Montag, 18. Februar 2019

Mehr Luft zum Leben

Ausgabe 2017.02
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Atmen ist so selbstverständlich, dass wir darüber meist gar nicht nachdenken. Erst wenn der Rhythmus des Ein- und Ausatmens gestört ist und symptomatisch wird, ringen wir um Luft. Wir zeigen, wie Sie den Atemfluss wieder ins Lot bringen.


Foto: Can Stock Photo - CITAlliance

Meistens nehmen wir ihn gar nicht richtig wahr – und verdanken ihm dennoch jede einzelne Minute unseres Lebens. „Unser Atem begleitet uns ständig und funktioniert natürlich von selbst, unwillkürlich und autonom“, so Nika Zach, akademische Atempädagogin in Wien. Warum wir überhaupt ein- und ausatmen, liegt auf der Hand: Wir holen uns den lebensnotwendigen Sauerstoff aus der Luft, um Stoffwechselprozesse sowie die Funktion unserer Organe aufrechtzuerhalten, und atmen das dabei entstandene Kohlendioxid wieder aus. Der Atem beeinflusst Blutdruck, Herztätigkeit, Durchblutung oder Stimme, ist aber weit mehr als ein Regelmechanismus, um ausreichend Sauerstoff heranzuschaffen. Vielmehr spiegeln sich auch seelische Regungen im Rhythmus der Atmung wider. Denn: Wir lachen vor Glück, atmen ruhig und gleichmäßig, wenn wir die Seele baumeln lassen können, oder schnappen nach Luft, wenn wir zornig sind.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Atmung ist also keinesfalls ein immer gleich ablaufender Vorgang und auch nicht ausschließlich an unsere Emotionen gebunden. Ganz im Gegenteil. „Er ist auch willentlich einsetzbar“, so Zach. „Wir können absichtlich den Atem anhalten, tiefer, länger, schneller oder kürzer atmen. Diese Atemweise brauchen wir, um zu sprechen, zu singen, Sport zu betreiben oder ein Blasinstrument zu spielen. Die willentlich geführte Atmung ist nur für solche Aktionen bestimmt. Befinden wir uns aber im Ruhezustand, muss sie wieder autonom und flexibel funktionieren.“ Will dies dann nicht so recht gelingen, fühlen wir uns nicht wohl. Und mehr noch: Ein gestörter Atemfluss kann sogar unangenehme Symptome wie Brustschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Unruhe oder Nervosität hervorrufen. Sollten sich Kurzatmigkeit, Beklemmungsgefühle oder gar Atemnot dazu- gesellen, ist eine medizinische Abklärung und ein Ausschluss eines organischen Leidens vonnöten. „Schließlich unterscheidet man zwischen Atemwegserkrankungen und Atemfehlformen, die durch unökonomisches Atmen entstehen“, betont Zach. Unökonomisch heißt beispielsweise, unbewusst den Atem anzuhalten, sehr flach zu atmen oder vermehrt in die Brust, anstatt in den Bauch, zu atmen. Dabei wird nämlich nur ein Drittel des Atemvolumens genützt. Aber: Warum tun wir das eigentlich? „Der Atem passt sich krank machenden Situationen an. Stress, Verspannung oder eine ungünstige Körperhaltung wirken sich direkt auf den Atem bzw. den Atemfluss aus“, erläutert Zach. Es entsteht ein Ungleichgewicht im gesamten Organismus.

Das Bewusstsein schärfen. Um wieder in Balance zu kommen, ist es notwendig, den Atem bewusst wahrzunehmen, während er autonom und unwillkürlich fließt. Dadurch wird der Atem meist schon ruhiger und tiefer. Anzustreben ist die sogenannte Bauchatmung, da sie zu einem tieferen Atem führt sowie Herz- und Lymphkreislauf unterstützt. Hier ist das Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel, beweglich und aktiv. Es senkt sich beim Einatmen nach unten Richtung Bauchhöhle ab und macht sozusagen der Lunge Platz. „Dabei geben die Bauchmuskeln nach außen nach und der untere Teil des Brustkorbs weitet sich. Beim Ausatmen bewegt sich das Zwerchfell wieder zurück in seine Ausgangsposition, der Atem entweicht, die Lunge wird wieder kleiner, Bauch- und Rumpfwände schwingen zurück“, beschreibt Zach. Parameter, welche die Atmung positiv beeinflussen und uns dadurch Ruhe und Gelassenheit schenken, sind eine gesunde und flexible, gut ausgerichtete Körperhaltung, guter Bodenkontakt, Durchlässigkeit in den Gelenken und der Muskulatur sowie die richtige Körperspannung. Mit gezielten Übungen aus der Atempädagogik schaffen Sie die Basis, um Ihr persönliches Atemgeschehen bewusst zu erfahren. Dabei werden Spannungen abgebaut, Gelenke und Muskeln organisieren sich neu und die Atemorgane können besser arbeiten. Das Atmen fühlt sich „richtig“ an und Wohlbefinden stellt sich ein.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Mehr Luft zum Leben
Seite 2 Atmen Sie sich frei

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