Freitag, 24. Mai 2019

Mein Leben als Sehbehinderte

Ausgabe 2018.09
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Heidemarie Feucht nimmt seit ihrer Kindheit ihre Umwelt nur schemenhaft wahr. Heute ist sie beinahe blind. Aufgegeben hat sie trotzdem nie. In GESÜNDER LEBEN gewährt sie persönliche Einblicke in ihre innere und äußere Welt.


Foto: Miriam Höhne

Für depressive Menschen fühlt es sich häufig so an, als ob die Welt um sie herum langsam, aber stetig immer finsterer wird. Das schwarze Loch ist es dann in das man fällt. Das hier aber ist keine Geschichte über Depression. Es ist auch keine Geschichte über Hilflosigkeit. Sie handelt vielmehr von Mut. Von Lebensfreude. Von Dankbarkeit. Von niemals aufgeben. Es ist die Geschichte von Heidemarie Feucht.

Kämpfen seit dem ersten Tag
Zweieinhalb Monate zu früh kam die heute 55-jährige Niederösterreicherin auf die Welt. Für tot erklärt wurde sie damals bereits, bis eine Ärztin „wie durch ein Wunder“ entdeckte, dass der Winzling doch atmete. Und ab diesem Zeitpunkt wurde aus der Zerbrechlichkeit eine Widerstandsfähigkeit und ein alles überstrahlender Überlebenswille, die Feucht bis heute innewohnen. „Ich kämpfte Tag für Tag, um auf dieser wunderschönen Erde zu leben.“ Wenige Wochen nach der Geburt wurde bei ihr ein Augenproblem festgestellt: Schwere Schädigung der Netzhaut, graue Netzhautareale beider Augen, Netzhautabhebungen, Blutungen in den Glaskörpern sowie Netzhautödeme. Medizinischer Fachausdruck: „retrolentale Fibroplasie“.

Künstliches Auge
Von Kindesalter an verschlechterte sich Feuchts Sehkraft. Zahlreiche Behandlungen und Besuche bei Augenärzten waren von Beginn an Teil ihres Lebens. Als Kind erlebte Feucht das ständige Kontrolliertwerden als sehr belastend. „Man fühlt sich ausgeliefert, man hat Angst. Und man wird als Kind nicht ernst genommen.“ Ihre Eltern waren mit der Situation überfordert, wollten sich nicht damit auseinandersetzen. „Sie wurden aber auch sehr schlecht aufgeklärt“, sagt Feucht. Ihr linkes Auge entwickelte einen grünen Star, musste trotz vieler Behandlungen schlussendlich entfernt werden. Feucht war damals 27 Jahre alt. „Ich hatte unsagbare Angst, wollte aber auch endlich von den grausigen Schmerzen befreit sein!“ Lange Zeit trug sie ein Glasauge („Ich musste meinen Ekel vor meiner leeren, blutenden Augenhöhle überwinden!“), heute ist es eine Kunstharzprothese. Ein wunderschön gestaltetes Modell, das dem echten Auge verblüffend ähnlich sieht. Einmal im Jahr wird die Prothese erneuert. Mittlerweile hat Feucht ihr künstliches Auge akzeptiert.

Buchtipp

Blindheit buchSehbehindert – na und? Mut tut gut

Heidemarie Feucht, 200 Seiten
Berger & Söhne, 2017
€ 14,90

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Leben als Sehbehinderte
Seite 2 Austherapiert
Seite 3 Keine Dunkelheit

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