Freitag, 22. Februar 2019

Neue Hoffnung bei Krebs

Ausgabe 09/2012
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Die Diagnose Krebs schockiert. Aber die Medizin macht Fortschritte und wartet mit neuen Erkenntnissen zu Ursachen und Risikofaktoren auf. Zudem gibt es neue Therapien und Vorbeugemöglichkeiten.

Foto: Can Stock Photo Inc. : Leaf
Krebs. Keine andere Erkrankung konfrontiert uns so sehr mit unseren existenziellen Ängsten und der Furcht vor dem unabwendbaren Tod. Auch wenn mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, so hat Krebs von der Natur der Erkrankung her etwas Unheimliches, denn dabei wird gewissermaßen ein Stück vom eigenen Körper „böse“ und bedroht den Menschen, und das macht naturgemäß enorme Angst. Dabei hat die Medizin in Bezug auf diese Erkrankung enorme Fortschritte aufzuweisen. In den letzten zwei Jahrzehnten gab es immer weniger Krebssterbefälle, denn frühere Diagnosestellungen und neue Therapiemethoden haben dazu geführt, dass betroffene Patienten länger überleben können oder geheilt werden. Auch über die Ursachen von Krebs gibt es heute neue Erkenntnisse, deren Umsetzung es in letzter Konsequenz auch erlaubt, der Krankheit, die auch als Geißel der modernen Menschheit bezeichnet wird, vorzubeugen.

Gefahr durch Nikotin und Dieselfahrzeuge. „Es steht völlig außer Zweifel, dass Nikotin eine krebserregende Wirkung hat, und das nicht nur hinsichtlich Lungenkrebs, sondern insbesondere auch bezüglich Tumoren im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich sowie der Speiseröhre. Aber auch das Nieren- und Mammakarzinom (Brustkrebs) tritt bei Rauchern und Raucherinnen häufiger auf. Rauchen ist in Bezug auf Krebs ein eindeutiges zusätzliches Risiko“, warnt Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz. Weiters weiß man heute auch, dass Schadstoffe, wie sie etwa von Dieselfahrzeugen, die über keinen entsprechenden Filter verfügen, augestoßen werden, eine krebserregende Wirkung haben. Der vom Dieselmotor emittierte Dieselruß besteht hauptsächlich aus Kohlenstoffpartikeln mit angelagerten Kohlenwasserstoffen. Diese Kleinstteilchen dringen aufgrund ihrer geringen Größe beim Einatmen tief in die Lunge ein. Einige dieser Partikel und Gase können erwiesenermaßen Krebs hervorrufen, andere sind wahrscheinlich krebserregend. Was nach den Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima ebenfalls als gesichert gilt, ist, dass die Belastung durch radioaktive Partikel und Gase eine Häufung von Krebserkrankungen in beträchtlichem Ausmaß nach sich zieht. Dieser Anstieg an Krebserkrankungen ist auch noch viele Jahre nach dem eigentlichen Ereignis zu verzeichnen.

Genetische Belastung. Dass zwischen dem Risiko, an Krebs zu erkranken, und genetischen Faktoren ein Zusammenhang besteht, ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. „Für manche Tumore gibt es hier eindeutige Ergebnisse: Beim Mammakarzinom geht man von einer fünf- bis zehnprozentigen genetischen Belastung aus. Bei einzelnen bösartigen Tumoren des Auges gar von einer 100-prozentigen, wenn beide Eltern bereits darunter litten, und auch beim Hoden- und Dickdarmkrebs ist eine eindeutige Risikoerhöhung festzumachen“, erklärt Samonigg.

Achten Sie auf Ihre Ernährung! Auch was die Ernährung betrifft, gibt es heute gesicherte Erkenntnisse. Samonigg: „Nach heutigem Wissensstand ist eine vernünftige, ausgeglichene Ernährung ganz sicher ein sehr guter Zusatzschutz gegen die Entstehung einer Krebserkrankung. Was wir auch wissen, ist, dass krankhaft übergewichtige Frauen ein erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Und es gibt zudem Hinweise, dass Übergewicht auch das Risiko für Mastdarm- und Dickdarmkrebs erhöht.“ Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann schaden, denn er steigert bei Frauen das Risiko für Brustkrebs und generell jenes für Magen- und Speiseröhrenkrebs. Ebenfalls gefährlich: Übermäßige Sonnenbestrahlung kann zur Krebsbildung führen. Doch wenn man alle Risikofaktoren beachtet? Also nicht raucht, sich gesund ernährt, sich vor zu viel UV-Strahlung schützt und maßvoll Alkohol konsumiert? Samonigg: „Wir gehen davon aus, dass, wenn alle Risikofaktoren berücksichtigt werden, man 50 bis 70 Prozent weniger Krebsfälle hätte.“

Neue Therapien. Für all jene, die dennoch von einer Krebserkrankung betroffen sind, gibt es jedoch auch gute Nachrichten, denn für manche Tumorarten, für die es bis vor Kurzem praktisch keine adäquate Therapie gab, stehen jetzt neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das betrifft etwa das Nierenzellenkarzinom, für dessen Therapie jetzt eine Fülle von spezifischen Antikörpern und biologischen Medikamenten zur Hand ist. „Hier verzeichnen wir einen echten Durchbruch, denn wenn wir die Krankheit auch nicht heilen können, gelingt es uns so doch erstmals, sie effektiv zu bremsen“, erklärt Samonigg. Ähnliches gilt auch für das Prostatakarzinom. Fortschritte sind zudem beim Dickdarmkrebs zu verzeichnen, bei dessen unheilbaren Formen es heute gelingt, die Überlebenszeit der Patienten zu verdoppeln. Beim Mammakarzinom kann man heute durch den Einsatz biologischer Medikamente in manchen Fällen auf die belastende Chemotherapie verzichten. Ein Wort des Experten noch zu diesen neuen Medikamenten: „Biologisch aktive Medikamente sind – auch wenn es so klingen mag – noch lange keine ,harmlosen‘ Substanzen. Sie haben mitunter auch neuartige Nebenwirkungen, die man aber gut beherrschen kann. Nicht zuletzt deshalb gehört die Therapie mit diesen Medikamenten unbedingt in die Hand eines Spezialisten.“


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