Mittwoch, 20. Februar 2019

Mein Leben mit Asthma bronchiale

Ausgabe 2016.05
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Als wir mit unserem Gespräch in gemütlicher Caféhausatmosphäre beginnen, holt Renate Egger (65) tief Luft, bevor sie zu erzählen beginnt. Über ihre Krankheit. Eine jahrzehntelange Geschichte über Angst, Hoffnung, Neuanfänge. Eine Geschichte über das Atmen.   


Foto: Miriam Höhne

 

Das Luftholen in Momenten, in denen man glaubt zu ersticken. Unterzugehen. Wenn es sich so anfühlt, als würde einem die Lunge zugeschnürt werden. Während wir alle bereits das eine oder andere Mal in unserem Leben metaphorisch nach Luft gerungen haben, ist das Gefühl der Atemnot für Renate bis heute immer wieder Realität: Denn die pensionierte AHS-Lehrerin leidet seit ihren Kindheitstagen an Asthma bronchiale. Das selbstverständliche Luftholen zu Beginn des Gesprächs ist für Renate also nichts Selbstverständliches. Denn Atmen, das war für sie mitunter Schwerstarbeit.

Einatmen. „Meinen ersten diagnostizierten Asthmaanfall hatte ich kurz nach der Geburt meiner Tochter, da war ich 37 Jahre alt“, erinnert sich die rüstige und engagierte Pensionistin. „Ich dachte, ich müsste sterben.“ Diesen Anfall in Worte zu fassen, damit tut sich Renate schwer. „Es ist schlimm, nicht atmen zu können“, fasst sie zusammen. Kurzatmig sei sie in solchen Momenten, versucht sie zu erklären, und „im Gegensatz zu vielen anderen Asthma-Betroffenen habe ich nicht Probleme, einzuatmen, sondern eher damit, auszuatmen.“ Mit der Rettung wurde sie zum Hausarzt gefahren, der ihr den Wirkstoff Ephedrin spritzte – und gleich mal in so hoher Dosis, dass Renate kurzzeitig das Bewusstsein verlor. „Der hat es zu gut gemeint!“, lacht sie heute. Immerhin: Kurze Zeit später war die Diagnose klar. Renate litt an Asthma, ausgelöst – so nahm man anfangs zumindest an – durch die Anstrengungen bei der Geburt ihrer Tochter. „Ich wurde erst sehr spät Mutter. Da hat man meine Beschwerden schnell darauf geschoben.“ Ursprünglich als allergisches Asthma diagnostiziert, ließ Renate das Gefühl nicht los, da könnte mehr dahinterstecken. Die Beschwerden – allen voran Atemnot bei körperlicher Anstrengung – waren nicht auf eine bestimmte Zeit im Jahr beschränkt. „Diese Diagnose wurde einfach immer wieder von Arzt zu Arzt übernommen, obwohl für mich klar ist, dass das eine völlig unzureichende Vereinfachung war. Ich hatte ständig Probleme, Luft zu bekommen.“ Erst auf das Drängen Renates hin – und nach zahlreichen Besuchen diverser Lungenfachärzte – war schließlich die richtige Diagnose gestellt: Intrinsisches, also nicht-allergisches, Asthma.

Ausatmen. Obwohl die Diagnose erst mit Ende 30 gestellt wurde, „kam ich nach viel Selbstreflexion drauf, dass ich in Wirklichkeit seit meiner Kindheit an Asthma litt. Man wusste es nur nicht.“ Seitdem sie sich erinnern kann, erzählt die Steirerin, hatte sie Probleme mit der Atmung. „Zum Beispiel dann, wenn ich mich anstrengen musste. Zum Beispiel beim Wandertag, wo ich der Gruppe immer hinterherkeuchte. Beim Turnunterricht sowieso. Ich dachte einfach, ich sei unsportlich, hätte keine Kondition. Im Nachhinein wurde mir klar, dass ich damals nirgends mithalten konnte, weil mir einfach die Luft fehlte.“ Ein Erlebnis blieb ihr besonders in Erinnerung: Während des Sternsingens bekam sie auf der Flöte keinen Ton heraus. „Dass die begleitenden Erwachsenen meinten, die arme Renate sei einfach nur so schüchtern,  kann ich ihnen wirklich nicht zum Vorwurf machen. Ich war ja wirklich sehr schüchtern.“ Die Wahrheit sah allerdings anders aus: Die kalte Luft verengte die Bronchien, die Luft fürs Flötespielen war einfach nicht da. Und die Eltern? Haben die Tochter nicht mal zum Arzt geschickt? Ein kurzes, kräftiges Kopfschütteln. „Meine Eltern hatten für uns Kinder nie viel Zeit.“

Luft anhalten. „Die Ursachen für mein Asthma sind vielfältig, aber dafür habe ich nur meine eigene Reflexion, keine brauchbare ärztliche Diagnose“, stellt Renate ohne Umschweife fest. Sie selbst sieht zwei möglicherweise einander verstärkende Ursachen, die ihr Asthma auslösten: Zum einen wurde im Elternhaus sehr viel geraucht – nichts Ungewöhnliches in den 1950er-Jahren. „Andererseits ist Asthma auch als Angstkrankheit bekannt. Mein Vater war Alkoholiker und neigte zu Gewaltausbrüchen. Das heißt, ich lebte als Kind sehr oft, gar ständig in Angst. Ich bin sicher, dass dies ein starker Trigger für das spätere Asthma war.“ Bis heute schnürt sich ihre Lunge zu, wenn Renate psychischem Stress ausgesetzt ist. Situationen, die sie nervös oder ihr Angst machen, die sie nicht unter Kontrolle hat. „Da kann es schon passieren, dass ich sehr kurzatmig werde und das Atmen schwerfällt.“ Sie selbst hat übrigens bereits im Jugendalter angefangen zu rauchen. Und es erst mit Anfang 50 geschafft, endgültig von den Glimmstängeln loszukommen. „Aber ehrlich gesagt nicht aufgrund des Asthmas“, gibt sie zu. Hat das Rauchen ihre Krankheit verschlechtert? Renate schüttelt den Kopf. „Aber gutgetan hat es mir sicher auch nicht!“

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