Sonntag, 19. Mai 2019

Lebensqualität trotz Diabetes

Ausgabe 2017.11

Die Entwicklung von kurz und lange wirkenden Insulinen ermöglicht es, die natürlichen Gegebenheiten eines gesunden Menschen gut nachzuahmen. Für insulinabhängige Diabetiker bedeutet dies, nicht mehr an feste Tagesabläufe und Essenszeiten gebunden zu sein. 


Foto: canstockphoto - skyfotostock

Diabetes ist eine Volkskrankheit. Rund 387 Millionen Menschen leiden weltweit an der Stoffwechselerkrankung, in Österreich geht man von zumindest 600.000 Betroffenen aus. Die Dunkelziffer ist jedoch noch höher, denn viele Diabetiker wissen noch gar nicht um ihre Erkrankung. Häufig fällt die Diagnose im Rahmen einer Routineuntersuchung. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Betroffenen bis 2035 um weitere 205 Millionen Menschen weltweit steigen. Während die Krankheit im Vormarsch ist, gilt die Diabetestherapie als eine der großen Erfolgsgeschichten der Medizin.

Insulin von Tieren. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Diagnose Diabetes Typ 1 einem Todesurteil gleich, da das fehlende Insulin dem Körper nicht zugeführt bzw. nicht ergänzt werden konnte. Der Durchbruch in der Behandlung ist einem Forscherteam der Universität Toronto zu verdanken, dem es 1921 erstmals gelang, Insulin aus Bauchspeicheldrüsen von Hunden zu extrahieren. Fünf Monate später wurde der erste Patient behandelt: Dem 13-jährigen Leonard Thompson wurde Insulin, das aus einem Rinderpankreas gewonnen werden konnte, injiziert. „Erstmals konnte die Krankheit behandelt werden, doch das verfügbare Insulin war nur kurz wirksam und musste mehrfach täglich verabreicht waren“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Anton Luger, Leiter der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel im AKH. Ein weiterer großer Nachteil der ersten Insulinextrakte: Sie wiesen aufgrund der verschiedenen Eiweißkörper der tierischen Bauchspeicheldrüsen beträchtliche Verunreinigungen auf. Dieses Problem wurde erst in den Sechzigerjahren gelöst, als die erste chemische Synthese von Rinderinsulin gelang und damit Verunreinigungen
eliminiert werden konnten.

Zeitlich unabhängig. „Ein Meilenstein in der DiabetesTherapie der letzten 25 Jahre ist die Entwicklung sogenannter Insulinanaloga seit den Neunzigerjahren“, so Luger. „Ihren Namen erhielten sie, da sie nur durch kleine Veränderungen beim natürlichen Insulin-Moleküls des menschlichen Körpers entweder sehr rasch und kurz oder verzögert, aber dafür besonders lange wirken. Diese neuen Insuline ermöglichten
es erstmals, die natürlichen Gegebenheiten eines gesunden Menschen sehr gut nachzuahmen“, erklärt der Mediziner. Der Organismus produziert im Regelfall über 24 Stunden eine geringe Menge an Basisinsulin, das notwendig ist, um die Leber, die selber eine große Menge an Kohlenhydraten – und damit Zucker – produziert, in Schach zu halten.

Zusätzlich schüttet die Bauchspeicheldrüse, wenn wir Nahrung zu uns nehmen, eine größere Menge an Insulin aus, um die Kohlenhydrate und Zuckerstoffe aus der Nahrung verarbeiten zu können. „Die Insulinanaloga erlauben nun beides: die gleichmäßige, lang wirkende Insulinfreigabe, die man in den meisten Fällen mit einer Injektion pro Tag verabreichen kann und die für ein gleichmäßigeres Blutzuckerprofil im Tagesverlauf sorgt, sowie die Zufuhr schnell wirksamen Insulins, das kurz vor den Mahlzeiten gespritzt wird und den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen abfangen soll“, so Luger. Die Dosen variieren dabei und werden an die Kohlenhydrat-Menge, die man zu sich nimmt, angepasst.

Neue Freiheit im Alltag. Für Diabetiker, die auf Insulin angewiesen sind – alle Typ-1-Diabetiker und viele Typ-2-
Diabetiker –, bedeutet diese medizinische Errungenschaft eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebenssituation. „Patienten erhielten damit die Kontrolle ihres Tagesablaufs weitestgehend zurück“, so Luger. „Sie können essen, wann sie möchten, da das Insulin nun nicht mehr in einem festen zeitlichen Abstand zur Mahlzeit gespritzt werden muss.“

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