Dienstag, 17. September 2019

Lästige Pilze

Ausgabe 11/2012
Sie schuppen, nässen und jucken, machen sich durch weiße Beläge, Rötungen und Entzündungen bemerkbar. Allein: Schämen muss man sich nicht, kann doch jeder eine lästige Pilzinfektion bekommen.

Foto: Can Stock Photo Inc. - zurijeta
Die meisten Pilzinfektionen – in der Fachsprache Mykosen genannt – entstehen aufgrund einer Immunsuppression des Patienten. Das heißt: Ein Pilz löst größtenteils nur dann eine Infektion aus, wenn das körpereigene Immunsystem geschwächt ist und es den „bösen Eindringling“ daher nicht abwehren kann. Erst einmal benötigt der Pilz als Lebensgrundlage jedoch einen Wirt, und von den über 100.000 bekannten Arten ist der Mensch „nur“ für rund 100 als solcher geeignet. Mit anderen Worten: Medizinisch relevant ist lediglich ein Bruchteil, wiewohl es Haut-, Hefe- oder Schimmelpilze freilich in sich haben.

Niemand ist davor gefeit. Schimmelpilze gelangen beispielsweise über die Atemwege in unsere Körper. Das ist nichts Außergewöhnliches, vielmehr nehmen wir permanent Schimmelpilze auf, und solange das Immunsystem intakt ist, besteht keine große Gefahr. Ist indes die Anzahl bestimmter Immunzellen zu gering, so kann sich der entsprechende Erreger im Körper ausbreiten. Mögliche Folgen: Infektionen, unter Umständen aber etwa auch Vergiftungen der Leber, der Nieren, Schädigungen des Nervensystems, der Haut sowie der Schleimhäute. Abgesehen davon befinden sich in unserem Darm ständig Hefepilze, wie Univ.-Prof. Dr. Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, erklärt: „Sind wir gesund, werden Candidapilze von den Darmbakterien quasi in die Schranken gewiesen. Ist das nicht der Fall, soll heißen, ist das Immunsystem des Patienten geschwächt und werden womöglich Antibiotika verabreicht, kann es zu einer Infektion kommen.“ Sehr häufig ist der Scheidenpilz, an dem etwa drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben erkranken. Viele leiden aber auch an einer immer wieder auftretenden Vaginalmykose, die übrigens ebenso durch eine hormonelle Störung ausgelöst werden kann wie auch durch eine Infektion mit anderen Keimen im Vaginalbereich.

Achten Sie auf Ihre Haut! Pilzinfektionen der Haut (med. Dermatomykose) werden fast immer durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder indirekt über kontaminierte Flächen und Gegenstände übertragen. Das heißt: Wer unter einem Hautpilz leidet, sollte sich nicht in der Sauna oder in Schwimmbädern aufhalten und penibel auf die Hygiene achten. Letzteres gilt freilich für alle, denn auch gesunde Menschen können sich anstecken: Nutzen Sie also etwa die in Schwimmbädern angebotenen Desinfektionsmöglichkeiten! Pilzinfektionen sind unterschiedlich gefährlich, bei jenen der Haut, der Haare oder der Nägel handelt es sich um lokale Störungen und damit um leichtere Infektionen, die, so Lass-Flörl „sehr hartnäckig sein können und mit Sicherheit für die Betroffenen sehr unangenehmen, womöglich sogar unerträglich sind. Allerdings breiten sie sich nicht im Körper aus. Im Gegensatz dazu können schwere Pilzinfektionen auf mehrere Körperorgane übergreifen, daher wird auch von systemischen Pilzinfektionen gesprochen.“

Pilz im Schuh. Weißlich, wie verkocht wirkende Haut mit offenen Stellen zwischen den Zehen, braune und dicke Zehennägel, die nicht mehr wachsen, oder starke Hornhautbildung mit weißer Schuppung an den Fußsohlen können Anzeichen für Fußpilz sein. „Er kann, muss aber nicht jucken. Im Zweifelsfall sollte man immer einen Arzt aufsuchen. Das muss nicht einmal unbedingt ein Hautarzt sein. Auch ein praktischer Arzt kann Fußpilz diagnostizieren und behandeln“, rät Primar Dr. Robert Strohal, Leiter der Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch. Zur Behandlung aller lokaler Pilzinfektionen steht eine breite Palette an Medikamenten zur Verfügung: von Cremen und Tropfen über Nagellacke und Zäpfchen bis hin zu Tabletten. Um Fußpilz vorzubeugen, sollten die Füße täglich gewaschen werden. „Vor allem die Zehenzwischenräumen dürfen nicht vergessen werden, und zwar beim Waschen als auch beim Abtrocknen“, betont Strohal. Weitere Hygienemaßnahmen: Jeden Tag die Socken wechseln und wenn möglich enges Schuhwerk sowie Gummistiefel vermeiden, immerhin fördert nicht nur starkes Fußschwitzen die Entstehung von Fußpilz, sondern auch langes Tragen von geschlossenen Schuhen. Übrigens: Die eigene Familie zählt zu den primären Ansteckungsquellen, immerhin teilt man sich Tisch und Bett als auch Bad und Dusche. „Hat ein Familienmitglied Fußpilz, so verteilt derjenige die Pilzsporen mit jedem Schritt und Tritt“, warnt Strohal.

Vorbeugen? Selten, aber doch ist die Neigung zu Pilzinfektionen erblich bedingt. Eine genetische Prädisposition für Scheidenpilz könne beispielsweise bei Frauen vorliegen, sagt Lass-Flörl: „Vorbeugen kann man allenfalls, wenn man im Rahmen einer Antibiotikatherapie Scheidenzäpfchen zum Aufbau der Scheidenflora nimmt.“ Der Mundsoor, eine Infektion des Mund-Rachen-Raums mit Candidapilzen, der sich durch einen weißen Belag sowie gerötete Schleimhäute bemerkbar macht, tritt häufig bei immunsuppressiven Patienten auf. Da er sich also als Folge einer Grunderkrankung ausbreitet, kann ihm nicht wirklich vorgebeugt werden. Es sei denn, der Pilz entsteht unter der Zahnprothese – was gar nicht mal selten passiert. Daher gilt: Reinigen Sie Ihre Dritten! Menschen, die eine Abflussstörung im Ohr haben, neigen zu Ohrpilz. Speziell nach dem Schwimmen oder wenn sie schwitzen, sollten sie darauf achten, jegliche Flüssigkeit aus den Ohren zu bekommen. In jedem Fall aber sind Pilzinfektionen nichts, wofür man sich schämen sollte. Lass-Flörl: „Die meisten kriegen das ja nicht, weil sie unachtsam sind, sondern weil ein Faktor vorhanden ist, der das möglich macht.“

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