Natürlich gesund durch den Herbst

Ausgabe 2018.09

Erkältung und Stress? Nein danke! Sammeln Sie schon jetzt Kraft für die kühleren Monate – und lernen Sie, dem nun wieder hektisch werdenden Berufsalltag zu entfliehen. Wie das geht? Ganz einfach! Nützen Sie das jahrtausendealte Wissen der traditionellen europäischen Medizin und die Kraft der Natur.


Foto: © iStock-swissmediavision

Blicken Sie auch auf einen schönen Sommer zurück? Hatten Sie herrliche Urlaubstage und durften Sie die ein oder andere Grillparty in netter Gesellschaft genießen? – Schön! Dann schwelgen Sie weiter in der sommerlichen Erinnerung und zehren Sie von den zahlreichen Sonnenstunden. Schließlich werden die Tage allmählich wieder kürzer, der berufliche Terminkalender voller – und: das Erkältungs- und Stressrisiko größer. Unser Immunsystem benötigt also kräftig Unterstützung, um Viren und Bakterien abzuwehren. „Im Herbst stehen Kälte und Trockenheit im Vordergrund“, erläutert Allgemeinmediziner und medizinischer Leiter der Akademie für Traditionelle Europäische Medizin (TEM) Dr. Gerhard Kögler. „Alles, was nun im Gegenzug Körper und Geist wärmt und vor dem Austrocknen schützt, trägt nach den TEM-Grundsätzen zum Erhalt der Gesundheit bei.“ Denn: In der traditionellen europäischen Medizin (siehe Kasten – Was ist TEM?) steht nicht das einzelne Symptom im Vordergrund. Vielmehr wird danach gefragt, unter welchen Voraussetzungen eine Krankheit überhaupt entstehen konnte. Diese Zugangsweise schenkt somit insbesondere den Aspekten Ernährung, Bewegung, Spiritualität, Umwelt und Energiehaushalt größte Aufmerksamkeit. „Wer in diesen fünf Segmenten achtsam lebt, kann Krankheiten entgegenwirken. Dem Immunsystem geht es letztlich nur dann gut, wenn sich der gesamte Kontext in Balance befindet“, weiß Kögler.  

Was ist TEM?

Die traditionelle europäische Medizin ist ein naturheilkundlich geprägtes Behandlungskonzept, dessen Wurzeln in der ägyptischen, griechischen und keltischen Medizin liegen. Es betrachtet den Menschen ganzheitlich und basiert auf der Annahme, dass sich die Humores (Säfte) Phlegma, Sanguis, Chole und Melanchole, die jeder von uns in sich trägt, in Balance befinden müssen, um gesund zu bleiben. Diese Ausgewogenheit kann mit adäquater Ernährung, Bewegung, therapeutischen Anwendungen und Spiritualität erreicht werden. Vor allem die Behandlung mit Heilpflanzen und heilenden Lebensmitteln hat in der TEM eine große Bedeutung. Um den individuellen Konstitutionstyp zu definieren, erfolgt eine ausführliche Diagnose von TEM-Experten mittels Gespräch, Irisdiagnostik oder Zungentest. Danach lässt sich ein passendes Behandlungskonzept maßschneidern.

Für weitere Fragen
können sich Interessierte direkt an die TEM-Akademie wenden. Ab 10./11. November 2018 starten hier wieder spannende Fortbildungskurse. Informieren Sie sich unter
www.tem-akademie.com

Essen Sie sich warm!
Aus TEM-Sicht ist die Ernährung ein wichtiger Teil des Präventionskonzepts. Im Herbst sollten vor allem jene (biologischen) Lebensmittel im Einkaufswagen landen, die befeuchtend bzw. erwärmend und optimalerweise antibakteriell, antiviral und/oder antioxidativ wirken. „Dazu gehören beispielsweise Grünkohl, Artischocken, Fenchel, Kresse, Kürbis, Bohnen, Rote Rüben, Mangold, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich- und Karottengemüse sowie Herren- und Shiitake-Pilze“, zählt Kögler auf. „Empfehlenswert sind auch süße Apfelsorten, Brombeeren, Feigen oder Datteln.“ Auf Fleisch und Fisch kann man – dem Experten zufolge – aufgrund des vermehrt sauren Bindegewebes durch Fleischkonsum und des hohen Quecksilbergehalts beim Meeresfisch eher verzichten. Hingegen gönnt man sich mit frischen Smoothies aus den erwähnten Obst- und Gemüsesorten sowie schmackhaften Gerichten aus Ziegenkäse, Olivenöl, fermentiertem Soja bzw. Dinkel, Hafer, Roggen oder Buchweizen gesunde herbstliche Mahlzeiten.

Würziger Herbst
Das ideale Herbstgetränk lässt sich laut Kögler wiederum aus Ingwer, Zimt, Honig und Zitrone mixen. Schneiden Sie dazu den Ingwer in Scheiben, fügen Sie Zimt und Wasser hinzu und lassen Sie die Mischung etwa 20 Minuten am Herd köcheln. Danach reichen ein paar Tropfen Zitrone sowie ein wenig Honig – und fertig ist der erwärmende und Feuchtigkeit schenkende Zaubertrunk. Alternativ zu Ingwer und Zimt kann übrigens auch die entgiftend wirkende Kurkuma verwendet werden. Sie zählt – zusammen mit Chili, Maggikraut, Kümmel, Curry, Basilikum, Majoran, Muskatnuss, Pfeffer, Sesam oder Rosmarin – zu den Gewürzfavoriten im Herbst.


 

Herbstliche Hausapotheke - diese 8 Pflanzen

Miriam Wiegele, Dozentin an der Akademie für Traditionelle Europäische Medizin, empfiehlt in GESÜNDER LEBEN folgende acht Heilpflanzen. Lassen Sie sich bitte in Detailfragen in der Apotheke beraten.

1. Purpursonnenhut
Verwendete Pflanzenteile: Wurzel; als Fertigpräparat oder homöopathische Urtinktur
Heilwirkung: regt das Immunsystem an; wirkt antibakteriell und antiviral
Indikation: Grippevorbeugung, Fieberblasen, Nebenhöhlenentzündung und Influenza

2. Thymian
Verwendete Pflanzenteile: das blühende Kraut; in Form von Tee
Heilwirkung: wirkt desinfizierend und stark krampflösend
Indikation: bei sämtlichen Formen von Atemwegsproblemen und Husten

3. Mariendistel
Verwendete Pflanzenteile: Früchte; als Fertigpräparat (Kapseln oder Tabletten)
Heilwirkung: entgiftend, leberwirksam
Indikation: bei allen Formen von Lebererkrankungen; auch bei Virus-Hepatitis

4. Löwenzahn
Verwendete Pflanzenteile: Wurzel,  die ganze Pflanze; als Tee oder Pflanzenpresssaft
Heilwirkung: stoffwechselanregend, blutreinigend
Indikation: Verdauungsstörungen, Harnwegsentzündungen, Altersdiabetes

5. Goldrute
Verwendete Pflanzenteile: Das blühende Kraut; als Tee im Aufguss
Heilwirkung: entzündungshemmend, harntreibend
Indikation: Blasenentzündungen, Reizblase

6. Arnika
Verwendete Pflanzenteile: Blüten; in Form von Tee, Tinkturen, Salben und als Öl
Heilwirkung: entzündungshemmend, wundheilend, abschwellend, antirheumatisch
Indikation: Zerrungen, Prellungen, Gelenksprobleme

7. Baldrian
Verwendete Pflanzenteile: Wurzel; als Tee im Aufguss
Heilwirkung: schlaffördernd, entspannend
Indikation: Unruhezustände aller Art, nervös bedingte Einschlafstörungen, prämenstruelles Syndrom und Wechselbeschwerden

8. Taigawurzel
Verwendete Pflanzenteile: Wurzel; in Form von Dragées, Tinkturen
Heilwirkung: immunstärkend, macht widerstandsfähig gegen Stress
Indikation: chronische Müdigkeit, Stress

Alles wird gut!
Neben einer gesunden Ernährung spielt natürlich auch in der TEM die Bewegung eine große Rolle. In Anlehnung an die alten Griechen, die davon ausgegangen sind, dass ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper leben kann, empfiehlt es sich, ein- bis zweimal pro Woche jeweils Ausdauer und Kraft zu trainieren. „Aktuellen Studien zufolge entwickeln Frauen mit regelmäßigem Muskeltraining um 50 Prozent weniger Brustkrebs“, erklärt Kögler. „Und Frauen mit der Diagnose Brustkrebs können dank regelmäßigem Training die Rezidivrate (Häufigkeit des Wiederauftretens einer Erkrankung nach temporär erfolgreicher Behandlung, Anm. d. Red.) um 40 Prozent senken.“ Yoga-Übungen wie zum Beispiel der tägliche Sonnengruß am Morgen und Atemübungen runden das perfekte Sport- und Entspannungsprogramm  ab und bieten die Möglichkeit, zu sich selbst zu finden. Atmen Sie täglich mehrere Minuten vier Sekunden ein und acht Sekunden aus. Verlängern Sie nach und nach den Ausatmungsprozess, um den sogenannten Vagusnerv zu aktivieren und zu unterstützen. Dieser Nerv, der sich vom Gehirn über den Brustkorb bis in den Bauchraum schlängelt, bringt uns zur Ruhe. Plus: Erwiesenermaßen gibt es einen starken Zusammenhang zwischen Atemtraining und Vitalkapazität, welche wiederum Aufschluss über die Funktion der Lunge gibt. „Die Vitalkapazität lässt sich mit gezielten Atemübungen fördern. Menschen mit einer hohen Vitalkapazität haben eine höhere Lebenserwartung“, erklärt Kögler.


 

Selbstbestimmt leben
Dass Bewegung unter freiem Himmel, idealerweise im Wald, laut TEM zu bevorzugen ist, versteht sich fast von selbst. „Die Eindrücke, die wir in der Natur sammeln, schärfen unsere Sinne und trainieren den Geist“, so Kögler. „Der Aufenthalt im Grünen hat eine enorme Wirkung auf unsere Stresshormone und die Immunparameter. Wer sich mindestens einmal pro Woche regelmäßig in der wilden Natur aufhält, kann die Anzahl seiner Killerzellen um 40 Prozent erhöhen.“ Zudem wird dabei schlechter Laune vorgebeugt. Denn: „Im Wald erleben wir eine Faszination, befinden uns im Hier und Jetzt und nicht etwa in der Traurigkeit der Vergangenheit oder in der Sorge um die Zukunft“, betont der TEM-Experte. „Außerdem haben Untersuchungen von Waldkindergärten in Dänemark ergeben, dass Kinder, die sich viel in der Natur aufhalten, ein toleranteres Sozialverhalten an den Tag legen.“ In unserer heutigen, zum Teil völlig medial überreizten Zeit, kann es also nur von Vorteil sein, Psychohygiene in der Natur zu betreiben.  Wer ein Scherflein nachlegen möchte, stellt sich während eines Spaziergangs im Freien Fragen, die laut Kögler zum Herbst passen: Was ist wichtig in meinem Leben? Sind das Freunde oder das neue Smartphone? Ist es wichtig, Stärken auszubauen oder Geld zu verdienen? Wofür bin ich geboren und kann ich das leben, wofür ich geboren bin? „Wer diese Fragen für sich beantwortet, kann auch sein Leben dahingehend steuern, ist zufriedener und bleibt gesünder. Andernfalls wird das eigene Leben fremdbestimmt, wodurch wiederum Unzufriedenheit und Krankheiten hervorgerufen werden können“, so Kögler.

Zurück zu den Wurzeln
Mitunter sind wir im Herbst aber auch gern richtige Nesthocker. Wie die Pflanzen, die sich vor dem Winter in die Wurzeln zurückziehen, bleiben auch wir gern einmal in den eigenen vier Wänden. Wer sich daheim verwöhnen möchte, träufelt abends ins Badewasser etwas Rosmarin-Öl – das wärmt und entspannt. Danach lässt man es sich auf dem Sofa gut gehen und lässt Salbei, Beifuß oder Weihrauch in Ölschalen oder Ähnlichem verrauchen. „Das Räuchern ist ein Ritual, das in der TEM dazu dient, sowohl Körper als auch Geist zu reinigen und in Einklang zu bringen“, sagt Kögler. Für all jene, die etwas härter im Nehmen sind und ihre Widerstandsfähigkeit stärken möchten, eignen sich kurze Kaltwasseranwendungen in Form von Kneipp’schen Knie- oder Schenkelgüssen. Wichtig dabei ist, dass der Kaltreiz nur auf einen warmen Körperteil gebracht wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Kältereiz nicht mit vermehrter Wärmebildung infolge besserer Durchblutung beantwortet wird, sondern, im Gegenteil, zu einer noch stärkeren Abkühlung des Körperteils führt. Beim Wechselunterschenkelbad beispielsweise werden die Unterschenkel zehn Minuten lang bei etwa 40°C warmem Wasser angewärmt und dann zehn Sekunden in eine zweite Wanne mit ganz kaltem Wasser gestellt. Dieser Wechsel wird wiederholt, wobei beim zweiten Mal in der Heißanwendung fünf Minuten reichen – Sie werden sehen: Der Sprung ins kalte Wasser wird sich lohnen!

© Gesünder Leben Verlags GsmbH.