Dienstag, 17. September 2019

Manchmal braucht der Körper mehr!

Ausgabe 2016.12-2017.01

Wer sich ausgewogen ernährt, ist zumeist auch gut mit Vitaminen & Co versorgt. Gewisse Lebensphasen, besondere Umstände oder Erkrankungen können aber Mangelzustände auslösen. gesünder leben zeigt, wie Sie diese Versorgungslücken wieder schließen.


Foto: Can Stock Photo - VoyagerixGesundheitVitalität

Ein Gesundheitscheck bringt es zumeist ans Tageslicht: Vor allem Frauen sind relativ häufig von Vitamin-D- und Eisen-Mangel betroffen. Müdigkeit und Infektanfälligkeit sind typische Alarmzeichen für ein Manko im Körper. Ähnliches gilt für die Versorgung mit dem Vitamin Folsäure bei Kinderwunsch und dem Vitamin B durch die Hormonumstellung in den Wechseljahren. Aber auch Männer bleiben nicht von Mangelerscheinungen verschont: Für sie kann eine abnehmende Produktion des männlichen Hormons Testosteron spürbar werden. GESÜNDER LEBEN hat den großen Überblick über mögliche Mangelerscheinungen – und was Sie dagegen tun können.

Vitamin-D-Mangel
Was dahintersteckt: Die Vorstufe des Vitamins wird in der Haut unter dem Einfluss von Sonnenlicht produziert und im Körper zu einem Hormon aktiviert. Deshalb liegt im Sommer eher selten ein Vitamin-D-Mangel vor. „In den Herbst- und Wintermonaten wird das Vitamin D in unserem Körper jedoch oft zur Mangelware, weil die Intensität der Sonnenbestrahlung in unseren Breiten nur in den Monaten Mai bis September intensiv genug ist, um eine gute Vitamin-D-Synthese in der Haut zu ermöglichen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald Dobnig, Internist in Graz. „Man geht davon aus, dass – abhängig vom Hauttyp – in dieser Zeit 3-mal wöchentlich 15 bis 30 Minuten Sonneneinstrahlung auf Gesicht, Arme und Beine genügen, um einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel zu erreichen.“ UV-Schutz in
Form von Sonnencremes oder auch Hautcremes mit Lichtschutzfaktor reduzieren zwar die Hautalterung, verhindern aber auch eine effektive Vitamin-D-Synthese in der Haut: „Besonders häufig ist der Vitamin-D-Mangel bei älteren und übergewichtigen Menschen und andererseits bei Personen mit dunklerem Hauttyp, das heißt einer stärker pigmentierten Haut.“

Die Anzeichen: Lange Zeit lag die Bedeutung von Vitamin D vor allem in der Vorbeugung von Rachitis und Osteoporose, so Dobnig: „Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass das Vitamin einen viel größeren Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Ein Mangel an Vitamin D hat vermutlich nicht nur Folgen für die Knochendichte, sondern auch auf den Verlauf anderer Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Krebs und multiple Sklerose.“ Auch das Risiko für Infektionen, Herzerkrankungen und Schlaganfälle steigt.

Die Gegenmaßnahmen: Einerseits kann man sich dem Sonnenlicht in einem gesunden Ausmaß bewusst aussetzen, vorzugsweise in den Stunden höchster Intensität zwischen 10 und 14 Uhr. Andererseits kann eine tägliche Dosis von 1.000 IE (Internationale Einheiten) in Form von Tropfen oder Tabletten ohne Gefahr der Überdosierung eingenommen werden. „Höhere Dosen sollten aber nur in Absprache mit dem Hausarzt eingenommen werden. Er kann auch entscheiden, ob man zu einer Risikogruppe – Schwangere, Senioren, chronisch Kranke, Übergewichtige, anderer Kulturkreis – zählt und eine Laboruntersuchung sinnvoll ist“, sagt der Experte.

Eisenmangel
Was dahintersteckt: An der häufigsten Mangelerkrankung leiden immerhin 10 bis 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter: „Grund dafür sind die Blutverluste während der Menstruation. Aber auch Senioren, Kinder im Wachstum, Ausdauersportler, Vegetarier und Personen mit chronischen Magen- Darm-Erkrankungen sind öfter betroffen“, so Dobnig. Ebenso kann ein vermehrter Eisenverbrauch durch Sport, Schwangerschaft sowie eine eisenarme Ernährung und Abnehmdiäten zu einem Manko führen. Ein Eisenmangel lässt sich sehr leicht über eine Blutabnahme feststellen, betont der Internist: „Dabei wird vor allem die Konzentration des Depoteisens Ferritin zur Beurteilung herangezogen. Nicht immer muss der Eisenmangel erst den unteren Grenzwert erreichen, um Beschwerden zu verursachen.“

Die Anzeichen: Die Beschwerden können vielfältig sein, da sich Eisen in jeder Zelle befindet. Als typische Anzeichen für einen massiveren Eisenmangel zeigen sich laut dem Facharzt Blässe, brüchige Nägel, Haarausfall, eingerissene Mundwinkel, ständiges Kältegefühl, körperliche Leistungsschwäche bis hin zu Konzentrations- und Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Atemnot, Herzrasen oder das Restless-Legs-Syndrom: „In der Schwangerschaft verstärkt sich das Problem, weil bis zu 40 Prozent mehr Blut gebildet werden muss, damit die wachsende Gebärmutter ausreichend durchblutet wird. Blutarmut kann zu einer schlechten Sauerstoffversorgung des Fötus und Fehlentwicklungen führen, weiters auch zu Fehl- oder Frühgeburten.“ Zusätzlich kann Eisenmangel eine Ursache für ein schlechtes Operationsergebnis sein. Daher sollte das Blut insbesondere vor großen Operationen, wie Hüft- oder Knieoperationen, auf eine mögliche Blutarmut und Eisenmangel untersucht werden.

Die Gegenmaßnahmen: Medikamentöse Standardtherapie bei Eisenmangel sind Tabletten, die am besten gemeinsam mit Vitamin C, Fruchtsaft oder säurehältigen Früchten eingenommen werden sollten. „Eisenpräparate können allerdings unangenehme Nebenwirkungen wie Durchfall, Verstopfung oder Bauchkrämpfe hervorrufen. Bei einigen Patienten wird das Eisen in den Tabletten zudem nicht ausreichend im Darm resorbiert“, betont Dobnig. „Intravenöse Infusionen sind eine mögliche Alternative für jene, die Eisentabletten schlecht vertragen oder nur ungenügend darauf ansprechen. Das Eisen ist dann im Körper sofort verfügbar, zudem wird der Darm umgangen, was die möglichen Nebenwirkungen der Therapie minimiert.“

Folsäure-Mangel
Was dahintersteckt: Folsäure-Mangel ist in Österreich relativ häufig und kann durch unausgewogene Ernährung bereits im Jugendalter auftreten. „Auch durch die Einnahme der Pille kommt es zu einem erhöhten Bedarf bestimmter Vitamine und Mineralstoffe“, erklärt die Wiener Gynäkologin Dr. Claudia Niedersüß. Weitere Ursachen für Folsäuremangel sind Schilddrüsenüberfunktion, Alkoholmissbrauch, chronische Lebererkrankungen und schwere Verdauungsstörungen wie bei einer Glutenunverträglichkeit sowie bei Einnahme des Anti-Rheuma-Wirkstoffs Methotrexat oder eine Chemotherapie.

Die Anzeichen: Folsäure ist an vielen wichtigen Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen beteiligt. Bei einem Mangel drohen Schäden bei der Entwicklung von Blut, Zellen und der DNA, der Erbsubstanz. Deshalb wirkt sich ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft besonders schwer aus. Niedersüß: „Eine gute Versorgung mit Folsäure ist bei Frauen bereits bei bestehendem Kinderwunsch wichtig – noch vor Eintritt der Schwangerschaft.“ Typische Anzeichen eines Folsäuremangels sind Blutarmut und ihre Folgen: auffallende Blässe, Veränderungen der Zunge, starke Müdigkeit. In schweren Fällen verursacht der Folsäuremangel Herzrhythmusstörungen und Atemnot.

Die Gegenmaßnahmen: Grundsätzlich sollten man die Einnahme von Folsäure mit dem Arzt abstimmen – das gilt vor allem für Frauen mit Kinderwunsch. Er entscheidet, ob die Folsäure mit anderen Vitaminen, wie Vitamin B12, Mineralstoffen und Spurenelementen, wie Magnesium, kombiniert werden sollte.

 

Testosteron, Wechseljahre, Schilddrüse: Hormone bestimmen unsere Lebensqualität

Hormone spielen für unsere Gesundheit eine große Rolle – sowohl für Männer als auch Frauen. Ein Mangel kann gravierende Folgen haben. Hier die drei häufigsten Fälle.

Testosteron-Mangel: Weil das Testosteron ab 20 immer weniger wird, kommt es mit steigendem Alter nicht selten zu einem schleichenden Verlust „männlicher“ Eigenschaften. Geringere Leistungsfähigkeit, Libidoverlust, depressive Verstimmungen bis hin zu Schlaflosigkeit können auftreten. Testosteronmangel ist mit einem Bluttest einfach festzustellen, sagt Sexualmediziner Dr. Georg Pfau. Wenn eine Lifestyle-Veränderung nicht ausreicht, kann der erfahrene Facharzt das fehlende Hormon mit einer Spritze ergänzen: „Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich dadurch das Wohlbefinden steigern lässt.“


Wechseljahre: Die Menopause führt zu einigen Veränderungen im Hormonhaushalt. Vitamine und Mineralstoffe sind in dieser Phase besonders wichtig, so Frauenärztin Dr. Claudia Niedersüß: „Frauen benötigen vor allem B-Vitamine, insbesondere das Vitamin B6. Es ist sinnvoll, in dieser Phase eine Vitamin- und Mineralstoffanalyse vornehmen zu lassen, um individuelle Mangelzustände erkennen und behandeln zu können.“


Schilddrüsen-Unterfunktion: „Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse fühlt man sich müde, unkonzentriert und antriebslos, nicht selten auch depressiv verstimmt. Weitere Hinweise sind Gewichtszunahme ohne Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, niedriger Blutdruck, Verstopfung, Haarausfall sowie brüchige Fingernägel“, sagt Internist Harald Dobnig. Bei bestehender Schwangerschaft kann es sogar zu Fehl- oder Frühgeburten kommen. Die Diagnose wird durch eine Bestimmung des Schilddrüsenhormonspiegels im Blut bestätigt, eine Ultraschalluntersuchung zeigt mögliche Veränderungen im Gewebe der Schilddrüse. Der niedrige Hormonspiegel kann zumeist durch eine dauerhafte Hormongabe mit Tabletten normalisiert werden.

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