Montag, 16. September 2019

Mann sorgt besser vor

Ausgabe 2013/04

An die Vorsorge denkt Mann eher selten – insbesondere wenn’s um die Prostata geht. Dabei ist die Untersuchung allen Vorurteilen zum Trotz nicht unangenehm.schnell erledigt und vor allem sinnvoll.


Foto: Can Stock Photo Inc. - kennethFotos

Erkrankungen der Prostata zählen zu den häufigsten Männerleiden. Dennoch wird die Vorsteherdrüse – so die deutsche Übersetzung – von den meisten mehr oder weniger absichtlich ignoriert. Und folglich wird auch nur wenig Zeit an den Vorsorgegedanken „verschwendet“. Dabei spielt die Prostata, die in Form und Größe einer Kastanie ähnelt, im Leben des Mannes eine zentrale Rolle, produziert sie doch Sekrete zur Verflüssigung sowie Aktivierung des Samens und trägt etwa 15 Prozent zur Samenflüssigkeitsmenge bei.

Vorsorgemuffel. Auch der Salzburger Urologe Univ.-Prof. Dr. Andreas Jungwirth weiß, dass Männer nicht gerade gern zur (Prostata-)Vorsorge gehen – seiner Meinung nach, weil sie das nicht gewohnt sind: „Im Gegensatz zu den Männern ist der regelmäßige Besuch des Gynäkologen eine Art Fixpunkt im Leben der Frauen.“ Dass Mann als Vorsorgemuffel gilt, wird im Hinblick auf die Prostata oft auch mit der Untersuchung selbst in Verbindung gebracht. Aufgrund ihrer Lage – die Prostata befindet sich unterhalb der Blase – kann der Urologe die Drüse nämlich durch die Wand des Enddarms gut abtasten und somit eine Vergrößerung bereits frühzeitig entdecken. „Das ist vielleicht etwas unangenehm, aber auf keinen Fall schmerzhaft“, betont Jungwirth. „Die meisten Patienten fragen mich nach der Untersuchung recht erstaunt, ob das schon alles gewesen sei.“ Mann braucht also weder aus Angst noch aus Scham seine Gesundheit aufs Spiel setzen, zumal es sich im Alter meist um eine gutartige Vergrößerung handelt. Der Urologe Jungwirth erklärt: „Es hat rein physiologische Gründe, dass die Prostata mit zunehmendem Alter wächst. Da aber Samenleiter und Harnröhre durch die Prostata ziehen, kann es zur Abflussbehinderung beim Harnlassen kommen.“ Darüber hinaus klagen die Patienten oft über zunehmenden Harndrang, wobei der Harnstrahl schwächer wird und die Blase sich nicht mehr völlig entleert. Ein dadurch verursachter chronischer Harnrückstau kann bis ins Nierenbecken reichen und langfristig die Nierenfunktion nachhaltig schädigen. Ob eine medikamentöse Therapie ausreicht oder operativ behandelt werden muss, wird vom Urologen von Fall zu Fall entschieden.
 
Werden Sie aktiv! Ab 45 sollten sich Männer einmal jährlich einem Vorsorge-Check unterziehen. Liegt Prostatakrebs in der Familie, wird diese spezielle Vorsorge jedoch schon ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Abgesehen von der Tastuntersuchung wird dabei eine Ultraschalluntersuchung des Harntrakts und der Hoden gemacht, der Harn untersucht und, sofern gewünscht, der PSA-Wert im Blut ermittelt. Bei Letzterem geht es um das Prostata-spezifische Antigen, das zusammen mit dem Sperma in der Vorsteherdrüse produziert wird. Eine bösartige Veränderung führt in der Regel zu einer vermehrten Ausschüttung, und da ein Teil davon in die Blutbahn gelangt, weist ein erhöhter PSA-Wert eventuell auf eine Erkrankung hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann an Prostatakrebs erkrankt, liegt mit 16 Prozent recht hoch. Doch: „Nur drei Prozent sterben daran“, räumt Jungwirth ein. Somit ergibt sich die große Frage, welcher Patient von einer Operation oder Strahlentherapie wirklich profitiert. Laut Jungwirth kommt es zweifelsohne zu einer Übertherapie vieler Männer mit Prostatakrebs: „Das Problem besteht darin, dass es keinen guten Marker gibt, der eine reine Beobachtung zulässt. Daher werden Patienten mit einem erhöhten PSA-Wert und einer darauffolgenden Krebsdiagnose mitunter therapiert, obwohl das gar nicht nötig wäre.“ Eine neue Behandlungsstrategie heißt aktive Überwachung, bei der der Patient lediglich engmaschig kontrolliert und erst bei einem Anstieg der Erkrankungszeichen einer Operation oder Bestrahlung unterzogen wird. So oder so: Die Heilungschancen sind nicht schlecht und die Lebenserwartung liegt zwischen zwölf und 14 Jahren – vorausgesetzt, die Erkrankung wird frühzeitig entdeckt. Ja, vorsorgen ist fürwahr besser als nachsorgen. Allerdings reicht es nicht, wenn sich die Herren der Schöpfung auf gut gemeinte Gesundheitsratschläge des weiblichen Geschlechts verlassen, denn nicht nur Frauen sind anders, sondern Männer auch – und das hinsichtlich vieler Krankheiten (mehr Infos dazu im Kasten).

Mann und Frau – anders krank, anders gesund

Männer und Frauen reagieren in Sachen Gesundheit, Vorsorge und Krankheitssymptome oft sehr unterschiedlich. Eine kleine Übersicht:

  • Ein Herzinfarkt – statistisch betrachtet übrigens die häufigste Herzerkrankung hierzulande – zeigt sich bei Männern etwa durch Schmerzen im Brust- und Schulterbereich sowie durch Gefühle der Todesangst. Bei Frauen reichen die Symptome indes von Schweißausbrüchen bis zu Bauchschmerzen und Übelkeit (was freilich auch auf viele andere Erkrankungen hindeuten kann). Ein weiterer, jedoch recht trauriger Unterschied: Nach einem Herzinfarkt (inklusive Behandlung) erleiden wesentlich mehr Frauen in den darauffolgenden 30 Tagen einen neuerlichen Infarkt – und sterben daran.
  • Bluthochdruck wird bei Frauen häufig früher erkannt, unter anderem weil sie in jungen Jahren zu niedrigem Blutdruck neigen und daher stärker unter den Begleitsymptomen eines Anstiegs leiden (Nervosität, Kopfschmerz, Schwindelgefühl). Und: Bei Männern beginnt es meist im Alter zwischen dem 20. und 45., bei Frauen oft erst ab dem 50. Lebensjahr. Allerdings steigt die Zahl der Patientinnen im Alter kräftiger an als jene der Patienten: von den über 70-jährigen Bluthochdruckpatienten sind zwei Drittel Frauen.
  • Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist bei Frauen sechsmal höher als bei Männern. Zudem kommt es bei ihnen häufiger zu Komplikationen (Nerven- und Augenerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Harninkontinenz, Depressionen, diabetischer Fuß). Die Gründe: bislang unbekannt.
  • Es heißt: Frauen leiden doppelt so oft an Depressionen wie Männer. Fakt ist: Männer ziehen es meist vor zu schweigen, gehen in eine Art Abwehrstellung und werden mitunter sogar aggressiv. Frauen hingegen vertrauen sich anderen an – von der Freundin bis zum Psychiater. Folglich werden depressive Verstimmungen und Depressionen bei Frauen häufiger als bei Männern diagnostiziert und therapiert. Ein durchaus erschreckender Unterschied betrifft die Anzahl der Selbstmorde, die häufigste Folge von Depressionen und depressiven Verstimmungen: Diese liegt nämlich bei den Männern in allen Altersgruppen über jener der Frauen.
  • Männer haben eine höhere Knochenmineraldichte und damit ein vermindertes Risiko, im Alter an Osteoporose zu erkranken. Dass mehr Frauen an Knochenschwund erkranken (das Verhältnis zwischen Frau und Mann liegt etwa bei 3:1), hat überdies mit der Lebenserwartung zu tun: Frauen werden nach wie vor älter als Männer, und nachdem das Erkrankungsrisiko im Alter zunimmt, gibt es eben auch mehr Frauen mit Osteoporose.

 

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