Montag, 16. September 2019

Mein Leben mit Epilepsie

Ausgabe 2018.12-2019.01
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Michael Alexa hat einen IQ von 145. Sein Gehirn schaltet trotzdem manchmal auf Stand-by, für ein, zwei Minuten. Die Epilepsie hat ihn vor allem eines gelehrt: Dankbarkeit – und im Hier und Jetzt zu leben.


Foto: Ece Karatas

Michael Alexa ist ein Globetrotter. Alle fünf Kontinente hat der 49-jährige Niederösterreicher bereits besucht, mindestens jeweils zweimal. „Reisen ist meine große Leidenschaft!“, betont er. Er weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, die Welt aus so vielen verschiedenen (exotischen) Blickwinkeln kennenzulernen. Für niemanden und für ihn noch ein kleines bisserl weniger. Denn Michael Alexa lebt von Geburt an mit Epilepsie. Sein Gehirn mag manchmal den Pause-Knopf betätigen – Alexa selbst schaltet trotzdem, nein: deswegen!, umso mehr in den Turbogang, wenn es darum geht, sein Leben zu leben.

Experten Interview

GUT BEHANDELBAR!

Der Wiener Neurolge Univ.-Doz. Dr. Martin Graf im GESÜNDER LEBEN-Kurzinterview.

Was geht bei Epilepsie im Gehirn vor sich und welche Gehirnareale sind betroffen?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung. Bei einem epileptischen Anfall handelt es sich um eine anfallsartige Funktionsstörung des Gehirns, gleichzeitig kommt es, da das gesamte Gehirn oder auch nur einzelne Gehirnregionen übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben, zu einer großen Entladung von Nervenzellen. Wie sich ein Anfall zeigt, hängt von der betroffenen Gehirnregion ab. Diagnostiziert wird Epilepsie neben der Anfallsbeobachtung oder -beschreibung mittels EEG oder Bildgebung (MRT). Epilepsie ist mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika, gut behandelbar!

Wer ist vor allem von Epilepsie betroffen?
Grundsätzlich können epileptische Anfälle in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten betroffen sind Kinder und Jugendliche bis zum 20. Lebensjahr sowie Menschen ab dem 60. Lebensjahr.

Was sind die Ursachen von Epilepsie?
Diese können vielfältig sein und reichen von genetischen bis zu Stoffwechselerkrankungen, von Schädel-Hirn-Traumen über Schlaganfälle, Gefäßmissbildungen im Gehirn bis hin zu Gehirntumoren. Auch im Spätstadium von bestimmten Demenz-Arten können epileptische Anfälle auftreten.

Keine Seltenheit
Den ersten epileptischen Anfall hatte er mit acht Monaten, erzählt er, erinnern kann er sich daran natürlich nicht mehr. „Mir wurde die Krankheit weitervererbt.“ Von welchem Familienmitglied, will er nicht sagen. Denn wenn das Gehirn nicht so arbeitet, wie man will, sei das doch etwas sehr Intimes, meint er. Nein, er schäme sich keineswegs für die Krankheit, schließlich zählt Epilepsie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Österreich leben rund 65.000 an Epilepsie erkrankte Menschen. Fünf bis zehn Prozent aller Menschen erleiden zumindest einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall, die Wahrscheinlichkeit, danach an einer tatsächlichen Epilepsie zu erkranken, liegt bei über fünf Prozent. Schnell merkt man: Michael Alexa kennt sich aus, weiß, wovon er spricht. Dass ihm in Sachen Epilepsie so schnell keiner etwas vormachen kann, liegt nicht nur an seinem anscheinend unbändigen Wissensdurst und am hohen Intelligenzquotienten von 145, sondern auch an seiner Tätigkeit als Vize-Präsident des Epilepsie Dachverbandes Österreich (EDÖ). Seine Reisen nämlich, grinst er, seien immer mit internationalen Epilepsie-Kongressen verbunden. Eine Art Selbsttherapie: „Ich will informiert sein!“ Und: „Ohne meine Krankheit hätte ich sicherlich nicht so viel von der Welt gesehen!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben mit Epilepsie
Seite 2 Gehirn, was tust du?

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