Montag, 13. Juli 2020

Meben Mein mit Diabetes & Covid-19

Ausgabe 2020.06
Seite 1 von 2

Anja ist 25 Jahre alt und Typ-1-Diabetikerin. Ende März infizierte sie sich mit Covid-19. Obwohl sie offiziell zur Risikogruppe gehört, verlief die Infektion mild, heute geht es ihr gut. In GESÜNDER LEBEN erzählt sie über ihre Zeit in Quarantäne und wie ihre Glukosewerte auf das Virus reagierten.


Foto: © Anja R.

Corona ist ein verdammtes Virus, das uns alle einschränkt und die Welt stark verändert!“ Ja, Anja ist ein bisserl verärgert. Sie gibt zu: Corona nervt nicht nur – aus den offensichtlichen Gründen –, sondern verunsichert auch, macht Angst, „macht etwas mit einem“. Das Virus aber rückt Dinge auch wieder ins rechte Licht, macht sogar befreiter, wie in Anjas Fall. Die 25-jährige Deutsche, die nahe Stuttgart lebt, wurde Ende März positiv auf Covid-19 getestet. Gleich vorweg: Alles ist gut ausgegangen, heute geht es Anja „sehr gut“, wie sie sagt, sie geht auch bereits wieder ihrem Job als Erzieherin in einer Kindertagesstätte nach. Auf den ersten Blick gehört Anja nicht zur bekannten Covid-19-Risikogruppe: Sie ist jung, steht mitten im Leben, lässt (in Vor-Corona-Zeiten) ihren Emotionen beim zweimal wöchentlichen Kickboxen freien Lauf und ist außerdem ausgebildete Rettungsschwimmerin. Aber: Anja ist Typ-1-Diabetikerin.

Glücksdiagnose
2009 wurde bei Anja Typ-1-Diabetes festgestellt, damals war sie 14 Jahre alt. Die „Glücksdiagnose“, wie sie es nennt, wurde im Rahmen einer herkömmlichen Jugenduntersuchung festgestellt. „Mein Arzt hat mir damals zu verstehen gegeben, dass es ein Wunder ist, dass ich noch so quickfidel bin. Mein Glukosewert war im unteren 600er-Bereich. Symptome hatte ich aber keine.“ Natürlich war es anfangs eine Umstellung, die auch mit Einschränkungen verbunden war, gibt Anja zu. „In den ersten Monaten habe ich alle Lebensmittel und Speisen genau abgewogen, jedes Gramm musste berechnet werden. Auch meine Mutter hatte Angst, etwas falsch zu machen. Außerdem musste ich plötzlich in der Freizeit ständig Messgerät, Insulin-Pen und Traubenzucker dabeihaben.“ Und, natürlich: „Beim Essen war ich sehr uhrzeitabhängig, was nicht immer ganz einfach war.“ Anja aber scheint eine Person zu sein, die sich stets auf das Positive konzentrieren möchte: „Es war ein Lernprozess. Ich bin schnell mit meinem Diabetes gut zurechtgekommen und war auch rasch gut eingestellt.“ Ihren Freizeit aktivitäten wie Schwimmen oder Reiten ging sie nach wie vor nach, gehänselt wurde sie auch niemals.

Moderne Therapie
Nach Spritzen ist Anja mittlerweile auf eine Behandlung mit Insulinpumpe umgestiegen. „Dank der Pumpe kann ich essen, wann ich will. Sollte ich mal zu viel Zucker zu mir genommen haben, kann die Pumpe es schnell korrigieren. Das erleichtert einiges.“ An dieser Stelle möchte Anja eines klarstellen: „Typ-1-Diabetiker können im Grunde essen, was sie wollen – und das mache ich auch!“ Zusätzlich verwendet sie eine Art kleinen Knopf, der – meist am Oberarm – äußerlich angebracht wird, der dazugehörige Sensorfaden befindet sich unter der Haut. Mithilfe einer Handy-App werden automatisch die persönlichen Blutzuckerwerte gemessen. Im Falle einer Über- oder Unterzuckerung sendet das System einen Alarm auf das Handy. Alle drei Monate muss der HbA1c-Wert kontrolliert werden, einmal im Jahr steht eine große Blutuntersuchung sowie der Besuch beim Augen- arzt an.

Schreckgespenst Corona
Zeitsprung zum März 2020. Es war ein Mittwochnachmittag, als Anja einen beruflichen Anruf bekam: Alle Mitarbeiter müssten sofort in Quarantäne, eine Kollegin habe sich mit Covid-19 infiziert. Zu diesem Zeitpunkt hatte die 25-Jährige bereits leichten Schnupfen sowie einen Geruchs- und Geschmacksverlust bei sich festgestellt, „da aber die Symptome so leicht waren, habe ich diese nicht auf Corona zurückgeführt. Damals wusste man zudem noch nicht, dass der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns anscheinend zu den Hauptbeschwerden von Covid-19 gehört.“ Die Hausärztin riet ihr im Rahmen einer telefonischen Beratung, sich testen zu lassen – auch aufgrund der Diabetes-Erkrankung. Diese Testung geschah bei einem „Corona-Drive-in“, wie Anja es mit Augenzwinkern nennt: Auf einem großen Parkplatz in der Nähe des Stuttgarter Flughafens wurde ein Zelt aufgebaut, in dem medizinisches Personal Abstriche im Mund- und Nasenraum durchführte – die (möglichen) Betroffenen blieben dabei die ganze Zeit über in ihrem eigenen Auto sitzen. Zwei Tage später dann der positive Bescheid via Telefon: Anja hatte sich mit Covid-19 infiziert. „Ich habe nicht damit gerechnet, für mich ist erst mal eine Welt zusammengebrochen.“ Unsicherheit und Angst machten sich breit: Wie wird sich die Krankheit weiterentwickeln? Was kommt noch auf mich zu? „Man weiß ja bis heute nicht sehr viel über Covid-19!“ Vor allem aber sorgte sich Anja um ihre Familie und Freunde: Könnte sie jemanden angesteckt haben? Allen Familienmitgliedern, mit denen sie zuvor engen Kontakt hatte, wurde ebenso eine 14-tägige Quarantäne auferlegt. Trotz verdächtiger Symptome bei Mama und beim Neffen erwies sich Anjas Angst aber schließlich als unbegründet. Die Dankbarkeit und Erleichterung darüber ist Anja noch heute anzumerken.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Meben Mein mit Diabetes & Covid-19
Seite 2 Unterzuckerungen

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-07-08 130x173Aktuelles Heft 07-08/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. September

 

Unsere Ausgabe 06/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Welche Erfahrung haben Sie mit Mobbing/Hass im Internet?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information