Freitag, 15. Februar 2019

Medizinschrank Natur

Ausgabe 2018.09
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„Die Natur ist die beste Apotheke.“ Sebastian Kneipps Worte haben auch heute noch Bedeutung: Schließlich liefert uns unsere Umgebung wertvolle Heilmittel, die Leiden lindern und die Gesundheit erhalten können. GESÜNDER LEBEN begibt sich auf eine Reise zu Kräutern, Mooren, Wäldern und Jodquellen.


Foto: iStock - valio84sl

 

Der Neandertaler hatte es wahrlich nicht leicht: Kein Arzt stand zur Verfügung, wenn der Kopf schmerzte, keine Pille linderte Magenleiden, kein Apotheker mit heilender Wund-Tinktur weit und breit. Was tat der Urmensch nun, wenn ihn körperliche Gebrechen plagten? Laut Studien der Wissenschafterin Karen Hardy bediente er sich am Medizinschrank der Natur! Die Archäologin untersuchte Zahnbelege fossiler Neandertaler-Gebisse aus der Höhle El Sidrón im spanischen Asturien und fand Pflanzenteile, die als Nahrungsmittel absolut nicht geeignet waren. Die Schlussfolgerung: Wenn der Magen zwickte oder die Verdauung streikte, setzte unser Ahne auf die Wirkung heilender Kräuter.

Buchtipp

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„Im Wald baden – Der Heilpfad zu Glück und Gesundheit“

Es ist ein Kraut gewachsen
Was vor rund 50.000 Jahren half, findet auch heute noch begeisterte Anhänger. Oder vielmehr: wieder. Denn das Interesse an Heilpflanzen und Kräutern wächst kontinuierlich, wie auch Maria Bachmann bestätigt. Die Tirolerin ist Phytotherapeutin, befasst sich also mit allen Aspekten pflanzlicher Arzneimittel. Regelmäßig teilt die Naturliebhaberin bei Kräuterwanderungen ihr Wissen mit Interessierten. Wichtigster Grundsatz dabei: „Am besten nähert man sich der Natur ohne Erwartungen und mit viel Geduld. Wer sich auf die Pflanzen und Kräuter einlässt und unserer Umwelt mit Respekt und Wertschätzung begegnet, wird finden, was bei individuellen Problemen hilft.“ Bei ihren geführten Wanderungen vertraut die Erlerin auf den Zufall und bleibt offen für alle Kräuter, die sich am Weg auftun. „Finde ich eine Heilpflanze oder ein Kraut, teile ich mein Wissen darüber mit meinen Begleitern“, so Bachmann. Zu ihrem Wissensschatz zählen nicht nur die positiven Auswirkungen und Anwendungsgebiete der einzelnen Pflanzen, sondern auch, wie man sie am besten pflückt, sammelt, lagert und zubereitet. Dabei spielt die Jahreszeit eine wesentliche Rolle. „Im Herbst haben viele Beeren wie jene des Holunders Saison.“ Wird diese Beere roh verzehrt, führt sie zu Magenproblemen. Als Saft eingekocht, wirkt der Holunder hingegen Erkältungen gut entgegen und spendet eine Extraportion Vitamin C. Der Heilkraft einer weiteren Beere vertraute schon Naturheilkundler Sebastian Kneipp: Die Wacholderbeere sorgt für Blut- und Magenreinigung und soll nach seinem Rat 23 Tage lang eingenommen werden. Demnach startet man an Tag 1 mit 4 Beeren und steigert die Anzahl bis zum 12. Tag täglich um eine, ab dem 13. Tag verringert man die Anzahl wieder um eine Beere und landet am letzten Tag wieder bei 4 Beeren. Doch nicht nur Beeren haben Hochsaison, wenn der Sommer sich dem Ende zuneigt. „Wenn es auf den Herbst zugeht, erleben einige Pflanzen ihren zweiten Frühling und blühen ein zweites Mal, etwa mediterrane Pflanzen wie Majoran oder wilder Thymian.“ Beide sorgen als Badezusatz in Form von ätherischen Ölen für Entspannung. Es lohnt sich im Hinblick auf die kalte Jahreszeit auch, Salbeiblätter zu sammeln und zu trocknen – diese helfen in Form von Tee bei Halsbeschwerden. „Im Herbst beginnt auch die Wurzeljagd“, so Bachmann. Die unterirdischen Knollen können zu hochkarätigen Heilmitteln verarbeitet werden. „So wirkt etwa Baldrianwurzeltee nicht nur als bewährtes Schlafmittel, sondern führt auch zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.“ Wie der Spruch schon sagt: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen – die Tiroler Phytotherapeutin hilft bei der Suche.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Medizinschrank Natur
Seite 2 Ein Bad im Walde

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