Montag, 22. April 2019

Mehr Mut, weniger Angst

Ausgabe 2019.02
Seite 1 von 2

Vielen von uns fällt es schwer, Entscheidungen zu fällen. Wir haben Ängste, Sorgen – und dabei bleibt das Leben mitunter auf der Strecke. In GESÜNDER LEBEN zeigt Bestsellerautorin Melanie Wolfers, wie sich jeder von uns mehr Mut ganz einfach antrainieren kann.

 


Foto: iStock-pick-uppath

Im Alltag müssen wir ständig Entscheidungen treffen. Das Leben führt uns mit schlafwandlerischer Sicherheit immer wieder an Kreuzungen. Dabei wissen wir nicht, wohin uns der jeweilige Weg führt. Genau an dieser Unvorhersehbarkeit und der Gefahr, die falsche Tür zu öffnen, liegt es, wieso uns das Fällen von Entscheidungen so sehr ängstigt, ist die Bestsellerautorin und Seelsorgerin Melanie Wolfers überzeugt: „Jede Entscheidung ist ein Schritt ins Ungewisse, ein Geschehen mit offenem Ausgang. Die Angst vor negativen Konsequenzen hindert Menschen daran, ihr Leben mit beiden Händen zu ergreifen und Neues zu wagen.“

Buchtipp

buch3Trau dich, es ist dein Leben.
Die Kunst, mutig zu sein

Melanie Wolfers

224 Seiten
bene! Verlag 2019
€ 17,50

Versäumnisangst und Ruhelosigkeit
Der Grund, wieso viele von uns mit Entscheidungen hadern, ist aber weit komplexer. „Entscheidungen haben stets auch mit Verzicht und Beschränkung zu tun“, erklärt Wolfers. Es sei deshalb durchaus okay, rät die Seelsorgerin, Entscheidungen auch als „Trauerarbeit“ zu verstehen: „Jede Entscheidung hat ihren Preis und geht mit Abschied einher, sei er auch noch so klein. Wir lassen dabei stets etwas zurück.“ Die Schwierigkeit des Verzichts geht Hand in Hand mit der Ruhelosigkeit, die besonders junge Menschen quält und die es zum Teil schlicht unmöglich macht, eine konkrete Wahl zu treffen: „Man hat stets Angst, etwas zu versäumen, hält immer nach dem Besseren, nach den interessantesten Möglichkeiten Ausschau“, so Wolfers. Das habe natürlich mit unserer beschleunigten Gesellschaft zu tun, „die eine solche Versäumnisangst verstärkt“. Und zu guter Letzt sei da noch die ur-menschliche Angst des „Nicht-mithalten-Könnens“, die von den modernen Gesellschaftsstrukturen genährt wird: „Heutzutage herrscht eine gesellschaftliche Abstiegsdrohung: Leistest du nicht permanent das Beste, dann stürzt du ab! Diese Angst lähmt.“

Kein Risiko ist der größte Fehler
Ohne Entscheidungen gestaltet sich das Leben nicht nur als unmöglich, sondern auch als nicht lebenswert: „Der schlechteste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen!“, betont Wolfers. „Unglück entsteht oft weniger aus Fehlentscheidungen als aus fehlenden Entscheidungen. Denn wenn wir nicht entscheiden, dann entscheiden andere oder anderes über uns: der Lauf der Zeit, Umstände, Menschen mit gut gemeinten Ratschlägen oder der sogenannte Mainstream.“ Sowohl das Handeln als auch das Nicht-Handeln bergen Risiken in sich, denn „wenn du etwas tust und wagst, wirst du auch Fehler machen. Das gehört zum Leben. Der größte Fehler ist aber: Aus Angst vor Fehlern nichts zu wagen! Denn dann lassen wir uns wie ein Beifahrer durchs Leben manövrieren.“ Schiebt man Entscheidungen immer wieder hinaus, verkleinert man den persönlichen seelischen Reichtum, verhindert, den eigenen Horizont zu erweitern. Hat man schließlich doch die falsche Tür geöffnet, darf man sich trösten: Man hat es zumindest probiert und ist sich selbst dabei treu geblieben. Aber Achtung: Beim Mut, Risiken einzugehen, gehe es nicht darum, bewusst Fehler zu begehen, warnt Wolfers: „Natürlich ist es wichtig, dass wir uns schützen! Mut bedeutet nicht Übermut!“ Im besten Fall lernen wir aus unseren Fehlern. Der Schlüssel zu einer stärkeren Entscheidungsfähigkeit ist allen voran Mut. „Mut öffnet die Tür zum Leben und ist die Kraft zum Trotzdem“, bringt es Wolfers auf den Punkt. „Wenn wir trotz und mit unserer Angst etwas wagen, weil wir es als richtig erkannt haben.“ Wie aber zu mehr Mut finden – in einer Welt, in der uns schon als Kind eingebläut wird, keine Risiken einzugehen? Wolfers geht die Sache pragmatisch an: „Mutig werden wir durch mutiges Handeln. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Muskel: Trainiert man ihn, wird er kräftiger.“ Je öfter wir mutig handeln, umso leichter wird es uns nach und nach fallen, auch unangenehme Entscheidungen zu fällen. Wolfers Rat: „Tu jeden Tag etwas, wovor du ein kleines bisschen Angst hast!“ Kurz: Entscheidungen stärken das Vertrauen in das eigene Selbst. Wie bei jedem Sport braucht es aber auch für den „Mut-Muskel“ einen passenden Trainingsplan.

So entscheiden Sie richtig
Auch was das konkrete Fällen von Entscheidungen anbelangt, hat Wolfers einige Tipps parat. Erstens: Werden Sie sich Ihrer Gaben und Grenzen bewusst: Entsprechen meine Fähigkeiten überhaupt dem etwaigen neuen Lebensweg? Bin ich – körperlich und seelisch – geeignet für das, was ich vorhabe? Stur mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist dabei keine Lösung, warnt Wolfers: „Eine ständige Grenzüberschreitung kommt einer Kriegserklärung an mich selbst gleich.“ Zweitens: Hören Sie auf Ihre Intuition! Wie reagiert Ihr Körper, wenn Sie an Ihre mögliche Wahl denken? Verkrampft er sich, ist er unruhig? Wolfers: „Die Intuition ist nicht so spontan, wie man meint. Vielmehr schöpft sie aus einem großen Erfahrungsschatz, verarbeitet blitzschnell eine Fülle von Informationen und spielt einem diese Erkenntnisse zu.“ Und schließlich: Bauen Sie keine Luftschlösser, Realismus ist gefragt! Was würde sich tatsächlich mit der Entscheidung ändern? Ist diese aufgrund der aktuellen Familien- oder Jobverhältnisse überhaupt möglich? Seien Sie sich dabei stets bewusst: Die perfekte Lösung gibt es nicht!
„In der Kunst, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, bündelt sich wie in einem Brennglas die Kunst, mutig zu leben“, fasst Melanie Wolfers abschließend zusammen. Sind Sie bereit für Mut zu mehr Mut? Es ist ganz Ihre Entscheidung. 

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mehr Mut, weniger Angst
Seite 2 Mut Trainingsplan

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