Freitag, 24. Mai 2019

Licht gegen den Winter-Blues

Ausgabe 02/2011
Kurze Tage, lange Nächte – die dunkle Jahreszeit schlägt rund einem Viertel der Österreicher aufs Gemüt. Die Ausprägung des Stimmungstiefs kann sehr unterschiedlich sein. Was hilft, ist Lichttherapie.

Foto: istockphoto.com - YouraPechkin
Noch ist Geduld angesagt. Zwar werden die Tage schon wieder länger, der Frühlingsbeginn rückt verheißungsvoll näher, aber um so richtig Sonne und Licht tanken zu können, bräuchte es nach wie vor mehrere Flugstunden. Was die einen stoisch nehmen, lastet den anderen schwer auf der Seele. Sie fühlen sich müde und antriebslos, kommen am Morgen kaum aus den Federn, haben Heißhunger auf Süßes und üppiges Essen, möchten weder Freunde noch Bekannte treffen, haben Probleme mit der Konzentration und das Gefühl, nicht klar denken zu können. Körperlich und geistig fühlen sie sich alles andere als fit, am liebsten möchten sie bärengleich in Winterschlaf versinken. Wenn Stimmung und Lebensfreude am Nullpunkt sind, kann Lichtmangel die Ursache sein – die Beschwerden, ähnlich einer Depression, reichen von leichteren Stimmungstiefs (Winter- Blues) bis zum schweren Seelendunkel einer sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD).

Was ist die Ursache?
Wissenschafter nehmen an, dass jedoch nicht der Lichtmangel allein, sondern auch eine genetische Veranlagung für die Herbst- und Winterdepression verantwortlich sind. Das erklärt auch, warum nicht jeder Mensch unter den fehlenden Sonnenstunden im Winter leidet. Lichtmangel kann bei prädisponierten Personen dazu führen, dass die innere Uhr aus dem Takt kommt. Eine wichtige Rolle beim Schlaf-Wach-Rhythmus spielen die Botenstoffe Melatonin und Serotonin. Das „Schlafhormon“ Melatonin wird vor allem in der Nacht gebildet und sorgt für Müdigkeit. Bleibt es zu lange dunkel, wird zu viel Melatonin gebildet, und es kann sich eine Winterdepression einstellen. Aber auch der Botenstoff Serotonin, der für Antrieb sorgt, wird im Winter zu wenig gebildet, denn seine Produktion läuft vor allem tagsüber auf Hochtouren.

Ein Unterschied zu anderen Formen der Depression besteht daher nicht nur in der Abhängigkeit von der dunklen Jahreszeit, sondern auch darin, dass das Gefühl der Energielosigkeit stärker in den Vordergrund tritt als die depressive Verstimmung. Betroffene sind permanent müde und unausgeschlafen, obwohl sie viel mehr als sonst schlafen. Hinzu kommt oft ein Heißhunger auf Kohlehydrate – auf schnell verfügbare Energie.

Wie wirkt die Lichttherapie?
Dass man die „Lichtmangel-Krankheit“ mit Licht sehr gut behandeln kann, wurde erst in den achtziger Jahren erforscht. Ein Vorreiter in Sachen Lichttherapie in Österreich war Prof. Dr. Siegfried Kasper. Der Wiener Psychiater befasst sich seit vielen Jahren mit dem Einfluss des Lichts auf die Psyche des Menschen. An der Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychiatrie am AKH werden an der Spezialambulanz für Herbst-Winter-Depression (GAD-Ambulanz) Betroffene sehr erfolgreich behandelt. Bei achtzig Prozent der Patienten kommt es durch die Lichttherapie mit speziellen Lampen zu einer raschen Verbesserung der depressiven Verstimmung binnen weniger Tage.

Wann braucht es einen Arzt?
Während bis vor wenigen Jahren nur Kliniken und Spezial-Ambulanzen mit Lichttherapiegeräten ausgestattet waren, ist es heute möglich, die Lichtboxen zu erschwinglichen Preisen auch für zu Hause zu erwerben. Am falschen Platz sparen sollten Sie dennoch nicht, auch gilt es einiges zu berücksichtigen, wenn Sie Ihre Stimmung sicher und effektiv aufhellen wollen. „Vor allem sollte jeder, der unter einer länger anhaltenden Depression leidet, zum Arzt gehen“, rät Spezialist Kasper. Nur so kann festgestellt werden, ob die Lichttherapie für Sie auch wirklich der richtige Weg aus dem Stimmungstief ist. Ihr Pluspunkt: An auf Lichttherapie spezialisierten Behandlungszentren haben Sie häufig auch die Möglichkeit, zunächst ein Gerät zu leihen, und werden anschließend beim Kauf Ihrer Lichtbox für die Therapie zu Hause kompetent beraten.

Wenn Sie unter Lichtmangel leiden, sollten Sie zudem jede Gelegenheit zu Aktivitäten im Freien nützen. Ein Spaziergang an einem sonnigen Wintertag kann das Seelendunkel ebenfalls erhellen. Vor allem Morgenspaziergänge sind eine Wohltat – probieren Sie es aus! Die Therapielampen sind dem Sonnenlicht nachempfunden und haben eine Lichtintensität von 2.500 bis 10.000 Lux. Dies entspricht etwa dem Licht an einem hellen, schönen Frühlingstag. Der antidepressive Effekt wird über das Auge vermittelt. Photorezeptoren der Netzhaut nehmen das Licht auf und leiten es an die Zirbeldrüse im Gehirn weiter. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Serotonin, der inneren Uhr wird so wieder auf die Sprünge geholfen.


Buchtipp:
Lichttherapie. Das Programm gegen Herbstund Winterdepression, Norman E. Rosenthal, Siegfried Kasper, Kneipp Verlag, € 17,95


Was macht eine  gute Lichtlampe aus?
Achten Sie beim Kauf Ihres Lichttherapiegeräts auf folgende Qualitätskriterien:

  • EINGEBAUTER UV-FILTER: Es ist wichtig, dass der ultraviolette Anteil des Lichtes ausgeblendet ist, um eine Schädigung der Augenlinsen zu vermeiden.
  • LICHTINTENSITÄT: Therapielampen sollten eine Lichtstärke von 2.500 bis 10.000 Lux haben. Je höher die Lichtintensität, desto kürzer die Behandlungsdauer.
  • VORSCHALT-GERÄT: Ist dieses vorhanden, kann es den Wechselstrom aus der Steckdose auf eine sehr hohe Frequenz schalten. Kopfschmerzen, die bei einem kleinen Teil der Lichtt herapie-Patienten als Nebenwirkung auftreten, können Sie so mit Sicherheit ausschalten.
  • PREIS: Qualität kostet leider, im Fall von hochwertigen Lichtlampen zwischen 200 und 700 Euro. Es gibt aber bereits viele seriöse Anbieter für Leihgeräte.


Lichttherapie – Anleitung für zu Hause
  • Die Lichttherapie sollte während der Herbst- und Winterzeit täglich durchgeführt werden – eine halbe bis eine Stunde lang.
  • Setzen Sie sich in einem Abstand von 50 bis 70 cm zur Lampe.
  • Selten kommt es durch die Antriebssteigerung zu Einschlafstörungen. Trifft dies auf Sie zu, sollten Sie die Lichttherapie morgens nach dem Aufstehen anwenden.
  • Einige Medikamente wie z.B. Johanniskraut erhöhen die Lichtempfindlichkeit, sie sollten daher nicht mit einer Lichttherapie kombiniert werden. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sprechen Sie am besten vorher mit Ihrem Arzt.
  • Halten Sie die Augen während der Behandlung offen, denn das helle Licht wird über die Photorezeptoren der Netzhaut des Auges aufgenommen. Sie brauchen aber nicht ständig ins Licht zu starren.
  • Bei verschiedenen Augenerkrankungen wie z.B. der Makuladegeneration sollte generell keine Lichttherapie durchgeführt werden. Ziehen Sie im Zweifelsfall Ihren Augenarzt zu Rate!

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