Montag, 18. März 2019

Mein Leben mit Psoriasis

Ausgabe 2019.03
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Gerhard Hoch lebt seit Jahrzehnten mit der Diagnose Schuppenflechte. Den Mut hat er aber nie verloren – und dank der Krankheit in der Pension sogar eine erfüllende Aufgabe gefunden.

 


Foto: © Ece Karatas

Dr. Gerhard Hoch ist ein adretter Pensionist, der auf gute Manieren und Contenance bedacht ist. Er strahlt Ruhe und sympathische Selbstsicherheit aus. Seine Augen blitzen trotz der noblen Haltung oft unternehmenslustig auf. „Ich bin keiner, der schnell nervös wird oder gar die Flinte ins Korn wirft“, wird er später im Gespräch lächelnd über sich selbst sagen. Er wird uns auch erzählen, dass er 27 Jahre alt war, als bei ihm Psoriasis, also Schuppenflechte, diagnostiziert wurde. „Nein, Moment! Da war ich erst 23 oder 24!“, hält Hoch inne und lacht. „Mit 27 hat sich die Psoriasis bereits am ganzen Körper ausgebreitet.“ Ganz klar: Dr. Gerhard Hoch hat so einiges zu erzählen.

Vom Kopf bis zur Zehe
Anfang 20 war Hoch, als er eine Hauterscheinung an der Kopfhaut bemerkte, „nicht größer als eine 1-Cent-Münze!“, erinnert er sich. Die Stelle war entzündlich gerötet, hat geschuppt „und auch geringfügig gejuckt“. Eigentlich, erzählt Hoch weiter, sei er kein Mensch, der wegen der kleinsten Wehwehchen zum Arzt gehe. Denn: „Ich war in der Pharmaindustrie tätig, hatte also Vorkenntnisse, was gesundheitliche Belange angeht. Aber hier wusste ich: Das sollte ich kontrollieren lassen!“ Der Instinkt trog nicht: Im Wiener AKH wurde innerhalb kürzester Zeit die Diagnose Psoriasis gestellt. „Es war ein Glück, dass ich zu einem Arzt kam, der auf diesem Gebiet bewandert und auch engagiert war“, zeigt sich Hoch auch viele Jahrzehnte später dankbar. „Am Anfang war ich etwas verwundert, dass er wegen solch einer kleinen Stelle so viel Tamtam machte.“ Die Diagnose zog Hoch keinesfalls den Boden unter den Füßen weg – auch hier wieder dank seines Wissens, das er sich in seinem Beruf angeeignet. „Ich wusste, es ist kein Todesurteil.“ So lebte er einige Jahre weiter wie bisher – „nur halt mit der kleinen, komischen Stelle an der Kopfhaut, die kam und ging. Aber das störte mich nicht weiter.“ 1968 war es dann, mit 27 Jahren, als „die Hautveränderungen plötzlich am ganzen Körper auftraten, inklusive Juckreiz. Ab da war klar: Die Psoriasis hatte sich verschlechtert.“ Und war gekommen, um zu bleiben.

Auslöser Sonnenbrand
Als Ursache für seine Krankheit nennt Hoch gleich mehrere Aspekte: „Natürlich habe ich eine genetische Disposition. Zudem hatte ich in der Kindheit mehrere schwere Anginen, was mit dem Auftreten der Psoriasis in Zusammenhang gebracht wird.“ Wieso plötzlich der ganze Körper betroffen war, auch das weiß Hoch ganz genau: „Ich hatte kurz davor einen sehr schlimmen Sonnenbrand am gesamten Körper, hätte eigentlich damit ins Krankenhaus gehört. Laut den Ärzten hat diese Hautverbrennung die Symptome verstärkt beziehungsweise am restlichen Körper sogar ausgelöst.“ Keine Verbitterung, kein Selbstvorwurf ist in Hochs Stimme zu hören, wenn er davon erzählt. Die Psoriasis ist Teil von ihm, seit damals. „Ich kann gut damit leben.“

Dann waren es auch die Gelenke
Einige wenige Jahre nachdem sich die Schuppenflechte am gesamten Körper ausgebreitet hatte, entwickelte sich bei Hoch eine Psoriasis-Arthritis (PsA). Die Symptome: Neben den krankhaften Hautveränderungen litt er nun auch an Entzündungen der Gelenke. „Die Schmerzen waren wirklich schlimm, an Fingern und Zehen kam es zum Teil zu Deformationen!“, so Hoch, der die PsA aber nur ganz nebenbei erwähnt. Denn: „Dank einer insgesamt einjährigen Therapie am Toten Meer habe ich die PsA zu 98 Prozent zum Stillstand gebracht.“ Auch Probleme mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa, neben Morbus Bechterew oder Diabetes eine weitere häufige Begleiterkrankung von Psoriasis, sind Hoch nicht fremd. Die Symptome verschwanden von selbst, aber: „Nach der Psoriasis werfe ich auf meine Darmgesundheit ein besonders wachsames Auge.“ 1974 kam es sogar zu einem spontanen Verschwinden (Remission) von Hochs Psoriasis, die sich kein Arzt erklären konnte. „Eines Tages wachte ich auf und die Hälfte der Hauterscheinungen waren verschwunden.“ Könnte hier psychischer Stress eine Rolle spielen? „Bei mir nur ein bedingter Trigger“, so Hoch trocken. Nach 18 Monaten kamen die Symptome jedoch zurück.

Übersicht zu diesem Artikel:
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