Montag, 18. Februar 2019

Migräne Mythos und Wahrheit

Ausgabe 04.2015
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Migräne ist häufiger, als man glaubt: Etwa jeder zehnte Österreicher leidet unter diesen speziellen Kopfschmerzen, die als typische „Frauenkrankheit“ verkannt werden.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Kurhan

Migräne ist so alt wie die Menschheit: So bohrten die Steinzeitmenschen Löcher in den Schädel, um die unerträgliche Pein loszuwerden, während die Krankheit heute mit den Erkenntnissen und Therapien der modernen Medizin gut in den Griff zu bekommen ist. Migräne betrifft alle Altersgruppen und sogar Kinder, kommt aber am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr vor. Und: Obwohl sie sehr gut behandelbar ist, wird die Erkrankung nach wie vor oft falsch eingeschätzt oder sogar falsch diagnostiziert. GESÜNDER LEBEN entlarvt die häufigsten Migräne-Mythen.

Migräne ist eine Frauenkrankheit. „Migräne ist eine Volkskrankheit, keine Frauenkrankheit“, betont Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Molnár. „Es stimmt zwar, dass Migräne häufiger bei Frauen als bei Männern diagnostiziert wird. Zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr werden auch dreimal mehr Frauen als Männer von Migräneattacken heimgesucht.“ Aber: Vor der Pubertät sind Buben und Mädchen gleich häufig betroffen, und auch danach leiden sehr viele Männer daran.

Migräne erkennen und richtig behandeln

Hilfestellung für Betroffene

Leide ich unter Migräne? Bei Migräne treten Schmerzen meist einseitig auf, wobei die Seite auch wechseln kann. Die Schmerzen werden von Betroffenen als pulsierend oder pochend beschrieben. Sie sind meist so stark, dass alltägliche Beschäftigungen unterbrochen werden müssen. „Typisch sind auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Konzentrations- und Sehstörungen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit“, erklärt Dr. Wolfgang Molnár. „Bisweilen kommen zusätzlich neurologische Symptome wie zackenförmige Lichterscheinungen, Gesichtsfeldausfälle, grelle Lichtblitze, Halluzinationen, Sprachstörungen, Lähmungen oder Empfindungsstörungen hinzu. Treten diese Symptome vor den eigentlichen Kopfschmerzen auf, spricht man von einer Migräne mit Aura.“

Auch Kinder haben Migräne. Drei bis fünf Prozent aller 3- bis 11-jährigen Kinder leiden laut Angaben der Medizinischen Universität Wien an Migräne – Mädchen gleich oft wie Buben. Häufige Auslöser sind Stress, Überforderung, Reizüberflutung, seelische Belastungssituationen sowie Sehfehler, Entzündungen oder Kieferfehlstellungen. Verzögerte Mahlzeiten zählen ebenfalls zu den möglichen Ursachen, wenn der Blutzucker zu sehr absinkt. Anders als bei Erwachsenen dauern die Anfälle meist kürzer, häufiger sind Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, auch Kreislaufstörungen und Schwindel sind möglich. Bei regelmäßigem Auftreten von Teilnahmslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit oder Blässe ohne Kopfschmerzen sollten die Eltern ebenfalls an Migräne denken. Dr. Wolfgang Molnár rät, möglichst frühzeitig einen Arzt aufzusuchen: „Wird Migräne nicht wirksam behandelt, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung der Schmerzen und Schmerzmittel-Missbrauch, der in der Folge wiederum zu Kopfschmerzen führen kann.“

Beratung und Hilfestellung. Die erste Anlaufstelle bei immer wiederkehrenden Kopfschmerzen ist der Hausarzt. Er kann Patienten zur weiteren Abklärung an einen Neurologen überweisen. Weiters können sich Betroffene gezielt an eine Kopfschmerzambulanz wenden, z. B. in Wien am AKH oder in der Steiermark an der Universitätsklinik Graz. Im Mittelpunkt steht die Erstellung einer genauen Diagnose, die Ergründung möglicher Auslöser und eine gezielte Therapie.

Eine Liste der österreichischen Kopfschmerzambulanzen und Selbsthilfegruppen finden Sie unter: www.kopfschmerzforum.at

Die Ursache ist meist ein verspannter Nacken. Viele Betroffene halten ihre Kopfschmerzen für zu banal, um deswegen einen Arzt aufzusuchen. Andererseits wird selbst bei einem Arztbesuch nicht immer die richtige Diagnose gestellt, wie Molnár erklärt: „Kopfschmerzen werden häufig bagatellisiert und als Befindlichkeitsstörung abgetan, mit der man halt leben muss.“ Als Ursache der Beschwerden wird fälschlicherweise häufig ein verspannter Nacken oder ein Halswirbelsyndrom verantwortlich gemacht: „Das ist allerdings selten der Fall. Umgekehrt schmerzt während einer Migräneattacke häufig auch der Nackenbereich.“

Migräneanfälle kommen aus heiterem Himmel. Migräneanfälle kündigen sich sehr häufig durch typische Symptome an. Die ersten Hinweise können sich bereits zwei Tage vor der Attacke bemerkbar machen, andere treten erst ein bis zwei Stunden davor auf. Die Liste der möglichen Vorboten ist lang, so der Arzt: „Manche Patienten fühlen sich kreativ, angetrieben bis rastlos, teils auch in Hochstimmung. Andere sind müde, gereizt und depressiv. Zu den häufigsten Symptomen zählen eine generelle Überempfindlichkeit und Stimmungsschwankungen gefolgt von Nackenverspannungen und Konzentrationsproblemen. Ein weiteres typisches Vorsymptom kann heftiges Gähnen sein. Diese Vorboten dürfen nicht mit der sogenannten „Aura“ verwechselt werden, die bei rund einem Drittel der Betroffenen auftritt.

Migräne kündigt sich immer durch die Aura an. Es gibt zwei Hauptformen der Migräne: Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. Molnár: „Der Begriff steht für eine Reihe neurologischer Symptome, die dem Kopfschmerz unmittelbar vorausgehen. Dazu gehören Seh-, Sprach- und Sensibilitätsstörungen wie Missempfindungen und sogar Lähmungen. Die Symptome entstehen meist innerhalb weniger Minuten, verändern sich aber in den darauffolgenden 10 bis 60 Minuten.“ Am häufigsten treten Sehstörungen mit optischen Phänomenen wie Lichtblitzen, veränderter Farbwahrnehmung oder gezackte Linien auf. Es wird sogar vermutet, dass berühmte Maler wie Vincent van Gogh durch solche Sehstörungen zu bestimmten Werken inspiriert wurden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Migräne Mythos und Wahrheit
Seite 2 Migräneanfälle

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