Sonntag, 19. November 2017

Männer, achtet auf euch!

Ausgabe 2017.11
Seite 1 von 3

Darmkrebs, Prostatitis, Bauchfett, Depressionen: Männergesundheit ist ein Thema, das keinesfalls auf Sexualstörungen reduziert werden darf. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie das „starke Geschlecht“ auch stark in Gesundheitsfragen sein kann.


Foto: iStock - alessandroguerriero

Wenn Sie sich das nächste Mal im Wartezimmer Ihres Arztes befinden, haben wir eine kleine Aufgabe für Sie: Lassen Sie doch mal den Blick durch den Raum schweifen. Fällt Ihnen etwas auf? Der Großteil der wartenden Patienten, das trauen wir uns zu behaupten, ist weiblich. Denn obwohl in den vergangenen Jahren die Anzahl der gesundheitsbewussten Männer stetig im Steigen ist, ist Gesundheit nach wie vor ein Thema, das stark weiblich besetzt ist. Das bestätigt auch der Wiener Allgemeinmediziner Karl Heinz Pichler, dessen Gruppenpraxis sich vor allem an Männer richtet: „Das Klischee des männlichen Gesundheitsmuffels stimmt: Männer gehen weitaus seltener zum Arzt und nehmen auch Vorsorgeuntersuchungen weniger ernst als Frauen.“

Krank machende Rollenbilder. Dass Männer ihre Gesundheit vernachlässigen, liegt zu einem großen Teil in den jahrhundertealten gesellschaftlichen Geschlechterrollenbildern verankert. Denn Männer tun alles dafür, um ihrem Ruf als „starkes Geschlecht“ gerecht zu werden. „Lange Zeit galt der Mann, immerhin der ‚mutige Krieger’, als verweichlicht, wenn er sich ärztlichen Rat holte“, so Pichler. „Ein Arztbesuch kam einer mentalen Kastration gleich.“ Klar, in Zeiten der Aufklärung wird eine ärztliche Abklärung nicht mehr als Zeichen der Schwäche angesehen. Trotzdem, betont Pichler, „macht sich ein Großteil der Männer seine Beschwerden zumindest in den Anfangsstadien nach wie vor mit sich selbst aus, ganz nach dem Motto: ‚Wird schon weggehen.’“ Kritischer Nachsatz des Experten: „Dadurch werden viele Krankheiten erst spät entdeckt, was negative Auswirkungen auf die Prognose und Behandlung hat.“ Man hat es hier ein bisschen mit dem Huhn-Ei-Problem zu tun: Weil Männer sich weniger mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen, lassen sie sich seltener in Arztpraxen blicken – und umgekehrt. Die Folge: Ein weniger ausgeprägtes Körperbewusstsein, als es bei den Frauen zu finden ist, was sich wiederum in einer ungesunden Lebensweise niederschlägt. Dazu Pichler: „Männer ernähren sich tatsächlich ungesünder als Frauen, trinken mehr Alkohol und rauchen im Vergleich mehr.“ Nicht überraschend also, dass das Suchtrisiko, besonders was Alkohol betrifft, bei Männern signifikant höher ist. Auch das hat mit unserem differenzierten gesellschaftlichen Umgang mit den Geschlechtern zu tun: „Frauen, die Alkohol verweigern, werden in geselliger Runde eher akzeptiert als Männer. Anders ausgedrückt: Mit Frauen geht man ‚auf an Kaffee’, mit Männern ‚auf a Bier’.“

Männer sterben früher. Laut einer groß angelegten Studie, die Anfang dieses Jahres in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde und Daten aus 35 Industriestaaten umfasst, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung des österreichischen Mannes 81,40 Jahre und jene der Frau 86,22 Jahre. Nicht nur die zuvor erwähnte ungesunde Ernährung sowie der Alkohol- und Tabakkonsum rauben den Männern durchschnittlich fünf Lebensjahre, sondern auch der eigene Hormonhaushalt, erklärt Pichler: „Aufgrund des Testosterons neigen Männer eher zu risikoreichem Verhalten, was nicht selten zu schweren Unfällen führt.“ Streng genommen ist die niedrigere männliche Lebenserwartung aber bereits im Mutterleib festgeschrieben, betonen zahlreiche medizinische Experten: Da das Y-Chromosom schwächer ausgebildet ist als das X-Chromosom, ist der männliche Organismus per se fehler- und somit krankheitsanfälliger als sein weibliches Pendant.

GESÜNDER LEBEN blickt auf den folgenden Seiten auf die häufigsten Männerkrankheiten. Denn Gesundheit ist (auch) Männersache!

Der Mann und Adipositas
Laut Daten der MedUni Wien aus dem Jahr 2015 sind 15,6 Prozent der Männer und 13,2 Prozent der Frauen adipös, also stark übergewichtig. Studien beweisen zudem, dass Männer häufiger zu Fast Food und Fertigprodukten greifen als Frauen. „Männer glauben, sie sind robuster als Frauen, was die Ernährung betrifft“, gibt der Wiener Allgemeinmediziner Dr. Horst Schalk, der zusammen mit Pichler die Arztpraxis führt, Einblick in die männliche (Ernährungs-)Seele. Während Frauen zusätzliches Fett eher im Gesäßbereich ansetzen („Birnenform“), nehmen Männer vor allem an Bauchfett zu. Diese „Apfelform“ ist besonders gefährlich, erklärt Schalk: „Die Fettakkumulation im Bauchraum führt zu einer vermehrten Arteriosklerose (Arterienverkalkung), wodurch die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung enorm steigt.“ Auch die Verfettung der Leber sowie allen voran Diabetes sind häufige Folgeerscheinungen von Adipositas: Stark übergewichtige Männer haben ein drei- bis vierfach höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken, als Männer mit Normalgewicht. Übrigens kommt das berühmt-berüchtigte „Kind im Manne“ auch bei der Ernährung zum Tragen: Studien zufolge greifen Männer verstärkt dann zu vitaminreichen Lebensmitteln, wenn diese möglichst farbenprächtig am Teller serviert werden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Männer, achtet auf euch!
Seite 2 Herz-Kreislauf-System
Seite 3 Cluster-Kopfschmerz

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