Sonntag, 18. August 2019

Magenschmerzen was tun?

Ausgabe 2019.07/08

Magenschmerzen sind nichts Ungewöhnliches und meist harmlos. Manchmal stecken aber auch ernsthafte Erkrankungen dahinter, wie Magenkrebs oder gar ein Herz- infarkt.  Alles, was Sie wissen müssen, wenn der Magen wieder einmal rebelliert …


Foto: © iStock - AaronAmat

 

Ob brennend, stechend, bohrend, dumpf, krampf- oder wellenartig, auf- oder absteigend, einhergehend mit Übelkeit oder dem berühmt-berüchtigten flauen Gefühl in der Magengegend – es gibt so gut wie keinen Menschen, der im Laufe seines Lebens von Magenschmerzen verschont bleibt, sagt der Wiener Gastroenterologe Dr. Marcus Franz. „Magenschmerzen zeigen sich nicht nur vielgestaltig, sondern betreffen jeden Menschen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Kurz: Magenschmerzen kennt jeder.“ In den letzten Jahren suchten immer mehr Patienten seine Praxis wegen Magenschmerzen auf, berichtet Franz. Der Experte führt dies auf die schnelllebige, stressige und reizüberflutete Zeit zurück, in der wir leben. „Die Fälle von Magenschmerzen nahmen parallel zu Diagnosen wie Burn-out, Depression oder allgemeinen Überlastungszuständen zu. Am Volksmund, dass einem etwas auf den Magen schlägt oder einem etwas im Magen liegt, ist schon sehr viel Wahres dran.“

 

Ernährungsfehler 

In den meisten Fällen sind Magenschmerzen harmlos, beruhigt Franz. Wenn es im Oberbauch zwickt und zwackt, stecken nicht selten Ernährungsfehler dahinter. „Sowohl zu viel als auch zu wenig essen kann Magenschmerzen auslösen“, warnt der Gastroenterologe, „aber auch, wenn unregelmäßig oder zu schnell gegessen, zu wenig gekaut oder zu kalt beziehungsweise heiß getrunken wird, rebelliert der Magen.“ Ein Zuviel an Süßigkeiten, Kaffee, Alkohol oder Nikotin sollte ebenso wenig unterschätzt werden. Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien können sich prinzipiell zwar auch auf den Magen schlagen, „verursachen aber eher Darmprobleme wie zum Beispiel Blähungen oder Durchfälle“, so Franz.  Auch bestimmte Medikamente wie allen voran die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können Schmerzen im Magen auslösen, denn „NSAR bewirken, dass weniger schützender Magenschleim gebildet wird.“ 

 

Stress als Auslöser 

Ein weiterer bekannter – aber nicht immer ernst genommener – Auslöser von Magenschmerzen ist Stress, zu dem beispielsweise chronischer Kummer, Stress am Arbeitsplatz oder Streit mit dem Partner gehören können. Seelische Ursachen können sogar Begleitsymptome wie Sodbrennen, Übelkeit oder gar Magengeschwüre hervorrufen. „Psychischer Stress wandelt sich um in Schmerzen!“, bringt es Franz auf den Punkt. Zu erklären ist dies mit dem sogenannten Bauchhirn – denn ja, das gibt es wirklich, betont der Experte. Man könne zwischen Kopfhirn und Bauchhirn, quasi unser ‚Gehirn in der Mitte unseres Körpers’, unterscheiden. „Unter dem Bauchhirn versteht man das Zusammenspiel der Darmbakterien und der Magen- und Darmnerven, also zwischen Solarplexus, Nervus vagus und dem gesamten Mikrobiom, also die Gesamtheit unserer Bakterien im Darm.“ Die genetische Information des Mikrobioms ist zehnmal so groß wie jene des Großhirns, erklärt Franz. „Es kommt zum ständigen Austausch zwischen Kopf- und Bauchhirn, die sich gegenseitig beeinflussen. Muss das Großhirn mit psychischem Stress fertig werden, bezieht es aufgrund der Bauch-Hirn-Achse Magen und Darm mit ein, weshalb es daraufhin in diesem Bereich zu Beschwerden kommen kann.“

 

Es kann auch das Herz sein

Neben Stress und Ernährungsfehlern zählt das Magenbakterium Helicobacter Pylori zu den häufigsten Ursachen von Magenschmerzen, klärt der Gastroenterologe auf. Dieses Bakterium ist nicht von Grund auf gefährlich, viele Menschen tragen es sogar in sich, ohne es zu wissen. Trotzdem darf es nicht unterschätzt werden: „Wird es nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu einer chronischen Gastritis sowie zu Geschwüren im Magen oder im Zwölffingerdarm kommen.“ Ja, auch Magentumore seien bei Schmerzen nicht vollständig auszuschließen. Dazu Franz: „Auch wenn Magenkrebs immer noch zu den häufigsten Krebsarten hierzulande gehört, ist er seit einigen Jahren rückläufig.“ Was viele nicht wissen: Selbst das Herz kann für Magenschmerzen verantwortlich sein! „Herzerkrankungen wie eine Angina Pectoris oder ein Herzinfarkt, genauer: ein Hinterwandinfarkt, können bis in den Magen ausstrahlen“, warnt Franz. „Heißt: Ein akuter, nicht erklärbarer Magenschmerz, der vielleicht sogar mit Übelkeit, Erbrechen oder einem Beklemmungsgefühl im Bauch einhergeht, kann ein Begleitsymptom eines Herzinfarkts sein.“ Auch mögliche Erkrankungen anderer Organe, die sich in unmittelbarer Nähe des Darms befinden, wie vor allem Leber oder Bauchspeicheldrüse, sollten bei Magenbeschwerden mitbedacht werden. 

 

Wann zum Arzt? 

Für den Betroffenen selbst ist es nicht immer leicht zu unterscheiden, worauf die Schmerzen genau zurückzuführen sind. Wann also zum Arzt? „Prinzipiell gilt: Wie lange dauern die Magenschmerzen bereits an und wie heftig sind sie?“, so Franz. „Wenn die Beschwerden länger als vier Wochen bestehen, sollte man sie abklären lassen. Bei heftigen Koliken sollte man allerdings nicht zögern und unverzüglich einen Arzt aufsuchen.“ Auch bei plötzlicher ungewollter Gewichtsabnahme, Schmerzen beim Essen bestimmter Speisen, Blut im Stuhl oder wenn bei oder nach physischer Anstrengung Schmerzen im Oberbauch auftreten, ist ein Arztbesuch erforderlich. Die Diagnose erfolgt durch ein vorsichtiges Abtasten des Bauches, gegebenenfalls wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. „Ein EKG sollte zur Absicherung, ob ein Herzinfarkt vorliegt, zum Standarddiagnoseverfahren gehören“, betont Franz. Ist die Ursache immer noch nicht gerklärt, ist eine Magenspiegelung notwendig. Kein Grund zur Panik, beruhigt der Arzt: „Eine vollkommen harmlose Untersuchung, die meist mittels Kurznarkose durchgeführt wird. Die Gastroskopie gehört mittlerweile zu den sichersten und bestverträglichen Untersuchungsmethoden in der gesamten Medizin.“ 

 

DieBehandlung

Der erste Schritt in der Behandlung ist eine symptomatische, sprich: dem Patienten werden krampflösende Schmerzmittel (keine NSAR!) verabreicht. In Fällen einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), einer Reflux-krankheit oder eines Magengeschwürs wird mit säurebindenden Medikamenten, meist aber mit Protonenpumpenhemmern behandelt: Diese hemmen die Bildung der aggressiven Magensäure, fungieren also gewissermaßen als Magenschutz. „Trotzdem bitte nicht länger als notwendig – meist einige Wochen – nehmen, da die Magensäure auch eine schützende Wirkung hat und nicht auf Dauer unterdrückt werden sollte.“ Franz empfiehlt auch diverse Natur- und Hausmittel, wenn der Magen schmerzt: „Die Wirkung von Fencheltee, Pfefferminztee, Kümmel oder spezielle Pflanzenmischungen in Form von Tropfen ist seit Jahrtausenden belegt. Bitte unbedingt in die Behandlung miteinbeziehen!“ Kamille ist zu Recht umstritten, bestätigt der Arzt: „Kamille kann helfen, löst aber mitunter auch Sodbrennen aus. Bei Magenschmerzen lässt man also besser die Finger davon.“ Selten muss ein Geschwür operativ behandelt werden. 

 

Magen-Diät gibt es nicht  

Während der akuten Schmerzphase sollte man Schonkost zu sich nehmen, danach gilt: Auf jene Speisen verzichten, die man nicht verträgt. „Eine spezielle Diät bei Magengeschwüren ist nicht mehr State of the Art!“, betont Franz. Übrigens: „Sogar Chili kann aufgrund der Substanz Capsaicin schmerzlösend auf den Magen wirken!“ Wichtiger sei aber, langsam zu essen und jeden Bissen 20- bis 25-mal zu kauen, rät Franz. Auch Entspannungsübungen können helfen, Magenschmerzen schneller beziehungsweise auf Dauer in den Griff zu bekommen. 

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