Montag, 16. September 2019

Medizin & Wissenschaft

Ausgabe 2016.09

Neue Erkenntnisse und Studienergebnisse aus der Welt der Wissenschaft – rund um die Themen Gesundheit, Medizin, Ernährung und Wohlbefinden.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - mycola

Verdauungsbeschwerden, Entzündungsprozesse des Dünndarms, Nährstoffmängel und infolgedessen Blutarmut und Osteoporose …

Verdauungsbeschwerden, Entzündungsprozesse des Dünndarms, Nährstoffmängel und infolgedessen Blutarmut und Osteoporose … Betroffene der Autoimmunerkrankung Zöliakie sind zur  Einhaltung einer lebenslangen strikten Diät ohne Gluten gezwungen. Denn das in vielen Getreidearten enthaltene Protein verursacht bei Zöliakie-Erkrankten, dass das eigene Immunsystem den Darm angreift. Bisher steht fest, dass die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten massiv gestiegen ist und
Betroffene ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen aufweisen.

Weniger Klarheit besteht über die Auslöser. Ein Forschungsprojekt der Universität in Chigaco, geleitet vom Wiener Zellbiologen Reinhard Hinterleitner, hat sich nun mit dieser Frage beschäftigt. Das Ergebnis: Die Untersuchung zeigte einen starken Zusammenhang zwischen Darmvirusinfektionen und Zöliakie. Hinterleitner: „Das Augenmerk lag auf Darmviren, wie dem Noro-, Rota- oder Reovirus. Unsere Analyse für das Reovirus zeigte, dass an Zöliakie Erkrankte signifikant mehr Antikörper gegen dieses Virus hatten und diese mit Virus-assoziierten Markern in den Biopsien korrelierten. Das bedeutet, dass diese höchstwahrscheinlich kürzlich vergangene oder auch chronische Darmvirusinfektionen hatten.“
Eine frühkindliche Impfung gegen Darmviren wie das Rota- oder Reovirus könnte das Auftreten von Zöliakie in Risikogruppen daher vermindern.

Häufig verkannt - Mamas Schilddrüsenentzündung

Jede zwölfte Mutter entwickelt wenige Wochen nach der Entbindung eine Schilddrüsenentzündung. „Die Erkrankung macht keine Schmerzen“, erklärt Dr. Matthias Schmidt, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Köln. Besonders gefährdet sind Frauen, bei denen schon vor oder während der Schwangerschaft erhöhte Schilddrüsen-Antikörper festgestellt wurden, sowie Diabetespatientinnen. Zunächst kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Zittern, Nervosität, beschleunigtem Herzschlag und verstärktem Schwitzen. Hier hilft die vorübergehende Einnahme von Betablockern. Daran schließt sich häufig eine Phase der Schilddrüsenunterfunktion an mit Müdigkeit und Antriebsarmut. Bei der Hälfte der Frauen normalisiert sich die Erkrankung nach einem Jahr von allein, ansonsten wird medikamentös behandelt.

Fettleber auf dem Vormarsch

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) warnt: Bereits 40 Prozent der über 60-jährigen und bis zu 20 Prozent der unter 20-jährigen Bevölkerung westlicher Industriestaaten weist eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) auf. Hauptrisikofaktoren sind Übergewicht bzw. Fettsucht, ein erhöhter Fruktosekonsum, mangelnde körperliche Aktivität und Diabetes mellitus Typ 2. Fettleber kann eine Reihe von Folgeerkrankungen nach sich ziehen, unter anderem: nichtalkoholische Leberentzündung (Steatohepatitis), Leberzirrhose und Leberkrebs. Zudem ist die Fettleber mitverantwortlich für erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken durch Stoffwechselkomplikationen. Aufgrund der steigenden Anzahl an übergewichtigen und adipösen Menschen in Österreich und die zunehmende Alterung der Gesellschaft nimmt auch die Zahl der NAFLD-Patienten zu: „Im Jahr 2030 wird die nichtalkoholische Fettleber vermutlich der weltweit häufigste Grund für Lebertransplantationen sein!“, sagt Dr. Susanne Kaser von der ÖDG.

Zahl des Monats 87

Prozent der an Schuppenflechte (Psoriasis) Betroffenen in Österreich erfuhren in den letzten Jahren Diskriminierung und Demütigung aufgrund ihrer Hauterkrankung, 44 Prozent fühlten sich durch ihre Krankheit im Berufsleben beeinträchtigt. Das ergab eine aktuelle internationale Studie, an der 8.300 Betroffene aus 31 Ländern teilnahmen. Erschreckend ist, dass hierzulande mehr als die Hälfte der Erkrankten (53 Prozent/global: 45 Prozent) bereits gefragt wurde, ob die Krankheit ansteckend sei.

Lebensretter in der Nase

Wissenschafter der Universität Tübingen entdeckten, dass das in der menschlichen Nase siedelnde Bakterium Staphylococcus lugdunensis einen antibiotischen Wirkstoff produziert. Der Wirkstoff, „Lugdunin“, sei in der Lage, selbst multiresistente Erreger zu bekämpfen. Bei Experimenten war aufgefallen, dass der Problemkeim Staphylococcus aureus nur selten in Bakterienproben aus der Nase zu finden ist, wenn das Bakterium Staphylococcus lugdunensis dort ebenfalls nachgewiesen wird. „Normalerweise werden Antibiotika nur von Bodenbakterien und Pilzen gebildet“, erklärt Professor Andreas Peschel. „Dass auch die menschliche Mikroflora eine Quelle für antimikrobielle Wirkstoffe sein kann, ist neu.“ Möglichkeiten der therapeutischen Anwendungen sollen nun untersucht werden.

Sex nach dem Herzinfakt

Sex erhöht das Risiko eines (weiteren) Herzinfarkts nicht. Das belegt eine deutsche Langzeitstudie: Das Team untersuchte 536 Infarktpatienten im Alter von 30 bis 70 Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren. In diesem Zeitraum erlitten in der Gruppe 100 Menschen erneut einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ihre sexuellen Aktivitäten beeinflussten das Risiko aber nicht, so die Forscher. „Aufgrund dieser Daten können wir davon ausgehen, dass normaler Sex kein Auslöser für einen Infarkt ist“, bestätigt Studienleiter Dietrich Rothenbacher. Das bedeutet, dass auch ehemalige Infarktpatienten nicht enthaltsam leben müssen, denn selbst für sie sei, so Rothenbacher, „Sex nicht anstrengender als flottes Gehen“. Und weiter: „Sexuelle Aktivität ist wichtig für die eigene Psyche und die Partnerschaft.“

Österreichern ist selten fad

Eine aktuelle österreichische Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie oft bei uns Langeweile aufkommt. Das Ergebnis: 83 Prozent der 1.058 Österreicher über 16 Jahre, die an der Umfrage teilnahmen, gaben an, dass sie sich nur selten gelangweilt fühlen und den Großteil ihrer Zeit sinnvoll nutzen (5 Prozent machten keine Angaben).
Nur 3 Prozent bzw. 9 Prozent der Österreicher ist „sehr häufig“ bzw. „häufig“ langweilig. Die Antworten auf die Frage, in welchen Situationen ihnen am ehesten fad ist, waren weniger überraschend: Auf Platz eins wurde „keine sinnvolle Beschäftigung“ genannt, gefolgt von „kein Ansprechpartner“ sowie „Wartezimmer beim Arzt“. Menschen über 60 Jahre langweilen sich eher bei Schlechtwetter, jüngere (unter 35 Jahre) vor allem bei Vorlesungen und Vorträgen. Interessant: Je höher die Bildung, desto seltener kommt Langeweile auf. Keine Unterschiede gibt es hingegen bei den Geschlechtern.

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