Donnerstag, 23. Mai 2019

Milch? Nein danke!

Ausgabe 2019.04
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Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall – Wer an einer Laktoseintoleranz leidet, kennt diese Symptome nach dem „Genuss“ von Milchprodukten. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie man die Nahrungsmittelunverträglichkeit erkennt und mit ihr umgeht.


Foto: iStock-AndreyPopov

Rund 20 Prozent aller Österreicher gelten als laktoseintolerant. Sie besitzen entweder zu geringe Mengen des Enzyms Laktase, um Milchzucker (Laktose) in seine Einzelbausteine – Glukose und Galaktose – zu zerlegen, oder weisen eine Schädigung dieses Enzyms auf. „Diese führt zu einer nur noch geringen Aufspaltung der aufgenommenen Laktosemenge, die im äußersten Fall gar nicht mehr möglich ist. Folglich gelangt der Milchzucker unzerlegt in den Dickdarm, wo er von Darmbakterien vergoren wird“, so Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Harald Vogelsang, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Wiener AKH. Dabei entstehen verschiedene Substanzen: Gase wie Kohlendioxid und Wasserstoff, aber auch organische Säuren, die allesamt zu unliebsamen Beschwerden führen: Druck- und Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Vereinzelt sind auch Symptome wie Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel oder anhaltende Müdigkeit anzutreffen – für eine Laktoseintoleranz sind sie aber eher untypisch.

Laktosekompass

GESÜNDER LEBEN zeigt, in welchen Milchprodukten viel Laktose steckt – und welche durchaus auch für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglich sind.

lebensmittel

Natürlich Milch?
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der primären, adulten, und der sekundären Laktoseintoleranz. „Die gängige Form ist die primäre Form. Aufgrund genetischer Ursachen wird die Produktion des milchzuckerspaltenden Enzyms mit der Zeit reduziert. Daher wird sie oft erst mit der Pubertät bis hin zum jungen Erwachsenenalter bemerkt“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Patrizia Kump, Gastroenterologin an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz. „Sekundäre Laktoseintoleranzen können durch Erkrankungen des Dünndarms entstehen, häufig sieht man sie aber auch bei funktionellen Magen-Darm-Störungen, dem sogenannten Reizdarm. Hier liegt in der Regel nicht nur eine Intoleranz gegen Laktose, sondern auch gegen andere Kohlenhydrate vor.“ Die Schädigung der oberen Dünndarmschleimhaut kann nicht nur durch chronische oder infektiöse Darmerkrankungen, sondern auch durch Antibiotika oder Chemotherapeutika hervorgerufen werden. „Sie bildet sich aber wieder zurück, wenn die jeweiligen Auslöser erfolgreich behandelt wurden“, ergänzt Vogelsang. Evolutionsgeschichtlich betrachtet gehörte Milch nicht zu den typischen Nahrungsquellen, sodass nach der Stillzeit eine Milchverträglichkeit nicht wirklich notwendig war. Erst mit Beginn der Milchtierhaltung kam es offenbar – wie Wissenschafter vermuten – zu Veränderungen des menschlichen Erbguts, die zu einer Toleranz gegenüber Milchzucker geführt haben. Dennoch: „Laktoseverträglichkeit ist heute in der Gesamtbevölkerung eher die Ausnahme. Etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung weist eine Intoleranz auf“, so Vogelsang. Man kann daher nicht – wie vielfach belächelt – von einer Modeerscheinung sprechen. Ganz im Gegenteil: Bereits bei den alten Römern und Griechen wurden Symptome wie Magen-Darm-Reizungen nach dem Verzehr von milchzuckerhältigen Lebensmitteln festgestellt. Und Experte Vogelsang bekräftigt: „Laktoseintoleranz hat es immer schon gegeben. Es handelt sich weitgehend um ein genetisches Phänomen, um eine Eigenheit, aber nicht um eine Erkrankung. Heute lässt sie sich aber besser medizinisch abklären. Zudem schenken Menschen den unliebsamen Beschwerden wie einem Blähbauch mehr Aufmerksamkeit. Schließlich gehört er nicht wirklich zu einer ,fitten Performance‘“.

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