Dienstag, 24. September 2019

Leben im Rhythmus der (eigenen) Natur

Ausgabe 2019.09
Seite 1 von 3

Schichtarbeit, unregelmäßige Lebensführung, zu wenig (und falscher) Schlaf – der moderne Mensch hat verlernt, im Einklang mit der Natur und dem eigenen Biorhythmus zu leben. Doch gerät unsere innere Uhr aus dem Takt, laufen wir Gefahr, krank, unglücklich und dick zu werden. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie wieder mehr zu sich selbst finden.

 

 


Foto: iStock-f9photos

Die Chronobiologie ist jene Wissenschaft, die sich mit dem Zusammenspiel aus dem Leben sowie seinen Prozessen und Zeitabläufen auseinandersetzt. Ganz konkret: Unser Körper weiß von Natur aus ganz genau, was zu welcher Sekunde, Minute und Stunde in welcher Zelle passieren soll, damit der ganze Organismus gesund bleibt. Im Laufe der menschlichen Entwicklung hat sich der Körper vor allem an die äußeren Lichtverhältnisse, hell und dunkel, angepasst und hat sohin seine ganz eigene innere Uhr entwickelt. Deshalb werden wir beispielsweise auf ganz natürliche Weise müde, wenn es draußen finster wird, und wach, wenn die Sonne aufgeht. Doch seit Beginn der genauen Zeitmessung hat der Mensch sukzessive begonnen, nicht mehr auf seine innere Uhr zu achten, sondern sein Leben nach externen Zeitmessern zu richten. Das morgendliche Weckerläuten reißt uns aus dem Schlaf, noch ehe der Morgen graut. Die vorgegebene Mittagspause im Büro zwingt uns zum Essen, selbst wenn wir noch gar nicht hungrig sind. Und künstliche Lichtquellen hemmen unser angeborenes Zeitgefühl. Das Resultat: Der Körper verlernt, im Einklang mit seinem eigenen Rhythmus zu leben, und funktioniert nicht mehr so, wie er eigentlich sollte. „Ich selbst bin zwar kein ausgebildeter Chronomediziner, von denen gibt es weltweit auch nur sehr, sehr wenige. Doch die tägliche Arbeit in meiner Praxis hat mich viel über den Biorhythmus des Menschen gelehrt, vor allem was dessen Wechselspiel der Hormone betrifft. Im Grunde kann man unseren Biorhythmus am einfachsten so beschreiben: Unser gesamtes körperliches System besteht aus Be- und Entlastungsphasen, die sich regelmäßig wiederholen. Während die einen Prozesse forciert stattfinden, finden andere reduziert statt und umgekehrt. So können sich stets Teile unseres Organismus regenerieren. Durchbrechen wir diesen Rhythmus, kommt schnell vieles in ein ungesundes Ungleichgewicht. Vor allem unsere Hormone spielen hier eine wesentliche Rolle, daher erkennt man einen gestörten Biorhythmus auch am besten an einem Hormonbefund“, erklärt der Wiener Mediziner und renommierte Buchautor Dr. Christian Matthai. Und auch er betont, dass der wichtigste Taktgeber unseres Biorythmus der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist.

Die Biologische Uhr prägt unseren Tagesablauf

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Gesunder Schlaf im Zentrum
„Licht ist mit Sicherheit der größte externe Einflussnehmer auf unseren Biorhythmus“, macht Mediziner Matthai deutlich. Je nach Helligkeit und Art der Lichtstrahlen, die unsere Augen wahrnehmen, schüttet der Körper bestimmte Hormone aus – oder eben nicht. Das helle Sonnenlicht besteht beispielsweise aus einem großen Anteil an blauem Licht. Dieses sorgt dafür, dass sich unser Organismus im Wachmodus befindet, Hauptorgane, Gehirn und Stoffwechselprozesse auf Hochtouren laufen und wir leistungsfähig sind. Je später am Tag, desto mehr nimmt der Blauanteil im Tageslicht ab und sorgt dafür, dass im Gehirn die sogenannte Zirbeldrüse aktiv wird. „Diese schüttet das Hormon Melatonin aus, welches uns müde macht und uns auf eine erholsame Ruhezeit in der Nacht vorbereitet“, sagt Christian Matthai. Beginnen schließlich die ersten Sonnenstrahlen zu flirren, wird die Melatoninproduktion wieder eingestellt und der Körper schüttet nun Cortisol aus, ein Stresshormon, das den Motor unseres Organismus in Gang setzt und auf volle Leistung abzielt. Im Laufe des Tages nimmt diese Cortisolmenge jedoch wieder ab, der Körper wird träge und spätestens bei Einbruch der Finsternis müde, da erneut Melatonin produziert wird. Ein konstanter Kreislauf. Unser Biorhythmus.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Leben im Rhythmus der (eigenen) Natur
Seite 2 Moderne Zeit
Seite 3 Schichtarbeit macht auf Dauer krank

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