Freitag, 24. Mai 2019

Mit gesunden Venen reisen

Ausgabe 05/2009
Der heiß ersehnte Urlaub ist längst geplant. Doch ehe man an der Destination seiner Träume ankommt, steht häufig eine lange Reise bevor. Für die Beine eine harte Geduldsprobe, die mitunter auch das Risiko einer Thrombose mit sich bringt.

Foto: photos.com
Nun gut, wer seinen Urlaub in Österreich verbringt und mit der Bahn anreist, wird kaum ein Beinekribbeln riskieren. Belastender ist es, lange Reisen mit Auto, Bus oder Flugzeug zu machen. Für Menschen, die an einer Venenschwäche leiden, kann eine Flug- oder lange Busreise ein Thrombose-Risiko mit sich bringen. Sie kann durch langes Sitzen mit angewinkelten Beinen entstehen.

Was ist eine Thrombose?
„Unter dem Begriff Reisethrombose versteht man die Verstopfung eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel. In der Fachsprache wird das als eine venöse Thromboembolie bezeichnet“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger vom Institut für Sport-, Alpinmedizin & Gesundheitstourismus (UMIT) in Hall in Tirol: „Sie entsteht während oder innerhalb von vier Wochen nach einer Langstreckenreise.“ Bei einer Thrombose wird der Blutfluss in den tiefen Beinvenen verlangsamt, in der Folge kann es zu einem Blutgerinnsel kommen. Dies äußert sich meist in Form von Ödemen und unter Umständen auch durch Schmerzen, v.a. beim Auftreten. Im schlimmsten Fall kann es zu einer tödlichen Lungenembolie kommen.

Wie hoch ist Ihr Risiko?
Die Wissenschaft hat jedoch herausgefunden, dass die Gefahr, eine Reisethrombose zu erleiden, geringer als bisher angenommen ist. Das Risiko bei Langstreckenflügen kann niedrig, mittel oder hoch sein, erklärt der Wiener Venenspezialist Dr. Wolfgang Müller:

  • Ein niedriges Risiko liegt bei jeder vielstündigen Reise vor, die vorwiegend in sitzender Haltung erfolgt und wenn sonst keine Risikofaktoren vorliegen.
  • Ein mittleres Risiko haben jene, auf die zwei der folgenden Risikofaktoren zutreffen: Alter über 60 Jahre, Vorliegen einer Herzerkrankung, eine familiäre Thromboseneigung, Krampfadern, starkes Übergewicht oder starker Flüssigkeitsverlust nach Erbrechen oder Durchfall sowie die Einnahme von Hormonersatztherapie oder hormonellen Verhütungsmitteln. Auch Schwangere und Mütter kurz nach der Entbindung zählen zu dieser Risikogruppe.
  • Ein hohes Thromboserisiko haben Reisende, die bereits eine Thrombose erlitten haben. Wer mit einem Gipsfuß reist, zählt ebenso zur Hochrisiko-Gruppe wie Krebspatienten oder Patienten, die eine Operation mit erhöhtem Thromboserisiko hinter sich haben.

So beugen Sie vor

Je nachdem, zu welcher Risikogruppe man gehört, empfehlen Experten unterschiedliche Schutzmaßnahmen. „Einerelativ einfache Möglichkeit der Vorsorge ist es, im Flugzeug Bewegungsübungen mit den Beinen zu machen, sodass die Muskelpumpe aktiviert wird“, rät Mediziner Schobersberger. „Ganz wichtig ist es auch, ausreichend zu trinken – mindestens ein Viertel Liter Flüssigkeit in zwei Stunden. Trinken Sie aber keinen Alkohol, er trocknet den Körper zusätzlich aus.“ Zusätzlicher Tipp: Tragen Sie Kompressionsstrümpfe (Klasse 1).

Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, vorbeugend Medikamente einzunehmen, die das Thromboserisiko senken können. Hier empfiehlt Schobersberger aber ein genaues Abwägen: „Aufgrund der bekannten Nebenwirkungen sollte die Gabe von Medikamenten gut überdacht werden, ebenso wie der Einsatz von niedermolekularen Heparinen zur Prophylaxe der Reisethrombose. Es handelt sich immer um eine individuelle Entscheidung, die der Arzt treffen muss.“ Schobersberger: „Kürzlich wurde für die sogenannten Pentasaccharide ein Wirknachweis für die Thromboseprophylaxe beim Hochrisikopatienten erbracht.“

In Bewegung bleiben
Auf Nummer sicher gehen Sie in jedem Fall, wenn Sie für etwas Bewegung sorgen. Wird die Wadenmuskulatur im Halbstundentakt aktiviert, verhindern Sie ein Stocken des Blutflusses. Einfache Übungen, wie Beine auf den Boden stellen und abwechselnd Zehen und Fersen kräftig hochziehen, sind Übungen, die man ohne großes Aufhebens fast überall ausführen kann. So bleiben nicht nur die Beine fit, sondern es gibt auch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Zeit vergeht schneller. Fast wie im Flug.


So schützen Sie Ihre Venen
Gruppe 1: Niedriges Risiko
  • Bewegungsübungen, z.B. Fußwippen, isometrische Übungen. Bei PKW- und Busfahrten regelmäßige Pausen machen und einige Schritte gehen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (kein Alkohol!)
  • Zurückhaltung beim Gebrauch von Tranquillanzien und Schlafmitteln solange man sitzt

Gruppe 2: Mittleres Risiko

  • Allgemeine Maßnahmen (siehe Gruppe 1)
  • Wadenstrümpfe mit mindestens 10–20 mm Hg Druckbereich (bei chronisch venöser Insuffizienz 20–40 mm Hg)
  • Im Einzelfall medikamentöser Schutz

Gruppe 3: Hohes Risiko

  • Allgemeine Maßnahmen (siehe Gruppe 1)
  • Kompression (siehe Gruppe 2)
  • Medikamentöser Schutz

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