Freitag, 24. Mai 2019

Meine Rechte als Patient

Ausgabe 2016.03

Welche Rechte habe ich als Patient, welche Pflichten? Was steht mir zu? Hat der Arzt tatsächlich falsch gehandelt? GESÜNDER LEBEN beantwortet die wichtigsten Fragen, die Patienten stellen.


Foto: Can Stock Photo Inc. – jannoon028

Für einen guten Behandlungserfolg ist eine Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patienten von größter Bedeutung. Für die Mehrheit der Ärzte steht das Wohl ihrer Patienten an oberster Stelle. Trotzdem – gerade in einem sensiblen Bereich wie der eigenen Gesundheit – kann es nicht schaden, über die gesetzliche Rückendeckung Bescheid zu wissen. Patientenrechte schützen und unterstützen den Patienten im Verlauf einer Behandlung in einer Krankenanstalt, bei einem niedergelassenen Arzt (Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt oder Zahnarzt) oder einer sonstigen Einrichtung des Gesundheitswesens (beispielsweise Betreuung durch einen Rettungsdienst, eine Apotheke, einen Physiotherapeuten etc.). Die Rechte von Patienten sind in zahlreichen Vorschriften und Gesetzen von Bund und Ländern verankert.

GESÜNDER LEBEN beantwortet gemeinsam mit der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz (www.patientenanwaltschaft.wien.at) die wichtigsten Fragen in Sachen Patientenrechte.

Bin ich umfassend aufgeklärt worden?
Grundsätzlich gilt: Als Patient habe ich das Recht, die Ordination erst zu verlassen, wenn ich mich vollständig aufgeklärt fühle. Eine umfassende und gute ärztliche Aufklärung umfasst Diagnosestellung, Therapieverlauf, mögliche Nebenwirkungen (zum Beispiel auch im Wechsel mit bereits bestehenden Erkrankungen), Behandlungsalternativen, voraussichtliche Erfolgsaussichten, Folgebehandlungen und etwaige Kosten. Pilz: „Der Arzt muss sich Zeit für das Patientengespräch nehmen und sich zum Schluss vergewissern, ob beim Patienten auch tatsächlich alle Infos angekommen sind.“ Die Obliegenheit des Patienten ist es allerdings auch, betont Pilz, aktiv an der Aufklärung mitzuwirken: So zum Beispiel sind dem Arzt etwaige vorhandene Vorinformationen, die für die Behandlung von Bedeutung sind, mitzuteilen.

Darf mich ein Arzt auch ohne Zustimmung behandeln?
Nur im Notfall! Ansonsten gilt: „Für jede medizinische Behandlung ist eine Zustimmung des Patienten erforderlich“, betont Pilz. Dabei ist es egal, ob es sich um eine herkömmliche Erkältung oder eine schwere chronische Krankheit handelt. Voraussetzung hierbei ist, dass der Patient nachweisbar einsichts- und urteilsfähig ist. Der Patient hat aber auch die Möglichkeit, eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht zu verfassen und darin einer Vertrauensperson in zuvor genau abgestimmten Punkten die Entscheidungsmacht zu übertragen. Auch die Forderung nach einer frühzeitigen Entlassung aus dem Krankenhaus ist – auf eigene Verantwortung – das Recht des Patienten.

Was gilt als ärztlicher Behandlungsfehler?
Pilz: „Der Arzt schuldet dem Patienten eine Behandlung auf Stand der Wissenschaft. Er schuldet aber nicht den Behandlungserfolg!“ Kommt es zu einem medizinischen Schaden, kann man sich an den Patientenanwalt wenden, um abzuklären, ob es sich um einen Behandlungsfehler, eine Komplikation oder eine schicksalhafte Fügung handelt. „Das ist oft nicht einfach zu beurteilen!“, gibt Pilz zu. „In der Medizin gibt es keine 100-prozentige Sicherheit!“ Klar ist der Fall, wenn es sich um ein eindeutiges fahrlässiges und somit strafbares Handeln seitens des Arztes handelt, zum Beispiel wenn dieser bei der Behandlung betrunken war, nicht über das nötige Wissen für die Behandlung verfügte oder dafür nicht das passende Werkzeug zur Hand hatte. Pilz gibt aber zu bedenken: „Entscheidet man sich, zivilrechtlich vor Gericht zu ziehen, muss man stets das Prozessrisiko im Hintergrund behalten: Entscheidet der Richter nicht zu den eigenen Gunsten, trägt man die Gerichts- und Verfahrenskosten.“

Haftet der Arzt bei einer Falschdiagnose?
Gerade bei Krebserkrankungen kommt es leider nicht selten vor, dass die richtige Diagnose erst nach mehreren Arztbesuchen (bei verschiedenen Ärzten) gestellt wird. „Was in Österreich einer guten Diagnose oftmals im Weg steht“, so Pilz, „ist, dass Erstdiagnosen oftmals nicht infrage gestellt werden.“ Die Patientenanwältin rät, bei schwerwiegenden Erkrankungen eine Zweitmeinung einzuholen und sich dies von der zuständigen Gebietskrankenkasse, die pro Quartal häufig nur einen Vertragsarzt erlaubt, genehmigen zu lassen. Nachsatz: „Man kann allerdings keine Behandlung bestellen. Im Krankenhaus hat man nicht das Recht, sich den behandelnden Arzt auszusuchen – außer, man ist Privatpatient.“ Hat die Behandlung zu einem deutlich schlechteren Ergebnis als erwartet geführt, ist der Besuch bei der Patientenanwaltschaft durchaus überlegenswert, so Pilz: „Mithilfe eines Vertrauensarztes überprüfen wir ganz genau, ob es zu einer Fehlbehandlung kam.“ Beim Gang zum Patientenanwalt geht es nicht nur um finanzielle Entschädigung, sondern auch um „das mentale Abschließen“.

Habe ich jederzeit Einsicht in meine Krankengeschichte?
Die Pflicht jedes Arztes ist es, Therapie und Krankengeschichte des Patienten genauestens zu dokumentieren. Man selbst hat jederzeit das Recht, diese einzusehen. „Man kann die Krankengeschichte auch im Krankenhaus anfordern, allerdings ist ein Ersatz für die Kopierkosten zu bezahlen“, erklärt die Patientenanwältin. Die Krankengeschichte eines Verwandten darf man nur dann einsehen, wenn er dies ausdrücklich autorisiert hat.

Wann handelt es sich um Freiheitsbeschränkung?
Um die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten, ist stets das gelindeste Mittel anzuwenden, so Pilz. „Freiheitsbeschränkungen sind ein ernst zu nehmender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen und dürfen nur auf rechtlicher Grundlage angewendet werden.“ Das Pflegepersonal oder Angehörige meinen es gut, wenn die Gitterstäbe am Bett hochgezogen oder der Patient an den Rollstuhl gebunden wird. Aber, gibt die Expertin zu bedenken: „Studien haben ergeben, dass Freiheitsbeschränkungen oftmals der Weg in das größere Elend sind.“ Patienten klettern über die Bettgitterstäbe oder sind nach dem vielen Sitzen im Rollstuhl wackelig auf den Beinen.  Die Folge: schwerere Stürze. „Auch bei verringertem Personal darf eine Freiheitsbeschränkung nicht die Alternative sein. Auch dürfen nur Medikamente verabreicht werden, wenn es medizinisch zur Behandlung indiziert ist.“

In der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft (WPPA) ist eine „Unabhängige Patienteninformationsstelle (UPI)“ eingerichtet worden. Unter der Wiener Telefonnummer 544 22 66 erhalten Rat suchende qualitätsgesichert und kostenlos Beratung zu gesundheitlichen, pflegerischen, sozialen und gesundheitsrechtlichen Fragen.

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