Liebe dein Herz

Ausgabe 2016.05

Der Muskel in unserer Brust leistet Tag für Tag Unglaubliches. GESUNDER LEBEN zeigt, wie Ihr   wichtigstes Organ bis ins hohe Alter gesund und schlagkräftig bleibt.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - zagart243

Das Herz ist das beste Beispiel für Präzision und Kraft: Pro Minute pumpt es fünf Liter Blut durch unseren Körper – und das durch 2.500 Kilometer an Arterien, Venen und Kapillaren.
Das entspricht der Strecke von Paris nach Moskau! Damit transportiert das Herz Sauerstoff, Nährstoffe und Botenstoffe in alle Körperzellen.

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Auch für die Immunabwehr, die Heilung von Wunden und die Regulation der Körpertemperatur muss das Blut ständig durch den Körper zirkulieren. „Zusätzlich ist das Herz ein Leben lang ständigen Einflüssen ausgesetzt, an die es sich anpassen muss. Es braucht daher genauso wie ein Hochleistungsmotor eine regelmäßige Wartung in Form von konsequenter Vorsorge“, betont die Wiener Kardiologin Primaria Andrea Podczeck-Schweighofer.  

Der Himmel kann warten. Der Herzinfarkt ist noch vor den Krebserkrankungen die Todesursache Nummer 1 in Österreich: Er fordert jährlich mehr als 33.000 Opfer, alarmierende Zahlen, aber es gibt auch gute Nachrichten. Denn: „Jeder kann so weit vorsorgen, dass es gar nicht so weit kommt. Sie können Ihrem Herz viel Gutes tun, Tag für Tag, mit einfachen Mitteln“, erklärt die Expertin. Vorsorge ist auch in diesem Fall die beste Lebensversicherung. Und: Sie können sogar gleich damit anfangen. Zum Beispiel mit gründlicher Mundhygiene, bewusster Ernährung, einem flotten Spaziergang und ausreichend Nachtruhe.

Akkordarbeit

Ihr Herz schlägt 100.000 Mal pro Tag

Unser Herz beginnt bereits ab der vierten Schwangerchaftswoche der Mutter zu schlagen – und zwar sehr rasch. Bei einem erwachsenen Menschen schlägt es rund 70 Mal pro Minute, 100.000 Mal am Tag. Es pumpt dabei rund fünf Liter Blut pro Minute durch unseren Körper, wodurch die Organe – vor allem das Gehirn – mit Sauerstoff versorgt werden.

Der Weg des Blutes durch das Herz

In der nebenstehenden Grafik sehen Sie, wie das Blut durch das Herz fließt.
Blut, das zum Herzen fließt, wird als venöses, jenes, das vom Herzen wegfließt, als arterielles bezeichnet.
Im Körperkreislauf ist das arterielle Blut reich an Sauerstoff, das venöse mit Kohlendioxid angereichert.
Im Lungenkreislauf ist es genau umgekehrt.
Das Herz besteht aus zwei Hälften, die durch die Herzscheidewand (Septum) getrennt sind. Beide Hälften bestehen jeweils aus dem Vorhof (Atrium) und der Herzkammer (Ventrikel), die über zwei Herzklappen verbunden sind.
Übrigens: Für den Gasaustausch im Körpergewebe sorgen rund 40 Milliarden Gefäße, die Kapillaren. Alle vier Monate wird unser Blut komplett ersetzt – das Knochenmark produziert jede Sekunde zwei Millionen neue rote Blutkörperchen.


 

Das Herz vor Angriffen schützen. Auch wenn sie auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben: Entzündungen im Mund-, Zahn- undKieferbereich können als Folge auch das Herz schädigen, weil gefährliche Bakterien über das wunde Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen. Menschen mit Parodontitis haben daher ein höheres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Podczeck-Schweighofer: „Sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche nützen daher nicht nur dem Gebiss.“ Forscher haben zudem entdeckt, dass auch Infektionen wie Mandelentzündungen oder Angina als Spätfolge lebensbedrohliche Herzerkrankungen auslösen können, wenn sie nicht angemessen behandelt werden. Doch nicht nur Bakterien, auch Viren können sich aufs Herz schlagen. Der Hintergrund: Grippale Infekte und auch die echte Grippe (Influenza) werden oft nicht richtig auskuriert, Sportler trainieren oft aus falschem Ehrgeiz weiter. Die bekannteste Folge davon ist der Sekundentod. Daher gilt: „Bei fieberhaften Infekten besteht immer absolutes Sportverbot.“ Tückisch: Die Viren verursachen häufig keine eindeutigen Beschwerden. Daher sollte man unklare Fieberschübe unbedingt vom Arzt abklären lassen. Eine schwere virale Herzmuskelentzündung kann schließlich auch zu einer chronischen Herzschwäche führen.

Männer- und frauenherzen

Wie Sie einem drohenden Herzinfarkt vorbeugen

Frisch verliebt nimmt man es gerne wahr. Dieses Gefühl, als ob das Herz bis zum Hals schlägt. Das leichte Druckgefühl ab und zu wird schon nichts Ernstes sein. Und einen Infarkt bekommen sowieso nur gestresste Manager über 40.
Die Wahrheit ist: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auch bei Frauen die Todesursache Nummer 1. Auch wenn Frauen gegenüber Männern einen großen Vorteil haben: Bis zu den Wechseljahren sind sie weitgehend durch die weiblichen Hormone, die Östrogene, vor Herzerkrankungen geschützt. Deshalb liegt der weibliche Altersgipfel bei Herzinfarkten bei 55 Jahren. Männer müssen schon ab 30 mit diesem Ereignis rechnen.

Aber auch die weiblichen Hormone sind keine unbesiegbare Leibgarde. Immer mehr Raucherinnen sind bereits in jungen Jahren betroffen: Zufallsdiagnose Herzinfarkt. Die Einnahme der Pille und erhöhte Cholesterinwerte im Blut steigern zusätzlich das Risiko. Dazu kommt, dass der Herzinfarkt bei Frauen nach wie vor in vielen Fällen rein zufällig diagnostiziert wird – auch deshalb, weil sich ein Herzinfarkt bei Frauen viel unscheinbarer äußern kann.

Während Männer oft über Schmerzen in den Armen klagen, in Schweiß ausbrechen und Todesangst empfinden, zeigt sich ein Herzinfarkt bei Frauen häufig mit allgemeinen Symptomen wie Bauch- oder Rückenschmerzen, Unwohlsein, Schwächegefühl, Atemnot oder Schwindelanfällen.

Bis zu den Wechseljahren sind Frauen durch die Östrogene weitgehend vor Herzerkrankungen geschützt.

Genügend Schlaf und gute Fette machen stark. Schlafmangel ist eine weitere Sünde, die unser Herz auf Dauer nicht verzeiht: Wer täglich nur fünf Stunden schläft, erhöht sein Sterberisiko langfristig um 70 Prozent. Optimal für ein langes Leben sind laut Studien übrigens sieben Stunden Nachtruhe. „Auch Lärm, Luftschadstoffe und vor allem ungesunde Ernährung können dem Herzen zusetzen“, so die Herzspezialistin. Die gute Nachricht: Viele Fette in unserer Nahrung sind weit besser als ihr Ruf. Früher wurde häufig dazu geraten, Fette generell zu vermeiden. Heute weiß man hingegen, dass vor allem Pflanzenöle wie das Olivenöl wichtige Vitaminlieferanten sind und auch noch mit anderen wichtigen Inhaltsstoffen punkten, die den Cholesterinspiegel und die Herzgesundheit positiv beeinflussen. Die sogenannten Transfette haben hingegen keinerlei positiven Effekte auf die Gesundheit – ganz im Gegenteil. Sie entstehen bei der industriellen Teilhärtung von Pflanzenölen und stecken vor allem in frittierten Gerichten und kommerziell hergestellten Backwaren wie Croissants oder Chips. Diese Industriefette sind die wahren Übeltäter: Sie fördern das „schlechte“ LDL-Cholesterin, Entzündungen und Insulinresistenz, die zu Diabetes führt. Die logische Schlussfolgerung daraus: Mit einer abwechslungsreichen, möglichst naturbelassenen Ernährung und einem bewussten Lebensstil beugt man nicht nur Übergewicht und Diabetes vor, man stärkt auch gleichzeitig sein Herz.

Broken-Heart-Syndrom

Gefahr durch Liebeskummer

Stress und Kummer können sich spürbar aufs Herz schlagen: Es krampft sich zusammen, die Brust schmerzt. Ursache ist aber keine verstopfte Ader wie beim Herzinfarkt, sondern eine stressbedingte Verengung der Herzkranzgefäße. Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom kommt mit ähnlichen Symptomen daher wie ein Herzinfarkt – ist aber weniger gefährlich. „Betroffen sind Menschen, die abrupt existenziell in Not sind, etwa weil plötzlich die ganze Lebensgrundlage entzogen ist“, sagt Jürgen Pache, Chefarzt der Kardiologie an der deutschen Schön Klinik Starnberger See. Zunächst wurde das Gebrochene-Herz-Syndrom vor allem bei älteren Frauen festgestellt, die ihren Mann verloren hatten. Mediziner in Japan beschrieben das Phänomen als erste, inzwischen wurden in einem internationalen Register 1.700 Fälle gesammelt, um das eher seltene Phänomen besser zu verstehen. Das Broken-Heart-Syndrom kann auch nach körperlicher Belastung oder im Zusammenhang mit sehr starken körperlichen Schmerzen auftreten. Mit etwa zwei bis drei Prozent ist die Sterblichkeit beim Broken-Heart-Syndrom gering. Dennoch handelt es sich dabei um einen Notfall: Bei Symptomen wie Enge in der Brust, Atemnot und Herzrasen immer sofort die Rettung verständigen!

Bei Symptomen wie Enge in der Brust, Atemnot und Herzrasen immer sofort die Rettung verständigen!


 

Die 5 größten Feinde für das Herz

Herz-Kreislauf-Leiden sind die häufigste Todesursache weltweit. Wie bei kaum einer anderen Erkrankung entscheidet der Lebensstil maßgeblich über das Erkrankungsrisiko.

1 Hauptfeind Bewegungsmangel
Wer zu wenig körperlich aktiv ist, setzt seine Gesundheit langfristig aufs Spiel. Er gefährdet so auch sein Herz. Es verliert seine Funktionskraft und wird schwach. Das beste Gegenmittel: mindestens 30 Minuten lang Bewegung, und das am besten vier- bis fünfmal pro Woche. Leistungssport ist nicht notwendig, flottes Spazierengehen reicht bereits. Die Aktivierung des vegetativen Nervensystems senkt den Blutdruck, das Herz arbeitet ökonomischer, die Blutgefäße werden fitter.

2 Zigarettenrauch schadet auch Nichtrauchern
Raucher inhalieren bekannterweise eine ganze Reihe von Giftstoffen, die nicht nur Krebs auslösen können, sondern auch den Gefäßen und damit dem Herz schaden. Sogar Passivrauchen stellt ein hohes Risiko dar. Es gibt keinen unteren Grenzwert, ab dem man sagen könnte, dass Passivrauchen ungefährlich ist. Wie sehr Herzinfarkt und Rauchen zusammenhängen, beweist die Statistik: In Ländern mit strengen Rauchverboten sinkt die Zahl der Herzinfarkte merklich ab.

3 Bauchspeck ist mehr als ein Schönheitsfehler
Es sind insbesondere die Fettansammlungen im Bauchraum, die dem Herz gefährlich werden können. Äußerlich meist gut sichtbar als Speckring um Taille und obere Hüfte. Die vielen Fettzellen im Bauchraum produzieren Hormone, die Entzündungen begünstigen. Von diesen weiß man, dass sie wiederum Gefäß- und Herzkrankheiten auslösen können. Verteilt sich das Übergewicht hingegen auf den ganzen Körper oder sitzt es vor allem an den Oberschenkeln, ist das Risiko nicht so hoch.

4 Negativer Stress macht herzkrank
Man weiß, dass Stress den Blutdruck erhöht und damit langfristig das Herz gefährdet. Allerdings wird nicht jeder krank, der psychischem Druck ausgesetzt ist. „Es hängt davon ab, wie man sich unter Belastung verhält“, sagt Herzspezialistin Primaria Andrea Podczeck-Schweighofer. Wer sich sehr leicht und oft ärgert und keine Möglichkeit findet, zwischendurch abzuschalten, hat ein besonders hohes Risiko. Wer sich hingegen regelmäßig Zeit für Freunde und Familie nimmt, stärkt neben dem Herz auch seine Psyche.

5 Blutzucker belastet das Kreislaufsystem
Lange Zeit war nicht bekannt, wie gefährlich Diabetes mellitus Typ 2, der fälschlich auch Altersdiabetes genannt wird, für Gefäße und damit auch für das Herz ist. Seit intensiven Forschungen weiß man, dass bereits die Vorstufe das sogenannte metabolische Syndrom Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Das metabolische Syndrom beschreibt die Kombination von Fettleibigkeit, hohem Cholesterinspiegel, Stoffwechselstörungen und Bluthochdruck. In Österreich sind davon rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Machen Sie den Test!
Auf der Webseite des Österreichischen Herzfonds finden Sie gleich auf der Startseite einen Link zu einem einfachen Test, der Aufschluss über Ihr persönliches Herzinfarkt-Risiko gibt. www.herzfonds.at

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