Samstag, 23. Februar 2019

Laser-OP bei grauem Star

Ausgabe 2014.11

Mit einer neuen Form der Operation des Grauen Stars erzielen Augenspezialisten beste Ergebnisse. Die hochpräzise Methode ist sicherer, schneller und schonender für das Auge. gesünder leben war bei einer Operation live dabei.


Foto: Miriam Höhne

Es ist der 19. September 2014, kurz vor ein Uhr mittags: Der 54-jährige Betriebswirt, Mag. Manfred Wiedhalm, kommt leichten Schrittes ins Medicent Baden, wo ihn der Augenspezialist Univ.-Prof. Dr. Andreas Kuchar wenig später mit einer neuen, computer- und lasergesteuerten Methode am rechten Auge operieren wird. „Vor zwei Wochen wurde ich bereits mit dieser Methode am linken Auge operiert, alles ging leicht und komplikationslos vonstatten, daher ist dies heute nun fast schon Routine für mich“, sagt Manfred Wiedhalm, der wie unzählige andere seines Alters am grauen Star leidet.

Betroffen: 99 Prozent aller über 65-Jährigen. „Tatsächlich betrifft diese Trübung der Linse, die wir im Fachjargon Katarakt nennen, rund 99 Prozent aller über 65-Jährigen, kann aber auch schon früher auftreten. Die Katarakt ist eine Folge der Alterung der Linse und führt dazu, dass das gesehene Bild immer mehr an Schärfe verliert“, erklärt Prof. Kuchar. Im Anfangsstadium der Erkrankung kommt es zunächst „nur“ zu Blendungsphänomenen, später zu Verschlechterungen der Sehfähigkeit, auch Doppelbilder können auftreten, und unbehandelt führt der graue Star zur Erblindung.
„Die einzig mögliche Behandlung des grauen Stars ist die Katarakt-Operation, und sie ist die häufigste Operation in der Medizin überhaupt“, so der Experte. „Das Prinzip der Operation ist bei den verschiedenen Methoden immer das Gleiche: Die getrübte Linse wird entfernt und eine künstliche Linse wird genau dort eingesetzt, wo sich die natürliche Linse befunden hat.“ Dazu ist auch ein kleiner Schnitt am Auge notwendig, und bei der neuen Methode mit einem computergesteuerten, sogenannten Femtosekundenlaser nimmt dieser dem Arzt nun praktisch das Skalpell aus der Hand und ist naturgemäß um vieles präziser, als es der Mensch je sein könnte. Doch zurück zu Manfred Wiedhalm, der bereits für die Operation vorbereitet ist und auf einer Trage in die Operationsschleuse und dort unter das Lasergerät geschoben wird. Jetzt wird der Laser von Prof. Kuchar an das rechte Auge des Patienten „angedockt“ und übernimmt die Aufgabe, den sonst von Ärztehand geführten kleinen Schnitt am Auge zu setzen – ein Schnitt, der notwendig ist, um die getrübte Linse entfernen zu können. Auf Millimeter genau öffnet der Laser also mit einem kreisrunden Schnitt die Linse und zertrümmert diese danach, damit später die Kunststofflinse eingesetzt werden kann.

Der zweite Operationsschritt. Dies alles hat in etwa zehn Minuten Zeit in Anspruch genommen, und nun ist der Patient vorbereitet für den zweiten Schritt der Operation, der im OP-Saal durchgeführt wird. „Wie geht es Ihnen, Herr Wiedhalm?“, fragt einfühlsam die OP-Schwester. „Gut, bei mir ist alles in Ordnung“, lautet seine Antwort, und schon wird er auf der Trage in den OP-Saal geschoben. Nun erst wird das Auge mit einem Lidöffner aufgespreizt, die getrübte Linse wird abgesaugt und die neue Linse über die kleine Öffnung am Auge gefaltet in das Auge eingeführt und im Auge erst „eröffnet“.

Schmerzlose Behandlung. Nach weiteren zehn Minuten ist die Katarakt-Operation beendet, der 54-jährige Betriebswirt, bei dem zugleich mit der Beseitigung des Problems grauer Star auch ein Astigmatismus korrigiert wurde, wird aus dem OP-Saal geschoben und ist eine Viertelstunde später bereit zum Gespräch. „Natürlich hat man gewisse Bedenken, wenn an einem so zentralen Organ wie dem Auge „manipuliert“ wird, aber wie gesagt, ich wusste diesmal schon genau, was auf mich zukommt, und war daher kaum nervös“, sagt er, und: „Das Unangenehmste bei der ganzen Sache ist der Lidöffner, der das Auge aufspreizt, damit klare Sicht auf den Operationsbereich gegeben ist. Aber auch das ist nicht schmerzhaft, sondern eben nur unangenehm, und während der weiteren Behandlung spürt man nur so etwas wie einen leichten Druck.“   

Angenehmer für den Patienten. „Der Einsatz des Lasers bei der Operation des grauen Stars ist völlig neu. Bisher haben wir in Österreich die Laser-Technologie nur eingesetzt, um die Kurz- oder Weitsichtigkeit zu korrigieren“, erklärt der Operateur Kuchar. „Aber die Präzision des Lasers ist auch bei der Katarakt-Operation von großem Vorteil. Die Schnitte erfolgen mit mikroskopischer Genauigkeit. Zudem ist die Methode für den Patienten viel angenehmer als die herkömmliche, die den Schnitt mit dem Skalpell erfordert, weil der Laser praktisch berührungslos arbeitet und die Ultraschall-Energie, die zur Zertrümmerung der Linse eingesetzt wird, deutlich geringer ist.“ Kleiner Wermutstropfen an der ganzen Sache: Die Operation kostet 3500 Euro pro Auge, und die Versicherungen zahlen – noch – nicht dazu. Aber die Experten, die wissen, welche großen Vorteile die neue Operationstechnik hat, sind für die Zukunft auch diesbezüglich optimistisch.

Scharf gestellt! Tatsächlich sind ja die Vorteile für den Patienten klar. Hinzu kommt noch, dass das Auge aufgrund der nur geringen Energie, mit der bei diesem Eingriff gearbeitet wird, schon am Tag der Operation praktisch keine Reizerscheinungen mehr zeigt. In der Regel kann der Patient sehr bald nach dem Eingriff wieder gut sehen.  Das bestätigt auch der eben am zweiten Auge operierte Manfred Wiedhalm aus Erfahrung. „Nach der ersten Operation sah ich zwei Tage noch leicht verschwommen, dann war es wie bei einem Fotoapparat, den man scharf gestellt hat, und ich sah alles viel klarer als vor dem Eingriff.“ Nun packt der Betriebswirt seine Siebensachen, denn er kann nach Hause gehen – alles wieder klar!

Alles zum grauen Star

Was ist der graue Star? Als grauen Star oder Katarakt bezeichnet man eine Eintrübung der Linse des Auges. Die Augenlinse hat die gleiche Funktion wie die Objektivlinse eines Fotoapparats: Sie soll im Auge ein scharfes Bild erzeugen.
Welche Symptome treten auf? Verschwommen sehen, Blendung und erhöhte Lichtempfindlichkeit, Verschlechterung des Kontrastsehens, Verschlechterung oder Entwicklung einer Kurzsichtigkeit, bei Nichtbehandlung über lange Zeit Erblinden.
Wie wird der graue Star behandelt? Die einzig
mögliche Behandlung des grauen Stars ist die Katarakt-Operation. Die getrübte Linse wird dabei entfernt und eine künstliche Linse genau dort eingesetzt, wo sich die natürliche Linse befunden hat. Die Operation des grauen Stars mittels Femtosekundenlaser erfolgt ambulant und wird unter lokaler Betäubung durchgeführt.
Wann wird operiert? Das hängt von der subjektiven Einschätzung des Betroffenen ab.

 

 

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