Freitag, 20. September 2019

„Man hat Angst, dass der Krebs einen auffrisst“

Ausgabe 12.2014-01.2015
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gesünder leben traf die 20-jährige Cornelia Grössing – und sprach mit ihr über ihre Krebserkrankung und den Weg zurück ins Leben. Dabei wurde sie durch ein neues, ganzheitliches Therapieangebot unterstützt.


Foto: Miriam Höhne

Die lichtdurchflutete Lobby samt moderner, in Naturtönen schimmernder Rezeption lässt die vermutete Spitalsatmosphäre erst gar nicht aufkommen. Und auch die beiden leger in Jeans gekleideten Damen, die sich hier angeregt bei einer Tasse Kaffee unterhalten, entsprechen nicht dem klassischen Patienten-Klischeebild. Das vor Kurzem neu eröffnete Lebens.Med Zentrum Bad Erlach, welches onkologische Rehabilitation offeriert, schafft ein behagliches Wohlfühlambiente.  Der Bedarf an einer solchen Einrichtung war groß: „In Österreich leiden derzeit ca. 300.000 Menschen an einer Krebsart; die Zahl der Neuerkrankungen wird in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen. Da Krebs heute besser behandelbar ist, müssen Betroffene verstärkt Wege von einem Überleben zu einem Lebensalltag finden. Unser rund hundertköpfiges Team unterstützt sie dabei“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger, Leiter der Abteilung für Onkologische Rehabilitation. Im Sinne eines integrativen Konzepts erfahren Patienten, die ihre primäre Krebsbehandlung (z. B. Chemo- oder Strahlentherapie) bereits abgeschlossen haben, eine maßgeschneiderte körperliche, psychische und soziale Rehabilitation. „Unser Therapieangebot ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern. Schmerzen und Depressionen sollen reduziert, die körperliche Fitness gesteigert und die Reintegration in den beruflichen und sozialen Alltag ermöglicht werden“, so Gaiger. Cornelia Grössing (20) hat im Rahmen ihres dreiwöchigen Aufenthalts Gesundheit, Kraft und Lebensfreude nach einer Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung wiedergefunden. Zwei Stunden vor ihrer Heimreise nahm sich die sympathische Studentin aus Korneuburg Zeit für ein Gespräch mit GESÜNDER LEBEN.

GESÜNDER LEBEN: Sie haben im Dezember 2013 die Diagnose Krebs erhalten. Können Sie einen kurzen Rückblick auf diese Zeit werfen?
Cornelia Grössing: Ich habe damals gespürt, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Mir war oft schwindelig und ich wurde von Schüttelfrost geplagt. Zuerst dachte ich an einen grippalen Infekt. Diverse Blut- und Laboruntersuchungen lieferten aber kein aufschlussreiches Ergebnis. Allerdings waren die Lymphknoten im Oberbauch stark vergrößert; der größte von ihnen war bereits 6 ½ cm groß. Eine Biopsie hat dann leider den Verdacht bestätigt: Lymphdrüsenkrebs im Stadium III. Zwei Tage nach der Erstdiagnose erhielt ich bereits meine erste Chemotherapie.
 
GL: Das ging schnell …
Ja. Der Handlungsbedarf war groß. Schließlich hat der große Lymphknoten auf die Arterie, die zum Herzen führt, gedrückt.

GL: Hatten Sie überhaupt Zeit, zu realisieren, was passiert ist?
Nein. Mir wurde Blut abgenommen, ich erhielt Spritzen, jeder hat einem gut zugeredet. Von einer 95-prozentigen Überlebenschance war die Rede, wenn ich auf die Chemotherapie gut ansprechen würde. Diese Zahl gab mir große Hoffnung.

GL: Wie gut haben Sie die Chemotherapie vertragen?
Die ersten beiden starken Chemotherapie-Zyklen, die darauf ausgerichtet waren, das bösartige Gewebe abzutöten, haben mir viel Kraft geraubt. Ich habe in dieser Zeit wie ein Schaufelbagger gegessen und trotzdem abgenommen. Außerdem musste ich jeweils 14 Tage Kortison und sieben Tage Schluck-Chemo in Form von Tabletten einnehmen. Von dem metallenen Geschmack der Medikamente war mir fast ständig schlecht.

GL: Sie wirken heute sehr positiv. War das immer schon so?
Eigentlich schon. Natürlich habe ich mir immer wieder einmal Gedanken darüber gemacht, warum ausgerechnet ich mit dieser Krankheit umgehen muss. Aber grundsätzlich hat der Optimismus überwogen.

GL: Wie hat Ihr Alltag damals ausgesehen?
Er war geprägt von „Ins-Krankenhaus- und-wieder-heim-Fahren“. Von Schwächeanfällen und Übelkeit. Anfang Februar 2014 folgte der Umstieg auf eine leichte Chemotherapie, weil das weitere Wachstum des Lymphknotens verhindert werden konnte. Ich konnte die Tabletten absetzen. Die Übelkeit aber blieb und hat meinen Alltag am meisten beeinflusst.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „Man hat Angst, dass der Krebs einen auffrisst“
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