Montag, 16. September 2019

Muss ich wirklich zum Arzt?

Ausgabe 2018.07-08
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Von roten Augen bis zu Taubheitsgefühlen: Bei welchen Beschwerden man entspannt abwarten kann. Und in welchen Fällen Sie schnelle ärztliche Hilfe brauchen.


Foto: ©iStock-seamartini

Antibiotika bei Blasenentzündung, Injektionen gegen Rückenprobleme, Augentropfen bei Bindehautreizungen: Wenn es um körperliche Beschwerden geht, will man meist nichts unversucht lassen. Lieber nichts riskieren, lautet die Devise. Doch nicht jede medizinische Maßnahme wirkt. Und nicht alles, was Ärzte tun können, macht Patienten automatisch gesünder. Soll man dann nicht doch besser abwarten? GESÜNDER LEBEN sprach mit dem erfahrenen Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Molnár über häufige Wehwehchen. Sein Credo: „In leichten Fällen kann man einen Tag oder mehrere Tage abwarten, ob die Beschwerden durch die körpereigenen Selbstheilungskräfte besser werden. Sobald man sich unsicher ist, starke Schmerzen oder hohes Fieber hat, sollte man einen Arzt aufsuchen oder Rettung beziehungsweise Notarzt kontaktieren.“ Aber gehen wir mit dem Experten ins Detail …

Buchtipp

buch coverFragen Sie weder Arzt noch Apotheker

Dr. med. Ragnhild Schweitzer, Jan Schweitzer,
KiWi-Paperback, 272 Seiten, € 15,50

Viele Patienten bekommen Untersuchungen oder Behandlungen, die nicht nötig sind, die vielleicht sogar schaden. Viel hilft eben nicht immer viel. Die Autoren haben damit Erfahrungen gemacht: als Ärzte im Krankenhaus, wenn der Chefarzt mal wieder mehr tat als nötig – aber auch als Eltern. Wissenschaftlich fundiert und mit vielen Fallgeschichten erklären die Autoren, dass es sich oft lohnt, gelassen zu bleiben.

Bauchschmerzen
Sie gehören zu den Symptomen, die höchstwahrscheinlich jeder kennt. Bauchschmerzen können in den verschiedensten Abstufungen auftreten, länger anhalten oder auch plötzlich wieder verschwinden.
Ab zum Arzt: Bei sehr heftigen Schmerzen, die sich durch Bewegung eventuell noch verschlimmern, sollte man auf dem schnellsten Weg medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Ähnliches gilt, wenn die Schmerzen mehrere Tage anhalten und/oder mit einem oder mehreren der folgenden Symptome einhergehen: Fieber, blutiger Stuhl, anhaltende Übelkeit, Gewichtsverlust, gelbe Hautverfärbung, geschwollener Bauch oder Schmerzen bei Berührungen des Bauches.  
Gut zu wissen: Übliche Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen können Magenschmerzen noch verschlimmern und sollten daher nicht eingenommen werden.  

Geschwollene Beine
Umfangsvermehrungen können in allen Regionen der Beine wie Füße, Knöchel, Unterschenkel oder Hüfte auftreten. Zu den häufigsten Ursachen zählen Venenschwäche, langes Stehen/Sitzen,  Entzündungen der Muskeln oder Gelenke durch Verletzungen bzw. Infektionen. Geschwollene Beine können auch eine Folge von Herzschwäche oder einer Embolie (Blutgerinnsel) sein oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.
Ab zum Arzt: Medizinische Abklärung ist gefragt, wenn die Ursache unklar ist, die Schwellung sehr plötzlich auftritt oder mit einer Verletzung einhergeht, nur ein Bein betrifft und schmerzhaft ist oder eines der folgenden Symptome auftritt: Schmerzen in der Brust, Atemnot, Kreislaufschwäche.
Gut zu wissen: Wird eine Venenschwäche vermutet, kann man als Erstmaßnahme die Beine hochlagern und spezielle Kompressionstrümpfe anlegen.  

Taubheitsgefühle
Dieses Symptom kann mit anderen Veränderungen der Körperempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Juckreiz verbunden sein und entlang eines einzelnen Nervs, auf einer Körperseite oder auf beiden Seiten auftreten. Häufige Auslöser sind Verletzungen, Irritationen oder Kompressionen eines oder mehrerer Nerven durch Ursachen wie Diabetes, Vitamin-B-Mangel, Karpaltunnelsyndrom, Alkoholmissbrauch, Borreliose oder Bandscheibenvorfall.
Ab zum Arzt: Plötzlicher Beginn oder Kopfverletzungen sprechen für eine rasche Intervention, ebenso wenn eine gesamte Extremität, also Arm oder Bein, davon betroffen ist. Bei Entleerungsstörungen von Darm oder Harnblase (z. B. durch einen Bandscheibenvorfall) ist sofortige ärztliche Hilfe nötig, um bleibende Schäden zu verhindern. Gleiches gilt bei Schwäche und Lähmungserscheinungen, Verwirrtheit, Sprachstörungen, plötzlichen heftigen Kopfschmerzen.
Gut zu wissen: Treten die Symptome immer wieder auf (z. B. bei bestimmten Aktivitäten) oder verschlimmern sie sich, sollte man einen Arzttermin vereinbaren.

Blasenentzündung
Tritt ein Harnwegsinfekt auf, ist es besser, den Arzt aufzusuchen, als Selbstmedikation mit Hausmitteln zu probieren. Je länger abgewartet wird, desto eher vermehren sich die Bakterien in den Harnwegen und es kann zu Komplikationen (z. B. Nierenbeckenentzündung) kommen.
Ab zum Arzt: Bei Fieber und Schmerzen, die in den Rücken und unter die Rippen ausstrahlen, sollte man sofort zum Arzt bzw. in die Notfallambulanz: Es könnte sich um eine Kolik der Nieren oder eine Nierenbeckenentzündung handeln. Auch bei Blut im Urin sollten Sie zur Abklärung der Ursache auf alle Fälle zum Arzt. Schwangere, Diabetiker, immungeschwächte Personen und Menschen mit einer Blasenfunktionsstörung sollten bei ersten Anzeichen eines Harnwegsinfekts einen Arzt aufsuchen.
Gut zu wissen: Bis zum Arzttermin helfen entzündungshemmende Schmerzmittel und Blasentees. Spezielle Nahrungsergänzungen für die Blase und Wärme an Füßen und Bauch (Wärmeflasche) können zur Vorbeugung einer Entzündung helfen oder unterstützend bei der Therapie sein.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Muss ich wirklich zum Arzt?
Seite 2 Verstauchter Knöchel

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