Freitag, 22. Februar 2019

Mein Leben mit Restless-Legs-Syndrom

Ausgabe 2017.02
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Stepptanz unter der Decke: Waltraud Duven erzählt über ihren Alltag mit dem Restless- Legs-Syndrom und wie das ist, wenn die eigenen Beine nie zur Ruhe kommen wollen.


Foto: Miriam Höhne

Wenn wir abends zu Bett gehen, bedeutet das für die meisten von uns: Ruhe, entspannen, loslassen. Der Stress, der Druck des Tages fällt von uns ab. Ja, ein erholsamer Schlaf ist nicht nur Wellness für den Körper, sondern auch für die Seele. Bei Waltraud Duven war das viele Jahre lang anders: Während sich der Rest des Körpers – und ihre Psyche – nach Schlaf sehnte, wollten ihre Beine unbedingt wach bleiben. Wollten keine Ruhe geben. Fast war es so, als ob, obwohl eigentlich von Erschöpfung geplagt, ihre Beine einen Stepptanz unter der Decke aufführen würden. Ein Tanz, der jedoch keine Freude brachte, sondern immer mehr zur Belastung und Stresssituation für die damals 40-Jährige wurde. „Ich war berufstätig, musste mich um den Haushalt kümmern und meine drei Kinder lebten auch noch daheim“, erinnert sich Duven. Wenn sie heute untertags müde sei, gönne sie sich problemlos ein Mittagsschläfchen, dafür sei die Pension ja unter anderem da, lacht Duven, die Ende Dezember ihren 66. Geburtstag feierte. Damals, mit Beruf und Familie, war das ein Ding der Unmöglichkeit. „Natürlich ist man da mal gereizt“, lächelt sie, beeilt sich aber hinzuzufügen: „Ich bin keine, die in Depressionen verfällt. Ich war immer schon ein Kämpfertyp.“ Kämpfen, das musste Duven damals auch, und das über viele Jahre hinweg: „Rückblickend war es eine schreckliche Zeit, die ich mir nicht mal mehr vorstellen möchte.“

Pathologischer Zappelphilipp. Die Wienerin (die lange Zeit in München lebte) ist vom Restless-Legs-Syndrom (RLS) betroffen. Ihre Beschwerden, bei RLS ohnehin schwer in Worte zu fassen, beschreibt sie als „Kribbeln und Ziehen in den Beinen, das nach und nach zu einem Stechen wurde, das sich bin den Kopf zog und eine Art Clusterschmerz verursachte“. Anfangs musste sie in der Nacht die Füße aneinanderreiben, was nicht nur bald keine Linderung mehr brachte, „sondern auch meinem Mann fürchterlich auf die Nerven ging“, lacht Duven. Von den Missempfindungen geplagt, verließ sie das Bett, tigerte in der Wohnung auf und ab, suchte mit Bewegungen vorm Fernseher krampfhaft nach Ablenkung. Auch der Verzicht auf den nachmittäglichen Kaffee brachte nicht den erwünschten Erfolg. Wenn man irgendwann nicht mehr den Körper überlisten kann, versucht man, die eigene Psyche auszutricksen: „Ich habe um 3 oder halb 4 in der Früh gefrühstückt in der Hoffnung, mein Körper würde danach wieder Ruhe finden und müde werden.“ Wurde er – die Beine jedoch nicht. Auch längere Reisen wie nach New York oder Barcelona waren bald nicht mehr vorstellbar, das lange Sitzen wurde immer mehr zum Problem – eine Belastung für die reisefreudige Duven. Aber auch die Freizeit daheim war mehr und mehr eingeschränkt. „Damals besaß ich ein Abo für die Oper und es war eine Katastrophe, in einem Mittelteil zu sitzen.“ Ganz verzichten wollte sie aber auf ihre große Leidenschaft dann doch nicht. Wie man solch einen Abend jedoch aushält, wollen wir wissen. „Die Oper zieht nur noch an einem vorüber, man konzentriert sich voll und ganz auf die Schmerzen. Alle fünf Minuten blickt man auf die Uhr und hofft, den Abend zu überstehen.“ Auch Friseur- oder Kosmetik-Termine waren begleitet von ständigem Beine-zucken und -zappeln. Den Rest des Tages, wenn Duven in Bewegung war („... mit drei Kindern ist man genug in Bewegung!“) waren die Symptome verschwunden, aber kaum wollte Duven sich Ruhe gönnen, machten ihr ihre Beine einen Strich durch die Rechnung.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben mit Restless-Legs-Syndrom
Seite 2 Erschreckende Unwissenheit
Seite 3 Die Ruhe im Helfen finden

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