Mittwoch, 20. Februar 2019

Mein Leben nach dem Hautkrebs

Ausgabe 2017.11
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Jahreslanges Sonnenbaden forderten bei Peter Kirchberger 2014 seinen Tribut: schwarzer Hautkrebs! In GESÜNDER LEBEN blickt er auf seine erfolgreiche Therapie zurück. Und er erzählt, wie er mit seiner Haut Frieden schloss.


Foto: Kati Bruder

Auf einmal war er da, ganz plötzlich, und er wollte nicht mehr verschwinden: ein Knoten unter der linken Achsel. 2014 war es, als der damals 33-jährige Peter Kirchberger ihn ertastete, zufällig eher. „Dieser Knoten hatte circa die Größe einer Murmel und ich konnte ihn zwischen den Fingern hin und her bewegen. Er war hart und knorpelig, aber weh tat er nicht.“ Peter erinnert sich genau daran, wie sich dieser Fremdkörper, der sich einfach so in sein Leben gedrängt und in seinem Körper eingenistet hatte, anfühlte und wie er aussah. Kein Wunder, denn dieser Knoten war es, der die nächsten zwölf Monate das Leben des Niederösterreichers bestimmen sollte.

Sonnenanbeter. Aber von Beginn an. Gehen wir zurück in eine Zeit, lange vor fremden Knötchen im Körper. Seitdem er sich erinnern kann, sei Peter immer schon „ein Sonnenanbeter“ gewesen, wie er uns erzählt. „Ich habe es als Kind geliebt, im Sommer viele Stunden im Wasser zu planschen.“ Und wie das halt dazugehört zu einem rundum gelungenen Sommertag, war nach dem Wasseraufenthalt „chillen in der Sonne“ angesagt. „Zwar nicht stundenlang, aber doch lange genug“, erinnert sich Peter. Mit Sonnenschutz eingecremt habe er sich damals nur selten. „Als Kind hat man so etwas nicht im Kopf, da willst du einfach nur Spaß haben. Meine Eltern waren in dieser Hinsicht leider sehr nachlässig.“ Die Folge: zahlreiche schwere Sonnenbrände am Rücken. Ein Rücken, der von Muttermalen übersät war. Die Liebe zur Sonne hat Peter auch in seinen Jugendjahren und als junger Erwachsener nicht losgelassen. „Mit Freunden habe ich mich in der Sonne bräunen lassen. Ein sonnengebräunter Körper ist einfach etwas Schönes.“ Mehr als eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 20 war nicht drin. „Heute weiß ich: viel zu niedrig.“ Um die Bräune auch in der kalten Jahreszeit zu erhalten, waren Solariumbesuche für Peter etwas Selbstverständliches. „Einmal habe ich es übertrieben und ich hatte am ganzen Körper einen Sonnenbrand. Überall ist mir die Haut abgegangen.“ Obwohl Peter heute lachen muss, wenn er von diesem Vorfall erzählt, ist er sich durchaus bewusst, dass er jahrelang verantwortungslos mit der Sonne umging. „Hautkrebs war ein Thema, das schlicht nicht präsent war.“

Die Rache der Haut. Zumindest bis 2014. Da fiel nicht Peter selbst, sondern seiner Schwester ein verdächtiges Muttermal im Nacken auf. „Sie hat mich überredet, zum Hautarzt zu gehen.“ Der hat das Muttermal, um „auf Nummer sicher zu gehen“, entfernt. Ein minimaler Routineeingriff, nicht nur für den Arzt, sondern, wenn man so will, auch für Peter selbst. „Ich habe mir darüber keine weiteren Gedanken gemacht. Das Muttermal war weg und für mich war die Sache gegessen.“ Wenige Wochen später aber entdeckte Peter während des Sports anfangs beschriebenen Lymphknoten unter der Achsel, der verdächtig angeschwollen war. Das war aber nicht die einzige Art und Weise, mit der Peters Körper mit aller Kraft darauf aufmerksam machen wollte, dass bei ihm einiges nicht im Lot war: „Es gab einige Nächte, in denen ich schweißnass aufgewacht bin. Ich bekam das Gefühl nicht los, dass mit mir etwas nicht stimmt.“

Metastase. Dieses Gefühl bestätigte sich kurze Zeit später im Krankenhaus: Ärztliche Untersuchungen ergaben, dass der Lymphknoten befallen war und es sich beim Knoten um eine Metastase handelte. Diagnose: schwarzer Hautkrebs. „Aber wenigstens war’s nur eine Makro-Metastase!“, erzählt Peter und die Erleichterung ist ihm bis heute ins Gesicht geschrieben.

Plötzlich Krebspatient. Die Diagnose selbst erfuhr er nicht von den Ärzten, sondern von seiner Mutter. „Sie sagte mir, dass wir es mit etwas Ernstem zu tun haben und sie mit mir reden muss.“ Wieso die Mama und nicht der Arzt der Überbringer der schlechten Neuigkeiten war, weiß Peter nicht. Aber er wundert sich heute noch: „Ich empfinde es als sehr feige, dass hier meine Mama vorgeschoben wurde.“ Die Diagnose sei für ihn erst mal ein Schock gewesen, natürlich, vor allem aber habe er sich wie vor den Kopf gestoßen gefühlt: „Ich wusste nicht, was jetzt auf mich zukommt. Ich hatte mit solch einer Nachricht nicht gerechnet. Ich war überfordert.“ Erst in der darauffolgenden Nacht habe er die Diagnose verarbeitet und „so richtig realisiert“, dass er nun, von einem Tag auf den anderen, Krebspatient war. „Da ist durchaus die eine oder andere Träne geflossen.“ Als mögliche Ursache für die Erkrankung nannten die Ärzte übrigens tatsächlich die zahlreichen Sonnenbrände in Peters früheren Jahren. Die Haut rächte sich, Jahre später.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben nach dem Hautkrebs
Seite 2 Mütterliche Stütze
Seite 3 Experten-Interview

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