Dienstag, 24. September 2019

Medikamente einnehmen – aber richtig!

Ausgabe 2014.03

Die Tablette ist zu groß, um sie zu schlucken? Kann ich einen gebrauchten Nasenspray nochmals verwenden? Darf ich einen bitteren Hustensaft süßen? gesünder leben hat die Antworten!


Foto: Can Stock Photo Inc. - ia 64

Zu große Tabletten und Kapseln: Schluckschwierigkeiten können entstehen, wenn die verschriebenen Arzneimittel über eine beachtliche Größe verfügen und Patienten sich davor fürchten, dass sie daran „ersticken“ könnten. Unser Tipp: „Es ist fast immer empfehlenswert, den Kopf beim Schlucken eines Medikaments nach vorne geneigt zu halten“, erklärt die Wiener Apothekerin Mag. pharm. Dr. Isabella Gazar. „Den Kopf ruckartig beim Schlucken in den Nacken zu bewegen, kann immer dazu führen, dass die Tablette oder die Kapsel wirklich im Hals stecken bleibt.“

Das ideale Getränk. Damit filmüberzogene Tabletten oder gelatinhaltige Kapseln nicht in der Speiseröhre kleben bleiben, sollten sie mit genügend Flüssigkeit – idealerweise mit mindestens 125 ml Leitungswasser – konsumiert werden. „Medikamente sollen generell nie mit Milch eingenommen werden, da Milch mit vielen Arznei- und Mineralstoffen Komplexe eingeht, sodass die Wirkung des Arzneistoffes verringert wird“, erklärt Gazar. Das gilt übrigens auch für Kaffee mit Milch sowie bestimmte Mineralwassersorten, Tee und natürlich Alkohol. Gazar: „Alkohol und Medikamente vertragen sich gar nicht: Entweder verstärkt der Alkohol die Wirkung von Arzneimitteln oder er verhindert den Abbau der Arzneistoffe.“ Wissenschaftler konnten weiters belegen, dass insbesondere Grapefruitsaft bei der Einnahme von Medikamenten (z.B. gegen hohen Blutdruck, Angst- oder Herzrhythmusstörungen sowie Epilepsie) vermieden werden sollte, da er den heilenden Effekt verhindert. „Grapefruitsaft kann manche Enzyme, die für die Aufnahme von Arzneistoffen wesentlich sind, blockieren“, so Gazar. „Dies gilt allerdings nicht für andere Zitrusfrüchte; so kann ein Glas Orangensaft, gemeinsam mit Eisentabletten, die Aufnahme von Eisen sogar fördern.“

Tabletten teilen. Ohne ausdrückliche ärztliche Verordnung sollte man Tabletten nicht einfach teilen, um sie besser schlucken zu können – und zwar auch dann nicht, wenn eine Bruchrille zu sehen ist. Die Folge wären die Zerstörung eines vorhandenen Schutzschilds, eine veränderte Freisetzung der Wirkstoffe und unerwünschte Nebenwirkungen.

Hygiene als oberstes Gebot. Bei der Anwendung von Nasensprays sollte man darauf achten, dass sie nur von einer Person verwendet werden. Ansonsten kann es zu einer Übertragung von Viren und Bakterien kommen. Wurde der Schnupfen erfolgreich auskuriert, kann der Sprühkopf mit Alkohol desinfiziert und weiterverwendet werden.

Bitterer Nachgeschmack. Flüssige Arzneimittel sind zwar leicht zu schlucken, schmecken aber oft – aufgrund des Alkoholgehalts – nicht besonders gut. Trotzdem sollten Säfte oder Tropfen nicht mit Zucker gesüßt werden. „Besser ist es, nach der Einnahme des Medikaments einen Traubenzucker oder ein Stück Brot zu sich zu nehmen“, rät Gazar.

Augenblickliche Hilfe. Gerade für ältere Menschen ist das Eintropfen der Augen eine große Herausforderung, da sie oftmals unter eingeschränkter Sicht leiden oder feinmotorisch benachteiligt sind. Spezielle, in der Apotheke erhältliche Eintropfhilfen sorgen für die richtige Positionierung über dem Auge und eine exakte Dosierung.

Vorsicht: Vegetarier. Medikamente wirken bei Vegetariern oft anders als bei „Fleischessern“: Tierische Lebensmittel verursachen ein säurehaltiges Milieu, in dem sich (säurehaltige) Arzneimittel wohlfühlen und besser von der Niere aufgenommen bzw. langsamer ausgeschieden werden. Das Gegenteil ist bei Vegetariern der Fall: Ihr vorwiegend basischer Harn verursacht eine verminderte Aufnahme und ein schnelleres Ausscheiden. Es gibt aber auch Medikamente, die von Vegetariern besser verwertet werden – besprechen Sie Details im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt.

Alles nach der Reihe. Wer mehrere Medikamente parallel einnehmen muss, sollte auf einen zeitlichen Abstand von etwa einer Stunde achten. So sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine bessere Verträglichkeit und vor allem die höhere Effizienz der Präparate gewährleistet. „Die meisten Arzneistoffe werden in der Leber über dieselben Enzyme abgebaut. Nimmt man zu viele Arzneistoffe gleichzeitig ein, kann der Abbau blockiert werden: Die dabei entstehenden Abbauprodukte können unerwünschte Nebenwirkungen auslösen oder auch die Wirkung eines Arzneistoffes verhindern“, erläutert Gazar. Wer mehrere Tabletten vom Arzt verschrieben bekommen hat, sollte in der Apotheke immer nachfragen, wie und zu welchem Zeitpunkt diese eingenommen werden müssen. „Oft weiß der Patient gar nicht, dass manche Arzneimittel wie Magensäureblocker unbedingt vor dem Essen eingenommen werden müssen. Und auch die Kombination zwischen Schilddrüsenmedikamenten und Magensäureblockern oder Multivitamintabletten, verlangt einen zeitlichen Abstand in der Einnahme“, gibt Gazar zu bedenken.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information