und circa drei Zentimeter lang. Zuvor wird vom Gehirn des Betroffenen mittels Magnetresonanz eine exakte „Landkarte“ erstellt. Der Puls führt zu kurzfristigen Membranveränderungen an den Hirnzellen, wodurch die Konzentration von Transmittern und anderen biochemischen Stoffen lokal verändert wird. Die Konsequenz ist eine Aktivierung von Nervenzellen und der Aufbau kompensatorischer Netzwerke, welche die erkrankte Hirnfunktion verbessern. Die Folge: Das Gedächtnisnetzwerk wird angetrieben und die Gedächtnisleistung steigt. Einige Patienten berichten auch von deutlicher Stimmungsverbesserung, es fällt ihnen wieder leichter, körperlich aktiv zu sein und sich an Unterhaltungen aktiv zu beteiligen. Bevor diese Methode in den regulären Einsatz in der Klinik gelangen kann, sind weitere wissenschaftliche Studien notwendig.

Covid-19: Hoffnung auf Medikament steigt

Laut dem Austrian Institute for Health Technology Assessment wird aktuell weltweit an insgesamt 155 Medikamenten und 79 Impfungen zur Bekämpfung von Covid-19 gearbeitet. Der Großteil der Medikamente, die gegen Covid-19 getestet werden, haben bereits eine Zulassung für andere (virale) Infektionen. Sie basieren auf einem oder mehreren der folgenden Wirkstoff(e): Remdesivir, Lopinavir + Ritonavir, Favipiravir, Darunavir, Chloroquin, Phosphat, Hydroxychloroquin, Camostat Mesilate, APN01 (rhACE2), Tocilizumab, Sarilumab sowie Interferon beta-1a (SNG001). Bei den Impfstoffen heißt es allerdings: bitte warten! Alle 79 Impfstoffkandidaten (Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe sowie genbasierte Impfstoffe) befinden sich erst in der Entwicklung und haben noch keine Zulassung.

Wurst erhöht COPD-Risiko

Eine Langzeit-Co-Studie aus Frankreich und den USA konnte belegen, dass Frauen mittleren Alters, auf deren Speiseplan mindestens einmal pro Woche verarbeitetes Fleisch wie beispielsweise Wurst oder Fleischkonserven stand, ein 1,29-mal so hohes Risiko, an der Lungenkrankheit COPD zu erkranken, aufwiesen als Frauen, die nur sehr selten diese Art von Lebensmittel verzehrten. Ernährten sich diese Frauen auch ansonsten sehr ungesund und rauchten sie zusätzlich, war das Erkrankungsrisiko sogar 6,32-mal so hoch. An der Studie nahmen 87.032 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 36,8 Jahren teil, sie wurden rund 26 Jahre lang von den Studienautoren begleitet.

Placebo bei chronischen Rückenschmerzen

Eine Studie der deutschen Universitätsmedizin Essen zeigte: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen profitieren von einer Therapie mit Placebos. Der Schmerz war gelindert, außerdem fühlten sie sich fitter und weniger depressiv – und das, obwohl die Studienteilnehmer wussten, dass sie Placebos einnahmen. Der schmerzlindernde Effekt der Placebos war in etwa so hoch wie der eines NSAIDs (nichtsteroidalen Antirheumatikums). An der Studie nahmen 127 Personen teil, die mindestens zwölf Wochen lang unter Rückenschmerzen gelitten hatten.

Zahl des Monat 80%

... der Österreicherinnen und Österreicher unter 30 Jahren fürchten sich vor einer Weltwirtschaftskrise als Folge des Corona-Shutdowns der Wirtschaft, weiters haben zwei Drittel Angst vor einer kommenden Massenarbeitslosigkeit. Die Angst davor, sich mit dem Virus anzustecken und gravierenden gesundheitlichen Schaden zu nehmen, ist im Vergleich relativ gering. Das berichtet die Jugendwertestudie 2020. Laut den Studienautoren werden in dieser Altersgruppe u. a. folgende Themen die Zeit nach Corona bestimmen: Verstärkung des Konkurrenzkampfes, Generationenkonflikte, Zukunftsverdüsterung sowie gesteigerte Lust auf Partys.

Vitamin D schützt nicht vor Herzinfarkt

Eine US-amerikanische Metastudie befasste sich mit 21 Studien und wertete insgesamt Daten von 83.291 Personen aus, von denen 41.669 mindestens zwölf Monate lang das Nahrungsergänzungsmittel Vitamin D einnahmen; 41.622 wurde stattdessen ein Placebo verabreicht. Die Probanden waren durchschnittlich 65,8 Jahre alt. Die Ergebnisse zusammengefasst: Eine Vitamin-D-Substituierung (unabhängig vom ursprünglichen Vitamin-D-Spiegel, der Dosis und der zusätzlichen Einnahme von Calcium) senkte weder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch das allgemeine Sterberisiko (bzw. das Risiko, an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall zu sterben).

 

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