Sonntag, 17. Februar 2019

Lass die Sonne rein

Ausgabe 2013/04
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Ohne unsere Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde, der Stern trennt Tag und Nacht, er bringt Wärme und Licht. GESÜNDER LEBEN zeigt, was wir der Sonne alles verdanken.


Foto: Can Stock Photo Inc. - yarruta

Zwar kann uns der April noch mit der einen oder anderen Wetterkapriole überraschen, aber jetzt ist endgültig Schluss mit der graukalten, sonnenarmen Zeit. Die Tage werden länger, es wird spürbar wärmer, die ersten Knospen an Bäumen und Sträuchern öffnen sich, Frühlingsblumen recken ihre Köpfe dem Sonnenlicht entgegen, Tiere beenden ihre Winterruhe und wieseln aufgeregt durch die Gegend  – und: Auch in uns Menschen erwachen wieder die Lebensgeister. Es ist Frühling. Endlich.
Wir lieben die Sonne, wir brauchen sie zum Leben. Nach der langen sonnenarmen Zeit ist nicht nur unser Vitamin-D-Speicher so gut wie leer. Auch unser Immunsystem ist am Ende der kalten Zeit müde und läuft nur mehr auf Standby. Unser Stoffwechsel ist träge – wir sind es auch. Warum das so ist, erklärt Dr. Doris Penz-Schneeweiss, Hautärztin in Innsbruck: „Im Spätherbst und Winter reicht die Sonneneinstrahlung in unseren Breiten nicht aus, um die Provitamine in das vor allem für den Knochenaufbau und die Mineralisation der Knochen benötigte aktive Vitamin D umzuwandeln. Bedauerlicherweise gibt es auch in einem Land wie Österreich noch zu viele Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel. Das liegt auch daran, dass viele von uns in der sonnenarmen Zeit zu wenig Nahrungsmittel, die Vitamin D enthalten, zu sich nehmen.“ Wir sollten vor allem fetten Fisch essen, aber auch daumendick Butter aufs Brot schmieren oder Lebertran verzehren … Die meisten von uns warten da dann doch lieber auf den Frühling. Noch dazu weil über die Nahrung im besten Fall nur 10 bis höchstens 20 Prozent des Bedarfs aufgenommen werden können.

Vitamin D – das Sonnenvitamin

Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons, das durch Einwirkung der UV-B-Strahlung in der Haut gebildet wird. In der Leber wird das Prohormon in Calcidiol (D2) umgewandelt und gelangt dann über die Blutbahn in das Körpergewebe. Bei Bedarf wird das D2 in der Niere sowie in anderen Organen, die über ein spezielles Enzym verfügen, in das aktive D3-Hormon Calcitriol umgewandelt. Ein Prozess, der allerdings nur dann funktioniert, wenn große Mengen Calcidiol im Blut vorhanden sind. Die Substanz ist messbar und gibt Aufschluss über den Vitamin-D-Status im Blut. Für eine optimale Vitamin-D-Versorgung reichen laut derzeitigem Stand der Forschung 30 Nanogramm pro Milliliter Blut aus. Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2012 liegen im Schnitt 50 Prozent der Österreicher darunter. Dass vor allem ältere Menschen, die selten in die Sonne kommen, sowie Kinder und Jugendliche davon betroffen sind, ist nicht weiter verwunderlich. Vitamin D gewinnt in der medizinischen Forschung zusehends an Bedeutung, Studien zeigen, dass ein Mangel u. a. die Entstehung verschiedener Krebsarten, von Demenz, Bluthochdruck, aber vor allem von Rachitis (bei Kindern) begünstigt.

Stoffwechselprozesse. Unsere Sonne kann mehr, als „nur“ die Vitamin-D-Produktion anzukurbeln. „Die wichtigste Funktion von Sonnen- und somit Tageslicht ist bestimmt durch unsere Drüsen, die nur im korrekten Zusammenspiel mit Schlaf und dem Tag- und Nachtrhythmus funktionieren“, sagt Penz-Schneeweiss. „Neben dem Vitamin-D-Stoffwechsel sind zahlreiche andere Soffwechselprozesse vom Sonnenlicht abhängig.“ Das weiß der Mensch. Intuitiv. Sobald der Himmel azurblau und (fast) wolkenlos ist und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen nach ihrer – knapp 150 Millionen Kilometer langen – Reise auf die Erde treffen, hält uns nichts mehr auf dem Sofa: Wir öffnen Fenster und Türen und begeben uns hinaus, ins Sonnenlicht. Nur im Frühling sieht man Menschen andächtig, mit geschlossenen Augen und einem leicht entrückten Lächeln im Gesicht dicht gedrängt in Schanigärten, auf Parkbänken und Balkonen sitzen – und die Sonne anbeten. Das ist nichts Neues, das haben auch schon unsere Ahnen getan.
Die Anbetung der Sonne ist eine alte Geschichte. Alle alten Völker der Erde verehrten die Sonne. Sonnengötter und Sonnengöttinnen kennt man so gut wie in allen Kulturen. So etwa wurde eines der sieben Weltwunder der Antike, der Koloss von Rhodos, zu Ehren des Sonnengottes Helios errichtet. Die Azteken verehrten ihre höchste Gottheit so sehr, dass sie ihr wertvolle Gaben, Tiere und auch Menschen opferten. Viele Bräuche, Mythen, Sagen und Geschichten ranken sich um den glühenden Stern. Die Sonne wurde und wird gepriesen, von Dichtern und Liedermachern. Alles – nicht nur die Erde – dreht sich um die Sonne. Und wir? Wir haben Raumsonden hinaufgeschickt, so nah wie nur möglich, und den größten und mit 4,7 Millionen Jahren ältesten Stern unseres Sonnensystems erforscht.

Auf unserer Sonne geht es heiß zu. Unsere Sonne ist ein 15 Millionen Grad heißer Feuerball – die Temperatur in der Photosphäre beträgt immer noch unbehagliche 5.500 Grad – und trotz der unvorstellbar großen Masse einer der kleinsten von Milliarden Sternen in der Galaxis. Und das, obwohl es eine Million Erden bräuchte, um den Innenraum auszufüllen. Der permanent explodierende, materieschleudernde und feuerspeiende Stern besteht ganz banal aus Wasserstoff, Helium, Kohlenstoff, Sauerstoff und vielerlei anderen Elementen. Nur aus der Ferne betrachtet steht die Sonne konstant, ruhig und unaufgeregt am Himmel. Wir wissen: Sie ist da, auch dann, wenn wir sie nicht sehen können. Das beruhigt.   

Sonnenlicht macht aktiver, gelassener und freundlicher. Die Nordhalbkugel der Erde ist viel zu viele Monate lang ein recht schattiges Plätzchen, ihre Bewohner zeichnen sich darob nicht gerade durch überschäumende Lebensfreude aus. Wenn es jedoch sonnig und warm wird, geht es auch bei uns halbwegs ausgelassen und fröhlich zu. Was macht die Sonne mit uns? Mag. Irene Zahrl, Psychologin in Wien: „Sie ist für unser emotionales Wohlbefinden lebenswichtig. Sonnenlicht wärmt den Körper und sorgt dafür, dass wir uns öffnen, aktiver, gelassener und sicherer fühlen. Mit zunehmender Wärme werden wir empathischer, verständnisvoller für unsere Mitmenschen und bewerten und urteilen weniger beziehungsweise positiver. Wir selbst“, sagt Zahrl „fühlen uns dadurch freier. Auch in sexueller Hinsicht. Die Wärme des Lichts führt zu einer Ausschüttung der Endorphine, der Glückshormone. Und nicht nur in der Tierwelt, sondern auch bei vielen Menschen steigert dies das sexuelle Verlangen.“ Die Sonne macht uns also rundum glücklich? „Das kann man durchaus so sagen.“

Die Vorfreude auf die warme Jahreszeit ist groß. Die ersten warmen Sonnenstrahlen begrüßen wir Menschen wie einen alten, lang vermissten Freund. Wir atmen den Frühling ein, verlegen unsere sportlichen Aktivitäten in Parks, Wald und Wiese und betrachten mit großer Freude und Begeisterung die wieder erwachende Natur. Wir räumen unsere Kästen um, verbannen die Winterkleidung in den hintersten Winkel und rücken die duftig leichten Frühlings- und Sommeroutfits nach vorne. Schwungvoll, beseelt und in Vorfreude auf die warme und die heiße Jahreszeit.

Übersicht zu diesem Artikel:
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