Dienstag, 19. November 2019

Mein Leben, ein Krankheitsweg

Ausgabe 2019.10
Seite 1 von 2

Von der Entfernung der Milz über die Diagnose Rheuma und den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns bis hin zu Herzinfarkt: Iris Schwaiger blickt auf einen Lebensweg zurück, der gesäumt ist von krankheitsbedingten Felsbrocken. Der Humor war dabei nicht nur ihr ständiger Begleiter, sondern vor allem ihr Lebensretter.

 


Foto: © Miriam Höhne

An dieser Stelle berichten wir normalerweise über ein ganz bestimmtes, einzelnes Krankheitsbild – dieses Mal aber geht’s gleich um einen gesamten Krankheitsweg, den Iris Schwaiger, 46, aus Güssing, hinter sich hat. Weil Iris einer dieser Menschen ist, die, wenn’s um Faust- und Magenschläge des Schicksals geht, mehrmals ganz laut und penetrant Hier! geschrien hat. Man darf’s getrost so nennen, Iris wäre die Letzte, die es einem krumm nehmen würde.

Die Milz und die Schilddrüse
Aber von Anfang an: Iris’ Krankheitsweg beginnt mit 21 Jahren, als ihr die Milz entfernt werden musste. Ursache: Angeblich ein Virus aus Südafrika –„nur, dass ich nie in Afrika war!“. Die Milz wuchs und wuchs, Iris wurde zum Bluter, es folgte ein Jahr Kortisontherapie. Für sie eine schlimme Erfahrung: „Ich war aufgeschwemmt, nahm im ersten Monat 15 Kilogramm zu. Habe mich zu Hause eingesperrt, mich geschämt.“ Als der Körper begann, das Kortison abzustoßen, war eine Milzentfernung die einzige Lösung. Iris ist froh darüber: „Danach ging’s mir gut, bis heute habe ich diesbezüglich keine Probleme.“ Probleme, die besuchten Iris aber weiterhin – wenn auch auf andere Art und Weise: Ein Jahr danach wurde eine Überfunktion der Schilddrüse diagnostiziert, nachdem Iris verstärkt von Müdigkeit geplagt wurde („Hab mir zuerst nicht viel dabei gedacht, obwohl oder weil ich immer schon voll auf Turbo war!“), auch nahm sie diesmal innerhalb kürzester Zeit 15 Kilogramm ab. Die Medikamente wurden nur unregelmäßig eingenommen, „weil ich es nicht ernst genug nahm. Ich wollte stets die coole, starke Iris sein.“ Bis die Blutwerte entgleisten – und die Schilddrüse ebenfalls entfernt werden musste. „Einen Zentimeter haben sie dringelassen.“

Der Diabetes
Diese Entgleisung, aber auch eine private die Psyche malträtierende Tragödie, auf die Iris nicht näher eingehen möchte, führten erneut genau ein Jahr später zur nächsten Haltestelle am Krankheitsweg, an der ein neuer ungebetener Passagier zustieg: Diabetes Typ 1. Skurril: Wie die Schilddrüsen-Überfunktion wurde auch diese Diagnose an einem Faschingsdienstag gestellt. Extremes Durstgefühl („Literweise Cola getrunken!“), Gelbsucht, ein vernebelter Blick („Ich dachte, in der Gasthausküche, in der ich damals als Köchin arbeitete, steht der Rauch!“) und ein allgemein schlechter Gesamtzustand zwangen Iris, auf Drängen von Mama und Bekanntem, zum Arzt. Mehrere Wochen im Krankenhaus folgten, in denen Iris medikamentös richtig eingestellt und geschult wurde, mit ihrer neuen Erkrankung umzugehen. „Ein Horror für mich“, gibt sie zu. „Ich wusste nicht, wie ich all die Änderungen im Alltag schaffen sollte, vor allem, weil der Job als Köchin sehr stressig war.“ Und wieder: Die coole, starke Iris meldete sich, die „für alle anderen da sein möchte, sich dabei aber selbst vernachlässigt“. Gegessen wurde weiter wie bisher, Insulin wurde nur hier und da gespritzt. „Ich habe den Diabetes nicht akzeptiert.“ Das ging ein Jahr gut – trotz regelmäßiger Unterzuckerungen –, bevor Iris in ein dreitägiges diabetisches Koma fiel. „Das war ein Wendepunkt. Seitdem habe ich meine Ernährung umgestellt, esse bewusster und gesünder.“

Rheuma
Der Job als Köchin musste einige Zeit später trotzdem aufgegeben werden – nicht aus ernährungstechnischen Gründen, sondern weil Iris als Folge einer Polypenentfernung nach und nach ihren gesamten Geruchs- und Geschmackssinn verlor. Bis heute kann die ehemalige Köchin keinen Geschmack und Geruch mehr unterscheiden.
Der nächste krankheitsbedingte Stolperstein folgte bald darauf, und zwar im Rahmen ihres nächsten Jobs als Abteilungsleiterin in der Obst- und Gemüseabteilung eines Großmarkts: Diagnose Rheuma! 2011 war das. Die Gelenke schmerz(t)en, allen voran Finger und Hände, anfangs auch die Weichteile. Vererbt von der Oma, aber auch, weil „ich das ganze Jahr bei acht Grad arbeiten musste; mir war ständig kalt“. Die ersten drei Jahre der Krankheit waren geprägt von einer Morgensteifigheit und von einer Schmerzintensität, die so stark waren, „dass ich sofort nach dem Aufwachen Schmerztabletten nehmen musste. Erst nach 30 Minuten konnte ich aufstehen.“ Innerhalb von zwei Jahren musste Iris kündigen, „weil ich nichts mehr greifen konnte.“ Seitdem wurde sie an vier Fingern operiert.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben, ein Krankheitsweg
Seite 2 Der Herzinfarkt

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