Samstag, 25. Mai 2019

Neue Chancen bei Lungenkrebs

Ausgabe 2016.11
Seite 1 von 2

Individuelle Tumoranalysen und maßgeschneiderte Therapien geben einigen Lungenkrebs-Patienten neue Hoffnung. GESÜNDER LEBEN stellt neue Diagnoseformen und Fortschritte in der personalisierten Medizin vor.


Foto: © Can Stock Photo - AntonioGuillem

Lungenkrebs zählt nicht nur zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Er verursacht auch die meisten Todesfälle unter Krebspatienten: Weltweit sterben rund 1,6 Millionen, in Österreich über 3.600 Menschen an seinen leidigen Folgen. Das besonders Heimtückische: Lungenkrebs bleibt oft lange unbemerkt, da sich seine typische Symptomatik erst in einem gereiften Stadium entwickelt: Anhaltender Husten, blutiger Auswurf, Kurzatmigkeit, Heiserkeit, Schmerzen im Brustbereich, Nachtschweißneigung, aber auch Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust können – in ganz unterschiedlichen Ausmaßen – zu den unerwünschten Begleiterscheinungen und Warnsignalen zählen. Mit der gefürchteten Diagnose werden jährlich weltweit rund 1,8 Millionen und österreichweit etwa 4.400 Menschen, durchschnittlich im Alter zwischen 58 und 65 Jahren, konfrontiert – Männer (noch) häufiger als Frauen.

Lungenkrebs – Darauf sollten Sie achten

Im Frühstadium treten häufig keine Symptome auf. Erst wenn sich die Krebserkrankung auf andere Körperteile ausgebreitet, also Metastasen gebildet hat, machen sich folgende Begleiterscheinungen bemerkbar:

  • anhaltender Husten oder Verschlimmerung eines chronischen Hustens
  • Kurzatmigkeit
  • Heiserkeit
  • Brustschmerz
  • Bluthusten
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

 

Nach einem Lungenröntgen folgen Computertomografie des Brustkorbs und Bronchoskopie/Lungenspiegelung (Inspektion der Bronchien mithilfe eines schlauchförmigen Instruments). Während der Bronchoskopie können Gewebsproben (Biopsien) entnommen werden, die Auskunft über die Gut- bzw. Bösartigkeit von Wucherungen geben. Eine anschließende Genanalyse ist ratsam, um möglichen Mutationen aufzulauern.

Das Wissen über Krebs steigt. Detaillierte Ursachen sind selbst Experten noch nicht ganz klar. Fest steht, dass sich diese bösartigen Tumore, die im Bereich des Lungengewebes bzw. der Bronchien durch unkontrolliertes Wachstum anormaler Zellen entstehen, in zwei Hauptarten unterteilen lassen. Der kleinzellige, hochaggressive Lungenkrebs wird vorwiegend durch Rauchen entfacht bzw. verursacht und macht etwa 15 Prozent aller Fälle aus. Häufiger anzutreffen ist der nicht-kleinzellige Lungenkrebs, der verschiedene Formen (Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom bzw. großzelliges, undifferenziertes Karzinom) umfasst – und wesentlich langsamer als das kleinzellige Pendant wächst. Zur größten Risikogruppe zählen zweifelsohne Raucher: „Man geht davon aus, dass ein Großteil aller Lungenkrebserkrankungen durch das Rauchen bedingt ist“, betont Lungenfachärztin Dr. Romana Mikes. „Nikotinkonsum stellt zweifelsohne den Risikofaktor Nummer 1 dar.“ Daneben spielen das Passivrauchen, der Kontakt mit Asbest, Radongas und Arsen eine Rolle. Eher selten sind genetische Faktoren verantwortlich.

Neue Diagnoseformen. Zu den größten Herausforderungen in der Medizin zählen heute neue Methoden zur Früherkennung. Denn allem Übel zum Trotz sind die Heilungschancen in einem frühen Stadium der Erkrankung relativ hoch, während sie sich zu einem späteren Zeitpunkt auf etwa 20 Prozent reduzieren. Besonders gefährlich: Da es in der Lunge keine Schmerzrezeptoren gibt, können Karzinome oft – ganz unbemerkt – eine beträchtliche Größe erreichen und zu späten Diagnosen führen. Neben innovativen Screening-Verfahren, bei denen die Lunge bei geringer Strahlenbelastung akribisch mittels Computertomografie analysiert wird, geben moderne Diagnoseformen einen neuen Hoffnungsschimmer für Betroffene und Angehörige. Nachdem 2009 der gesamte genetische Code von Lungenkrebs entschlüsselt werden konnte, fällt es Experten heute etwas leichter, maßgeschneiderte Therapien für Patienten mit bestimmten Krebsformen einzuleiten. „Dank moderner molekularer Untersuchungsmethoden können Tumorproben umfassend untersucht und quasi ein genetischer Fingerabdruck eines Tumors erstellt werden. Molekulare High-tech-Services wie beispielsweise ,Foundation One‘ bieten auch in Österreich die Möglichkeit, Tumorproben auf über 300 krebsrelevante Gene untersuchen zu lassen“, so der Salzburger Pathologe Dr. Georg Hutarew. Anschließend sucht die weltweit größte Bioinformatikdatenbank mit fast 70.000 Tumordaten nach gezielten Therapien für das vorliegende Tumorprofil – auch nach solchen, die sich erst in Entwicklung befinden. Das Ergebnis: Ärzten steht ein präzises Diagnose-Tool zur Verfügung, um für ihre Patienten die bestmögliche Behandlung zu definieren.  Österreich ist eines der ersten europäischen Länder, in dem dieses neue molekulare Informationssystem verfügbar ist. „In der therapierelevanten Diagnostik wurde dank personalisierter Medizin ein neues Zeitalter eingeläutet. Mithilfe moderner Technik und besserer Vernetzung können umfassende Befunde erstellt und individuelle Therapien gestartet werden“, betont Hutarew. Mittlerweile ist es auch möglich, mittels der so- genannten Flüssig-Biopsie aus dem Blut bestimmte Mutationen festzustellen. Dieses Diagnoseverfahren wird angewandt, wenn beispielsweise nach einer bronchoskopischen Probeentnahme ungenügend Material für eine genaue molekularbiologische Untersuchung vorhanden ist. „Derzeit kann damit nur eine sehr eingeschränkte Zahl an Mutationen untersucht werden. Patienten mit einem Adenokarzinom zeigen in 15 Prozent alle Fälle eine EGFR-Mutation, die mit einem speziell auf diese Mutation abgestimmten Medikament behandelt werden kann. Wenn sich eine Resistenz unter dieser Therapie entwickelt, wird routinemäßig nach einer bestimmten Mutation gesucht, bei deren Nachweis eine weitere gezielte Therapie gegeben werden kann“, führt Hutarew weiter aus.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Neue Chancen bei Lungenkrebs
Seite 2 Maßgeschneiderte Behandlungen

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information