Samstag, 23. Februar 2019

Mach dich locker!

Ausgabe 2017.05

Schulterschmerzen sind weitverbreitet und schränken die Lebensqualität ein. Zu den Hauptrisiko­faktoren zählen Überanstrengungen, aber auch Über- und Fehlbelastungen. gesünder leben zeigt, wie Sie Beschwerden lindern und Ihren Alltag wieder auf die leichte Schulter nehmen können.


Foto: © Can Stock Photo - robnroll

Einseitige Belastungen, stundenlange falsche Sitzhaltungen und Bewegungsarmut haben ihren Preis: Muskuläre Dysbalancen sind mittlerweile ein häufiges orthopädisches Problem, vor dem weder Jung noch Alt gefeit sind. Zum Volksleiden Nummer 1 – dem Rückenschmerz – gesellen sich immer häufiger die oft sehr unangenehmen Schulterbeschwerden hinzu. „Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Daher ist es auch besonders anfällig für Überlastungssyndrome und Verletzungen“, betont Primaria Dr. Angelika Karner-Nechvile, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation in Wiener Neustadt. Schulterschmerzen können allerdings vielfältige Ursachen haben. Daher muss bei der Anamnese unterschieden werden: Handelt es sich beispielsweise um einen Überlastungsschmerz als Reaktion auf eine sportliche Aktivität oder steckt ein spezifisches Krankheitsbild dahinter? Sind es akute oder bereits chronische Schmerzen? „Sehr häufig sind Schulterschmerzen eine Folge von Überbeanspruchung. Sie wird oft durch ,Überkopf‘-Sportarten wie Hand-, Volley- oder Baseball sowie Tennis, Golf und Schwimmen ausgelöst. Aber auch ungewohnte Garten-, Maler- oder Tapeziererarbeiten können zu akuten Schulterbeschwerden führen“, so Karner-Nechvile. „Durch die ständige Überkopf-Aktivität können sich mikroskopisch kleine Risse in den Weichteilen bilden und Reizzustände in Schleimbeutel, Sehnen und Bändern auslösen.“ Die Folge: Schwellungen oder sogar Kalkablagerungen an jener Stelle, an der die sogenannte Rotatorenmanschette ansetzt. Das sind jene Muskeln und Sehnen, die für die Gelenksstabilisierung und Drehbewegung des Arms zuständig sind. Die Schulter wird extrem bewegungs- und druckempfindlich. Im schlimmsten Fall kann dadurch die Schulter versteifen und somit eine sogenannte „frozen shoulder“ entstehen.

Die Balance wiederfinden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, können Menschen, die immer wieder einmal zu leichten Schulterbeschwerden neigen, aktiv entgegenwirken. „Wer den Schulterbereich beruflich, sportlich, aber auch im Haushalt stark beansprucht, sollte öfter Pausen einlegen und das Gelenk entlasten. Außerdem ist es ratsam, einerseits physikalische Therapiemaßnahmen, von Ultraschall bis zur Elektrotherapie, in Anspruch zu nehmen und andererseits einen Physiotherapeuten aufzusuchen, um sich Anleitungen für gezielte Ausgleichsübungen zu holen“, empfiehlt Karner-Nechvile. Diese Übungen sollen die Muskulatur stärken, das Schulterblatt stabilisieren, aber auch die Haltung verbessern. Wichtig ist, dass sie regelmäßig durchgeführt werden. Jedoch, keine Sorge: Man muss dafür nicht endlos viel Zeit einplanen. Es reichen schon 10 bis 15 Minuten – die aber täglich –, um einen entsprechenden Mehrwert zu erzielen. „Eine adäquate Haltungskontrolle sowie das muskuläre Gleichgewicht im Schultergürtel sind die Grundvoraussetzungen für eine gesunde Schulter“, weiß die Fachärztin aus Wiener Neustadt. Zudem wirken diese Übungen auch Stress entgegen, der Schulterschmerzen nachweislich verstärken kann. Übrigens: Leichter Freizeitsport wie beispielsweise Spazierengehen oder Wandern ist auch in akuten Schmerzphasen erlaubt und wirkt sich sogar positiv aus.

Wie kann man vorbeugen? Kälte und Zugluft können sich ungünstig auf das Schultergelenk auswirken und sogar Auslöser für akute Beschwerden sein. Regelmäßige Saunagänge sind nur bei chronischen Schmerzen empfehlenswert. Beim Schlafen sollte man außerdem darauf achten, dass der Arm nicht ständig in maximaler Streckhaltung – wie bei Bauchschläfern häufig – gehalten wird, da dabei die Weichteile ähnlich unter Stress kommen wie bei Überkopf-Arbeiten. „Ratsam ist auch ein ergonomischer Arbeitsplatz. Lassen Sie sich eventuell von einem Arbeitsmediziner oder Ergotherapeuten beraten“, so Karner-Nechvile. Der optimale Bürosessel ist höhenverstellbar, beweglich und weist Rollen sowie Arm- und Nackenstützen auf. Wichtig ist auch die richtige Bildschirmhöhe. Sie ist dann ideal eingestellt, wenn sich die erste Textzeile – nicht die Menü-leiste! – ca. 30° unter der Augenhorizontalen befindet. Ähnlich dem Neigungsgrad, in dem man ein Buch hält, sollte auch die Bildschirmfläche leicht geneigt sein. Zu hoch eingestellte Bildschirme sorgen für muskuläre Verspannungen oder sogar Halswirbelsäulenprobleme, die aus der Überstreckung und dem Nach-vorne-Schieben des Kopfes resultieren. Häufig genutzte Arbeitsmittel wie Telefon oder PC-Maus sollten körpernah angeordnet sein: So schont man auch seine Schulter. Und: Das Einklemmen des Telefonhörers zwischen Ohr und Schulter kann dauerhaft zu extrem schädliche Belastungen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich führen. Muss während eines Telefonats gleichzeitig getippt werden, sind Headsets zu empfehlen.

Wann zum Arzt? Können Schulterschmerzen durch Prävention nicht verhindert und durch physikalische Therapiemaßnahmen sowie Hausmittel nicht rasch verbessert werden, empfiehlt es sich, einen Facharzt aufzusuchen. Der erste Schritt sollte immer eine ausführliche klinische Untersuchung sein, dann reichen meist Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen aus, um eine Diagnose stellen zu können. Zur Abklärung von Weichteilverletzungen wird eventuell eine Magnetresonanztomografie veranlasst. „Liegt ein bestimmtes Krankheitsbild wie beispielsweise eine Kalkschulter vor, können mit einer Stoßwellentherapie gute Erfolge erzielt werden. Andere Krankheitsbilder werden ebenfalls spezifisch behandelt. Bei leichten Schmerzen werden auch kortisonfreie Antirheumatika verschrieben; reichen diese nicht aus, werden gezielte, teilweise auch kortisonhältige Injektionen angeboten“, erklärt Karner-Nechvile. „Chirurgische Eingriffe kommen dann zum Einsatz, wenn die konservativen Therapiemaßnahmen versagen. Über die Notwendigkeit entscheidet der Facharzt.“

Gesunde Schulter – so geht’s!

Bei leichten Schulterbeschwerden empfiehlt Primaria Dr. Angelika Karner-Nechvile folgende zwei Ausgleichsübungen:

Übung 1
Verbesserung der
Haltungskontrolle
• Richten Sie sich gerade auf (kein Rundrücken!).
• Führen Sie die Schulterblätter stark nach unten und zur Mitte.
• Lassen Sie dabei gleichzeitig die Arme locker hinunterhängen. So hat die Schulter biomechanisch die ideale Position.

 

Übung 2
Schultergelenksent­lastung bei akuten und chronischen Schmerzen
• Beugen Sie aus dem Stand den Oberkörper nach vorne.
• Lassen Sie die Arme locker hinunter- baumeln.
• Pendeln Sie nun die Arme leicht hin und her und spüren Sie den leichten Zug auf den Schultern.

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