Freitag, 24. Mai 2019

Mein Kind hat Neurodermitis

Ausgabe 07-08/2013
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Vor allem Kinder leiden an der entzündlichen Hauterkrankung. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Ihren Sprössling schützen und begleiten können.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

Rötungen und nasse Stellen an Gesicht, Hals, Armen und Beinen ziehen besorgte Blicke auf die erst fünf Monate alte Sophie. Mit ihrer Haut scheint „etwas nicht zu stimmen“. Hinzu gesellt sich ein extremer Juckreiz, der das kleine Fräulein nachts im Zweistundentakt aufweckt, zu regelrechten Kratzattacken führt und für Hautreizungen sowie akuten Schlafmangel (bei sämtlichen Familienmitgliedern) sorgt. Die aufkommende Vermutung, dass es sich um Neurodermitis handelt, wurde von ihrem Kinderarzt bereits in Worte gefasst; der eindeutige Beweis dafür fehlt aber. Schließlich gibt es für diese Diagnose keinen eindeutig aussagekräftigen Labortest. Kundige Haut- und Kinderärzte können aber aufgrund des Hauterkrankungsverlaufs, der individuellen Anamnese – auch jener der Eltern – und natürlich aufgrund der spezifischen Symptome die Krankheit erkennen und wirkungsvoll behandeln.


Wenn die Haut zu dünn ist. „Die Neurodermitis, auch endogenes oder atopisches Ekzem genannt, ist eine organisch erklärbare Hautkrankheit, die auf zwei Hauptkomponenten zurückzuführen ist: einerseits auf die Durchlässigkeit der obersten Schutzschicht, wodurch Schadstoffe, Bakterien und Viren leichter aufgenommen werden können, und andererseits auf die gesteigerte Entzündungsneigung“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Josef Auböck, Vorstand der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Linzer AKH. Zu den typischen Merkmalen gehören u. a. Rötungen und Ekzeme. Bei Säuglingen treten sie noch vorwiegend im Gesicht, am Hals und an den Extremitäten auf; bei Kleinkindern hauptsächlich in den Ellbogen, Kniekehlen, im Nacken oder an den Handgelenken. Ohrläppchen und Mundwinkel weisen manchmal Risse auf; Hände und Füße beherbergen oft entzündliche Bläschen, die bei Multiplizierung zu Ekzemherden führen können und die Haut im wahrsten Sinn des Wortes „durchbrechen“. Weitere Neurodermitis-Indikatoren sind der piesackende Juckreiz, die trockene, dünne und poröse Haut, der schubweise Verlauf, die erhöhte Allergiebereitschaft, eine doppelte Unterlidfalte und der „weiße Dermographismus“: Die Haut reagiert dabei auf mechanische Reize, wie z. B. kratzende Fingernägel, nicht mit roten, sondern – als Folge einer Gefäßverengung – mit weißen Streifen.

Sonnenschutz bei Neurodermitis

Gerade in den Sommermonaten muss die beanspruchte Haut von Kindern mit Neurodermitis besonders geschützt werden. Achten Sie daher auf leichte, weite Bekleidung und verbringen Sie die Sonnenstunden im Schatten. In Apotheken und Drogerien erhalten Sie spezielle Sonnenschutzmittel für Neurodermitiker, die aber vor ihrer Erstanwendung getestet werden sollten. Manche Reaktionen stellen sich nämlich nur im Licht ein. Zu empfehlen sind Produkte mit mineralischem Lichtschutz, da sich die enthaltenen Pigmente auf die Haut legen und nicht in diese eindringen. Wichtig: Die Basispflege mit rückfettenden Cremen muss trotz Sonnenschutz konsequent weitergeführt werden.

Oft wird’s im Erwachsenenalter besser. Etwa zehn Prozent aller österreichischen Schulkinder leiden an Neurodermitis. Größtenteils bessert sich die Erkrankung mit zunehmendem Lebensalter, ein Teil der Betroffenen kann aber eine andere Erkrankung des atopischen (allergischen) Formenkreises (z. B. Asthma) entwickeln. Zu Komplikationen können v. a. Infektionen der offenen Hautstellen mit Bakterien oder mit Herpes führen. „Impfungen – wie so oft gemeint – verschlechtern die Krankheiten nicht; bei akuten Entzündungen sollten sie aber verschoben werden“, meint Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl, Kinderarzt in Wien.

Ursachen und Auslöser. „Auf Basis einer erblichen Veranlagung spielen bei der Ursachenforschung mehrere Faktoren eine Rolle“, so Voitl. „Leidet ein Elternteil an einer atopischen Erkrankung, ist das Risiko für die Entwicklung einer Neurodermitis beim Kind um 15 Prozent höher. Weiters entscheiden oft auch andere Allergien und Unverträglichkeiten in der Familie sowie Umweltfaktoren darüber, ob aus der genetischen Prädisposition eine Erkrankung wird.“ Bei vielen Kindern ist die Neurodermitis nicht von Geburt an zu erkennen. Anfangs wird vielleicht der bekannte Milchschorf an der Kopfhaut sichtbar, der bei atopischer Veranlagung – und auch nur dann! – zu starkem Juckreiz führen kann. Das Kind beginnt, sich gezielt zu kratzen, wirkt ungeduldig und macht keinen besonders zufriedenen Eindruck. Manchmal wird die Erkrankung aber auch sprungartig ausgelöst, beispielsweise durch bestimmte Lebensmittel, Chemikalien, Kleidungsstücke etc. oder aber auch durch instabile Lebensumstände, die Stress hervorrufen. „Empfehlenswert ist, ein sogenanntes ,Beschwerdetagebuch‘ zu führen, also aufzuschreiben, welche Ereignisse (Klima- und Wetterwechsel, Schulstress, Trennungen, Todesfälle etc.) oder Komponenten, mit denen das Kind in Berührung gekommen ist (z. B. Nahrungsmittel oder Medikamente), dem Schub vorausgegangen sind“, so Voitl. „Das hilft, den möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen und diese in Folge zu vermeiden.“ Hauttests und Blutuntersuchungen können ebenfalls in Betracht gezogen werden; diese Möglichkeit sollte aber immer gemeinsam mit dem jeweiligen Arzt besprochen werden, da sie Belastungen für das (Klein-)Kind darstellen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mein Kind hat Neurodermitis
Seite 2 Ist Prävention möglich?

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