Sonntag, 26. Mai 2019

Mit Krebs beser leben

Ausgabe 2018.12-2019.01
Seite 1 von 3

In Österreich erkranken jährlich etwa 40.000 Menschen an Krebs – Tendenz leider steigend. Wissenschafter arbeiten aber weltweit an der Entwicklung neuer Therapieformen, um die gefürchtete Krankheit besser kontrollieren und behandeln zu können. Einen Grund zur Hoffnung bieten moderne Immuntherapien.


Foto: iStock-859572966_ultramarinfoto

Ihre Entdeckung hat für einen wahren Umbruch in der Krebstherapie gesorgt – und wurde nun endlich gewürdigt: Die beiden Wissenschafter James P. Allison (USA) und Tasuku Honjo (Japan) erhielten im Herbst 2018 den Medizinnobelpreis für die Entdeckung sogenannter „Immun-Checkpoints“, die zur Entwicklung einer auf Antikörpern basierenden Immuntherapie zur Behandlung bestimmter Krebsformen beigetragen hat. „Die Moleküle, auf denen diese Therapien beruhen, sind schon seit den 1990er-Jahren bekannt, werden aber seit nicht einmal zehn Jahren in der Krebstherapie eingesetzt“, erläutert Univ.-Prof. Mag. Dr. Walter Berger, stellvertretender Leiter des Instituts für Krebsforschung (IKF) an der Medizinischen Universität Wien. „Sie haben eine neue Ära in der Krebstherapie eingeläutet und sie geradezu revolutioniert.“ Wie der Name bereits verrät, basieren die neuen Formen der Immuntherapie auf dem Prinzip unserer natürlichen Abwehrreaktion. Zum besseren Verständnis: Unser Immunsystem ist ein im ganzen Körper verteiltes „Organ“, das über unsere Gesundheit wacht und Infektionen abwehrt. Komplexer als jeder moderne Großrechner hält es eine Unmenge von Eindringlingen in Schach und wehrt gefährliche Krankheitserreger nach einem ausgeklügelten Konzept ab. Sogenannte Fresszellen, weiße Blutkörperchen, stehen dabei an vorderster Front und verschlingen so manchen unerwünschten Eindringling, wie beispielsweise Bakterien oder Viren. „Vermutlich werden auch potenzielle Tumorzellen als gefährlich erkannt und zumindest für eine bestimmte Zeit ,ausradiert‘“, so Berger. Doch unser Körper benötigt auch eine spezifische Abwehr, die bestimmte „Feinde“ gezielt erkennen kann: Aus im Knochenmark gereiften Lymphozyten – anderen weißen Blutkörperchen – bilden sich daher B- und T-Zellen, wobei die B-Zellen über Antikörper Fremdstoffe im Blut und andere Körperflüssigkeiten, also außerhalb einer Zelle, erkennen und T-Zellen auf die direkte Abwehr infizierter Zellen spezialisiert sind. Aber wieso können sich Krebszellen dann zu Krebs entwickeln, ohne immunologisch erkennbar zu sein, wenn unser Körper doch angeblich präziser als jeder Geheimdienst arbeitet? „Der Krebs ist ein ,Hundling‘, denn Krebszellen können sich leider sehr gut tarnen“, erklärt Berger. „Sie gaukeln dem Immunsystem entweder vor, selbst eine regulatorische Immunzelle zu sein – einen derartigen Vorgang nennt man im Fachjargon Immun-Editing –, oder sie greifen Immunzellen mit hemmenden Signalen direkt an, wenn ihre Tarnung doch einmal auffliegen sollte.“

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Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mit Krebs beser leben
Seite 2 Innovative Therapien
Seite 3 Jeder hat seinen eigenen Krebs

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