Dienstag, 12. November 2019

Mein Leben mit Rückenschmerzen

Ausgabe 2017.10
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Stress, falsche Haltung, genetische Vorbelastung: Seit Jahren hat Ulrike Zeinzinger mit einer angeschlagenen Bandscheibe zu kämpfen. Mit viel Sport und Durchhaltevermögen sagt die 45-Jährige den Schmerzen den Kampf an – mit vollem Erfolg.


Foto: Miriam Höhne

Ulrike Zeinzinger ist flotten Schrittes unterwegs. Ihr Händedruck ist fest, die Waden machen denen eines Fußballers Konkurrenz. Ihren schweren Rucksack trägt sie nicht nur mit Leichtigkeit, auf ihn ist auch noch ein Fahrradhelm festgemacht. „Vom Bahnhof wird heute noch nach Hause geradelt, das mache ich immer“, erzählt die 45-jährige gebürtige Tirolerin. Das war’s aber noch nicht mit den sportlichen Vorsätzen, die sie sich für diesen Tag noch gesetzt hat: „Später am Abend ist eine kleine Runde Nordic Walking schon noch drin. So 5 Kilometer werden’s heute sein.“ Zwei Tage vor dem Interview waren’s sogar 17 Kilometer – in weniger als 2,5 Stunden. Passend also, dass wir uns im Wiener Prater treffen. „Hier war ich vor fünf Jahren das letzte Mal.“ Nachsatz: „Da war ich beim Frauenlauf dabei.“ Klar.

Leidenschaft Sport. Sport ist Ulrikes große Leidenschaft. Vielleicht ist er auch ihr Leben. Sport hat sie sogar studiert, gemeinsam mit Deutsch, beides auf Lehramt. Nebenberuflich schreibt die Lehrerin an einer Mittelschule Kinderbücher. „Ich habe von klein auf Leistungssport gemacht“, erinnert sie sich. Auch ihr Bruder ist ein Sportfreak. Während er seine Leidenschaft im Downhill-Biken gefunden hat, war es bei Ulrike „quer durch die Bank: von Badminton zur Leichtathletik bis zum Skifahren. Vor allem aber war ich begeisterte Läuferin.“ Ulrikes Sportverhalten hat sich aber verändert. Denn vor sieben Jahren begannen die berühmten Tücken mit dem Rücken: „Bei bestimmten unüberlegten Bewegungen hat’s im Lendenwirbel- und Kreuzbeinbereich weh- getan. Ein dumpfer, aber vor allem stechender Schmerz. So als ob dir jemand immer wieder ein Messer raus- und reinrammt.“ Dazu kamen die typischen Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. „Aber die kennt eh jeder, der viel am Computer arbeitet.“ Als Ursache nennt Ulrike „ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren.“ Denn, davon ist sie überzeugt: „Jedes gesundheitliche Problem muss ganzkörperlich gesehen – und behandelt – werden. Selten gibt es nur einen einzigen Auslöser.“ Zum einen ist Ulrike genetisch stark vorbelastet: „Sowohl mein Bruder als auch mein Vater und meine Onkel haben’s arg mit dem Rücken, genau an derselben Stelle.“ Dazu kam, dass Ulrike gemeinsam mit ihrem Mann und den drei Kindern innerhalb kürzester Zeit zweimal umzog – was nicht nur mit Stress, sondern auch mit höchster körperlicher Anstrengung einherging. „Beim Heben der Umzugskisten habe ich meist falsche Bewegungen gemacht; habe dabei nicht aus den Beinen, sondern aus dem Rücken meine Kraft geholt. Und eine allgemein schlechte Haltung, zum Beispiel beim Sitzen, hat das Übrige dazu beigetragen.“ Und das, obwohl sie ein Sportstudium hinter sich hat ...? Ulrike lacht zwar, wirkt gleichzeitig aber auch etwas ertappt. „Natürlich weiß man es im Hinterkopf besser“, gibt sie zu. „Wir alle wissen, dass bestimmte Bewegungen im Alltag für unseren Körper schädlich sind. Aber man macht’s halt trotzdem. Weil wir uns vieles falsch eingelernt haben – und natürlich auch aus Bequemlichkeit.“

Fast-Bandscheibenvorfall. Anfangs hat Ulrike die Schmerzen im Rücken ignoriert. „Man glaubt ja immer ein bisserl, man ist unzerstörbar.“ Mit der Zeit wurden sie aber häufiger und intensiver. „Eine einzige falsche Bewegung oder ein Tag auf der Baustelle unseres Hauses hat gereicht, dass ich mich danach tagelang nicht rühren konnte. Es tat weh und meine Rückenmuskulatur war vollkommen versteift. Man nimmt dann eine Schonhaltung ein.“ Den Begriff „außer Gefecht gesetzt“ möchte Ulrike nicht verwenden, denn: „Bei drei Kindern kannst du es dir nicht leisten, den ganzen Tag im Bett zu liegen. Da musst du durch und leidest.“ Die Diagnose beim Arzt („Ich habe mich gezielt an Orthopäden gewandt!“) war dank MRT-Untersuchung schnell und eindeutig: Eine Bandscheibe war beschädigt – „ausgebeult“, wie Ulrike es beschreibt. „Das Risiko, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden, ist durch diese Ausbeulung um ein Vielfaches erhöht“, erklärt Ulrike. Ganz ihrer Frohnatur gemäß scherzt sie aber gleich darauf: „Ich bin also ein permanenter Fast-Bandscheibenvorfall!“

Der Hang zu Medikamenten. Seitdem hat sie immer wieder Orthopäden zu Rate gezogen, das Resümee fällt aber – auch da ist Ulrike, ganz Tirolerin, sehr direkt – durchaus durchwachsen aus: „Die meisten Orthopäden haben mir vor allem Schmerztherapien angeboten, zum Beispiel in Form von Kortison-Infiltrationen. Ich stehe Medikamenten aber allgemein kritisch gegenüber.“ Noch heute wirkt Ulrike verärgert, wenn sie sagt: „Ärzte sind mir viel zu sehr medikamentenlastig und denken leider viel zu wenig an andere, natürlichere Möglichkeiten.“ Neben einer kostspieligen Stoßwellen-Therapie war gar von einer Operation die Rede, die Ulrike aber ausschlug: „Mein Vater, übrigens selbst Arzt, als auch mein Bruder haben beide Bandscheiben-Operationen hinter sich und leiden unter dem Ergebnis.“ Kurz: Anstatt mit Medikamenten entschloss sich Ulrike, mithilfe von Sport und Bewegung ihren Rückenproblemen den Kampf anzusagen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben mit Rückenschmerzen
Seite 2 Auf die Muskeln kommt’s an

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