Donnerstag, 22. Oktober 2020

Mein Leben mit Diabetes - Experten-Interview

Ausgabe 2016.06/07
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EXPERTEN-INTERVIEW

„Prävention muss von klein auf erfolgen!“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Wiener Diabetologe und Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie der Krankenanstalt Rudolfstiftung, im Gespräch.


Man spricht von 600.000 bis 800.000 Personen, die in Österreich an Diabetes erkrankt sind. Das sind fast dreimal so viele wie noch 1995. Woran liegt dieser rasante Anstieg?
Ludvik: Es hat vor allem die Anzahl der von Typ-2-Diabetes Betroffenen zugenommen. Die Gründe sind klar: Wir werden immer älter, wir ernähren uns ungesund, die Anzahl der Personen mit Übergewicht nimmt zu. Parallel dazu nimmt jedoch die tägliche Bewegung ab. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die Diabetes-Epidemie auf die Übergewichts-Epidemie folgt.

Was sind die Symptome eines beginnenden Diabetes?
Häufiges und auch nächtliches Wasserlassen ist ein typisches Symptom, genauso wie starker Durst bei geringem Appetit oder, im Gegenteil, Heißhungerattacken. Manche Patienten fühlen sich müde und abgeschlagen, es kann zu Mundtrockenheit kommen. Auch Kribbeln oder Gefühllosigkeit in den Beinen, Sehverschlechterung oder schlecht heilende Wunden können auf einen beginnenden Diabetes hindeuten.

Wie sieht die moderne Diabetes-Therapie aus?
Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Es gibt neue Substanzklassen, die zum Teil injiziert werden, zur Gewichtsabnahme führen, keine Unterzuckerungen machen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall vermindern. Es werden zu Beginn der Erkrankung Medikamente, oft in Kombinationspräparaten, verwendet. Insulin wird dann verabreicht, wenn der Insulinmangel vorherrscht. Basis der Behandlung sind jedoch Ernährungsumstellung, Normalisierung des Körpergewichts und regelmäßige Bewegung.

Wie ernährt man sich als Diabetiker richtig?
Am besten ist eine Mittelmeer-Ernährung, also mit viel Olivenöl, Gemüse, Salat, Fisch und Meeresfrüchten. Fleisch nur reduziert, genauso wie einfacher Zucker, wie er zum Beispiel in Süßigkeiten, Fruchtsäften oder Softdrinks enthalten ist. Man spricht nicht mehr vom kompletten Verzicht, dafür reduziertem Genuss und hochwertiger Ware, zum Beispiel Schokolade mit sehr hohem Kakaogehalt. Wichtig ist die Auswahl von komplexen Kohlenhydraten, die zum Beispiel in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten zu finden sind.

Gibt es genug öffentliche Präventionsarbeit?
Die Prävention für Übergewicht und Diabetes sollte bereits im Mutterleib beginnen und sich in Kindergärten und Schulen fortsetzen. Leider wird dies sehr vernachlässigt. Wir wissen, dass Diabetes-Erkrankungen auch mit dem Bildungsstand und dem sozialen Umfeld zusammenhängen. Prävention muss von klein auf erfolgen!

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