Montag, 16. September 2019

Lachen ist die beste Medizin!

Ausgabe 10.2015

Lachen ist gesund, hat keine schädlichen Nebenwirkungen und kostet gar nichts. GESÜNDER LEBEN empfiehlt die heilende Kraft des Lachens.


Foto: Can Stock Photo Inc. - 4774344sean

Haben Sie heute schon gelacht? Wenn ja, dann können Sie gleich weiterlachen, wenn nein, dann wird es Zeit zu starten. Wir haben für Sie einen der lustigsten Witze der Welt – von Forschern des „Lach-Labors“ der Universität Hertfordshire in England mittels einer weltweiten Internet-Umfrage ermittelt: „Zwei Jäger gehen durch den Wald, einer bricht plötzlich zusammen. Er scheint nicht zu atmen, seine Augen sind glasig. Der zweite ruft die Rettung an. ,Mein Freund ist tot. Was soll ich tun?‘, fragt er in Panik. ,Ganz ruhig‘, bekommt er zur Antwort. ,Überzeugen Sie sich zunächst, dass er wirklich tot ist.‘ Stille, dann ist ein Schuss zu hören. Der Jäger fragt: ,Gut, was jetzt?‘“ … Und? Haben sie geschmunzelt, gekichert, gelacht?

Wir lachen immer weniger. Wir sollten mehr lachen, sagt man, Lachen ist gesund, heißt es, es lindert Schmerzen und verbreitet Optimismus – weiß die Wissenschaft. Erst seit 1953 erforschen Ärzte und Wissenschaftler – das Forschungsgebiet heißt Gelotologie und kommt vom griechischen gélös, dem Gelächter – dieses Ausdrucksmittel, das dem Menschen angeboren ist. Babys und Kinder lachen im Schnitt 400-mal pro Tag, ab der Pubertät vergeht dem Menschen der Frohsinn, und ist er erst mal erwachsen, dann lacht er kaum mehr. 15-mal am Tag lacht der Mensch in unseren Breiten – vor 50 Jahren war es noch 45-mal. Kein Wunder in Zeiten wie diesen, sagt dann auch jeder, den man so befragt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Aktuell gibt es laut dem Konfliktbarometer des „Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung“ weltweit 424 politische Konflikte, 46 davon sind „hochgewaltsam“ und 21 Kriege – die höchste Zahl seit Beginn der Untersuchungen. 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht, die Wirtschaftskrise ist noch nicht ausgestanden, die Arbeitslosigkeit steigt und auch sonst hat der Mensch zurzeit wenig Grund zum Lachen.

Gute Stimmung ist wie ein Flächenbrand. Und gerade wenn einem so gar nicht zum Lachen ist, sollte man das Potenzial, das dahintersteckt, nutzen. „Wir gehen ständig in Resonanz mit anderen, ohne es bewusst zu tun“, schreibt Dr. med. Eckart von Hirschhausen in seinem Bestseller „Glück kommt selten allein“ und erklärt: „Wir haben dafür die sogenannten Spiegelneuronen – Nervenzellen, die Gefühle der Umgebung aufschnappen, imitieren und spiegeln. Deshalb lernt man auch am meisten über Glück von glücklichen Menschen, indem man Zeit mit ihnen verbringt, sich anstecken lässt und von ihnen Geheimnisse lernt, die ihnen selbst gar nicht bewusst sein müssen.“ Sich in gute Stimmung zu bringen, funktioniert sogar alleine vor dem Spiegel. Hirschausen: „Wenn Sie aus dem Spiegel morgens ein freundliches Gesicht anschaut – Sie lächeln in derselben Sekunde zurück! Probieren Sie es aus. Jeden Morgen.“

Lachen ist meistens ansteckend. Menschen lachen aus den unterschiedlichsten Gründen, und dennoch hat jede Nation, jede Gruppe und auch jeder Mensch einen speziellen, einen eigenen Humor. Und der wiederum hängt von vielen Faktoren ab, so etwa vom Umfeld, von der sozialen Gruppe, der Erziehung, den Erfahrungen, der Lebenseinstellung, der Verfassung …  Wenn aber einer so richtig von ganzem Herzen lacht, dann muss man meistens mitlachen. Auch dann, wenn man nicht weiß, worum es eigentlich geht. „Herzhaftes Lachen hat etwas Ansteckendes, man kann sich dem fast nicht entziehen“, bestätigt Mag. Ulrike Moisl, Klinische Psychologin und Psychotherapeutin aus Salzburg. „Allerdings: Jeder Mensch hat eine andere Schmerzgrenze, einen anderen Hintergrund, andere Erlebnisse, andere Traumata. Und“, so Moisl weiter, „in Zeiten der politischen Korrektheit wird viel vorab zensuriert. Und damit wird Humor als emotionales Regulativ blockiert. Denn: Humor ist im besten Fall subversiv, er lockert und löst einzementierte Strukturen auf und kann komplizierte Zusammenhänge sehr schnell auf den Punkt bringen. Er kann totalitäre und unflexible Lebenshaltungen infrage stellen und aus den Angeln heben. Er wirkt befreiend auf die Zuhörer des Witzes und kann sie für einen Augenblick aus einengenden Strukturen befreien. Und darum wird der Humor von Menschen, die sehr zwanghaft und rigid sind, eher gefürchtet.“ Vergessen wir aber nie: Lachen ist ein angeborenes Instinktverhalten des Menschen und wird in einer Gehirnregion ausgelöst, die acht Millionen Jahre alt ist – und somit wesentlich früher entstanden ist, als unser Sprachzentrum vor fünf Millionen Jahren. 

 „Lachen ist nicht gleich Lachen“

Mag. Ulrike Moisl, Klinische Psychologin
aus Salzburg, über die verschiedenen Funktionen des Lachens und was sie bewirken.

GL: Warum lacht der Mensch?
Ulrike Moisl: Vordergründig, weil wir etwas lustig finden. Aber das ist nicht der einzige Grund: Das Lachen hat viele Funktionen, man lacht nach einer überstandenen Gefahr, man lacht, um einen Konflikt zu entschärfen, aber auch um Ängste zu bannen.

GL: Wozu dient das Lachen noch?
Es kann etwas aufweichen, auflockern, aber auch etwas Bestehendes verfestigen. Wenn man über sich selbst lacht, werden damit Scham, Peinlichkeit sowie die eigenen Perfektionsansprüche gemildert. Lachen dient aber auch der Abwehr starker Emotionen. Etwa im Kino, wenn eine stark emotional oder Angst auslösende Szene gezeigt wird, hört man sehr oft, dass die Zuseher lauthals loslachen. An sich würden solche Szenen die Leute zum Weinen bringen, aber die Menschen haben Angst, von diesem heftigen Affekt überflutet zu werden – und lachen.

GL: Lachen und Weinen sind enge Verwandte ...
Die Grenze zwischen Lachen und Weinen ist tatsächlich sehr fragil. Lachen dient sehr oft dazu, starke Emotionen zu zähmen. Die andere Funktion ist das befreiende, das erlösende Lachen. Das etwa eintritt, wenn unterdrückende Strukturen aufgeweicht werden. Wenn man etwa über den rigiden Chef einen Witz reißt, dann hilft es bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme. Es hat aber auch etwas Überwindendes, so etwa unterstützt Lachen in Situationen, denen man hilflos gegenübersteht. Lachen ist aber auch eine Abwehr des Leidens. Der sogenannte Galgenhumor dient dazu, eine ausweglose Situation zu ironisieren und damit erträglicher zu machen. Weiters ist Lachen auch eine Möglichkeit, von der eigenen Strenge Abstand zu gewinnen.

GL: Wie ist das nun mit dem Lächeln?
Es kann etwas Vereinnahmendes haben, dem man sich nicht entziehen kann, dann ist es ein integratives Lächeln, das eine sozial-kommunikative Funktion hat. Es kann aber auch, wie das Lachen, peinlich berühren. Ein ständiges Lächeln kann aber auch Verlegenheit zeigen, Unsicherheit kaschieren, sowie Distanz in der Begegnung schaffen und steckt nicht unbedingt an.

GL: Wie ist das mit Menschen, die über sich selbst lachen können?
Es macht sympathisch, wenn jemand zu seinen Schwächen steht. In der Selbstironisierung liegt auch eine Möglichkeit der Selbstdistanzierung. Wer über sich selbst lachen kann, gibt dem rigiden Über-Ich Kontra. Lachen mildert die Strenge zu sich selber. Jeder hat seine Fehler und meistens versucht man diese zu verstecken.

GL: Nicht nur Kinder, auch Erwachsene fühlen sich – wenn gelacht wird – oft ausgelacht. Warum?
Kinder verfügen erst im Alter von vier Jahren über ein Distanzierungsvermögen und erkennen, dass etwas nicht wirklich ist, sondern ein Spiel, ein Film, ein Scherz. Davor erleben sie Dinge, die komisch sind – etwa: Tollpatschigkeit – so, als würden sie es selbst erleben. Im Fernsehen, da sagt man etwa: „Das ist ja nur ein Film, der tut nur so, als ob er sterben würde.“ Diesen Als-ob-Modus hat man erst ab vier Jahren. Wenn Kinder ungewollt etwas Lustiges sagen, dann lachen die Erwachsenen, und die Kinder schämen sich, weil sie noch nicht verstehen, dass das witzig ist. Die Beschämung durch Lachen ist dann auch die Ursache von vielen psychischen Erkrankungen.

GL: Lachyoga, Lachseminare und Lachgruppen sind merkwürdige Phänomene. Lachen, um des Lachens willen – geht das wirklich?
Das ist ein Versuch, das Lachen wieder zu erlernen, in unserer Gesellschaft braucht es das vielleicht sogar, weil den meisten Leuten das Lachen vergeht. Man weiß, dass es positive Effekte hat, wenn Menschen sich am Morgen vor den Spiegel stellen und lächeln.

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