Sonntag, 17. Februar 2019

Mit Ayurveda gesund bleiben

Ausgabe 07-08.2014
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Was es mit den drei Doshas auf sich hat, wie Sie Ihre Gesundheit erhalten und warum sich die alte indische Medizin ganz einfach in Ihr Leben integrieren lässt. Plus: gesünder leben beim Selbstversuch.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - ersler

Erst gar nicht krank werden, das Leben erhalten, gesund bleiben: Das ist Ayurveda. Bei uns ist jemand gesund, der nicht krank ist. In der alten Zeit aber war Gesundheit positiv formuliert. Und in der Definition standen schon die Mittel, wie man diese Gesundheit erhalten kann. Wenn dann jemand krank wurde, hatte man zwei Zugänge zur Diagnose: Man konnte klassisch die Krankheit diagnostizieren. Aber eine Krankheit zu diagnostizieren, das weiß man aus der modernen Medizin, ist nicht immer möglich. Manchmal ist es auch einfach eine ganz vage Beschreibung von Symptomen, die dann einen Namen bekommen. Die indische Lehre Ayurveda indes diagnostiziert den Patienten: Wer ist krank geworden? Wie ist er krank geworden? Und das Gute für den Patienten in diesem System ist, dass man ihn immer behandeln kann. Auch zum Beispiel dann, wenn die Krankheit unheilbar sein sollte oder so unbekannt, man etwa keine Therapie kennt oder gerade keine Therapeutika verfügbar sind. Den Patienten, das heißt das Gleichgewicht des Patienten, kann man immer stärken, damit er mit der Krankheit besser fertig wird.

Früh ins Bett und zeitig aufstehen. Das Kapha ist auch das schwere Dosha, das beim Einschlafen hilft. Die Kapha-Zeit ist von 18 bis 22 Uhr und im Ayurveda sollte man gegen 22 Uhr ins Bett gehen. Es gibt in der modernen Forschung auch Hinweise von der Hormonproduktion und von den Biorhythmen, die besagen, dass der Schlaf vor Mitternacht sehr erholsam ist. Andererseits weiß man aus der Forschung, dass es grundsätzlich zwei Menschentypen gibt. Man nennt sie Eulen und Lerchen. Lerchen sind diejenigen, die mit dem Licht gehen, sie haben einen inneren 24-Stunden-Rhythmus – und der lässt sich mit dem äußeren Tag gut synchronisieren. Sie wachen auf, wenn die Sonne kommt, und werden müde, wenn die Sonne untergeht. 60 Prozent der Menschen sind allerdings Eulen, sie haben einen inneren 26, 28, 30 oder auch mehr-Stunden-Rhythmus und hinken der eigentlichen Tageszeit immer hintennach. Hinzu kommt: Der Rhythmus verschiebt sich auch noch täglich. Der innere und der äußere Rhythmus lassen sich synchronisieren, wenn man sich dem Tageslicht anpasst, also abends früh ins Bett geht und morgens zeitig aufsteht.

Der Mensch spürt, was er essen soll. Ayurveda baut darauf auf, dass man natürliche Bedürfnisse berücksichtigt. Denn: Der Körper will im Gleichgewicht bleiben. Vieles reguliert er selber, aber manchmal braucht er Hilfe. Hilfe etwa braucht er in der Wärmeregulation: Bei Kälte zieht man mehr an, bei Hitze weniger. Wir müssen dem Körper die Baustoffe liefern, nach den dynamischen Prinzipien, dass er sich ständig erneuern kann. Und das Ganze sollte im Gleichgewicht passieren. Ayurveda beschreibt das eben so, dass man bei der Ernährung schauen soll, im Gleichgewicht zwischen den drei Doshas, Vata, Kapha und Pitta zu sein. Kapha steht für schweres Essen, wie Fleisch, Kohlenhydrate, Fett usw. Vata für fast alle Gemüsesorten sowie hitzige Lebensmittel und Gewürze, Pitta für sauer, scharf und flüssig. Grundsätzlich sollte man das Essen darauf aufbauen, was die Jahreszeit und die weitere Umgebung liefern. Wenn man das so macht und industriell hergestellte Lebensmittel weitgehend meidet und lernt, auf sein eigenes Gespür zu hören – Wann bin ich hungrig? Wann satt? Worauf hätte ich jetzt wirklich Appetit? –, dann kommt man automatisch zum richtigen Essen. Die drei Doshas bauen sich mit der Atmosphäre auf und ab. Das heißt: Zu Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht und die Hitze am Höhepunkt ist, ist das Pitta am größten – und damit auch die Verdauungskraft. Deshalb sagt man, mittags ist der ideale Zeitpunkt, richtig zu essen. Abends kommt erst das Vata rein und dann das Kapha. Die sind nur marginal für die Verdauung zuständig. Darum sollte das Abendessen leicht ausfallen. Wenn der Körper neue Bausteine braucht, meldet er sich über Hunger. Wenn er Flüssigkeit braucht, über Durst. Die meisten Leute jedoch essen, wenn sie ein bisschen Appetit bekommen haben – das überfordert den Körper. Ayurveda sagt auch, dass die Nahrungsmittel aus der näheren Umgebung sein sollten, es macht also keinen Sinn, indische Rezepte nachzukochen, auch wenn wir so gut wie alle Zutaten bei uns kaufen können. „Es ist wichtig“, sagt der seit 30 Jahren praktizierende Arzt und Ayurveda-Spezialist Dr. Johann Schäffler, „dass man Ayurveda für heute auf unsere klimatischen und kulturellen Bedingungen umsetzt. Dazu gehört auch unsere europäische Art zu denken und zu fühlen, die anders ist als die indische.“ Hinzu kommt: „Es geht überdies darum, den Geist des Alten zu begreifen und umzusetzen auf moderne Zeiten. Das Problem dabei ist, dass wir das Alte mit unserer heutigen Brille anschauen."

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mit Ayurveda gesund bleiben
Seite 2 Jungbrunnen für gestresste Europäer

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