Dienstag, 15. Oktober 2019

Kurze Auszeit vom Essen

Ausgabe 04/2010
Ein Entschlackungstag pro Woche macht noch nicht gesund und auch nicht schlank. Aber: Er eignet sich gut, schlechte Essgewohnheiten über Bord zu werfen. Eine Anleitung für den kleinen Verzicht zwischendurch.

Foto: istockphoto.com
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ein wöchentlicher Entschlackungstag ist bestimmt kein Freibrief für hemmungsloses Schlemmen während der restlichen Zeit. Er ist weder der Garantieschein für die Traumfigur noch das Patentrezept für gesunde, ausgewogene Ernährung. Sollten Sie aber die Fastenzeit selbst versäumt haben und die Jeans vor der warmen Jahreszeit kräftig zwicken, probieren Sie doch einmal, öfter einfach auf die Essbremse zu steigen und einen Tag lang etwa nur Gemüsesuppen zu sich zu nehmen. Oder Reis. Oder Spargel. „Einzelne Fasttage eignen sich nicht unbedingt für die Gewichtsabnahme“, so die leitende Diätologin der Krebshilfe Steiermark, Claudia Petru.

Den Darm entlasten
Die kurze Auszeit vom Essen hat jedoch unter anderem den Vorteil, dass sie uns dabei helfen kann, den Darm zu entlasten. Mit regelrechten ein- bis mehrwöchigen Fastenkuren, bei denen der Körper ganz auf Reduktion eingestellt wird, hat das nichts gemein. Sie ist vielmehr wie die Erholung nach dem Sturm in unserem Verdauungssystem, die wohl dosierte Flucht aus dem Übermaß. Vorausgesetzt: Der Rhythmus stimmt, und die Fasttage erobern einen fixen Platz im Lebensalltag. „Dann eignet sich diese Methode auch gut für regelmäßigen Stuhlgang“, erklärt die Ernährungsspezialistin. Unser Stoffwechsel kann nach dem Leergang wieder voll durchstarten, und den Schlacken, die sich im Winter angesammelt haben, wird der Kampf angesagt.

Endlich wieder Hunger
Neben den gesundheitlichen Aspekten bescheinigt die Diätologin solchen Entschlackungstagen auch psychologische Pluspunkte: Wer dann und wann fastet, verabschiedet sich auch vom gewohnten Essmuster und damit auch von etwaigen Fehlern – wie Brötchenkultur oder Süßlastigkeit bei Snacks – und hat die Chance, sein Essverhalten in kleinen Schritten neu zu erlernen. „An diesen Tagen verspürt man dann vielleicht wieder richtig Hunger, ein Gefühl, das man oft gar nicht mehr kennt“, argumentiert Petru. Das gelte auch fürs Trinken, das im Stress oft vernachlässigt wird. „Diese Auszeiten unterstützen auch dabei, die tägliche Trinkbilanz zu verbessern, weil man sich ganz auf die Flüssigkeitszufuhr konzentriert.“

Wer darf fasten?
In den Wochen vor Ostern die Nahrungsaufnahme zu reduzieren ist fest verankert in der christlich-abendländischen Kultur, und viele Menschen schwören darauf. „Es ist, als ob man Verzicht und Konsequenz in kleinerer Zeiteinheit übt“, sagt Petru über den Effekt beim Fasten, einen bewussteren Umgang mit dem Essen zu erlangen. Wer darf nun zwischendurch pausieren und wer nicht? „Schwangere, Kinder und ältere Menschen sollten die Finger vom Fasten lassen“, warnt die Diätologin. Sie rät auch empfindlichen Menschen, die häufig unter Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Schwächezuständen leiden, davon ab. „Die eintägige Abstinenz kann unter Umständen Begleiterscheinungen wie Kältegefühl, Konzentrationsschwierigkeiten oder Lustlosigkeit auslösen“, so Petru.

Entschleunigung, die schmeckt
Wer tageweise fastet, muss nicht am Hungertuch nagen. Ganz im Gegenteil: Einen Tag die Ernährung umzustellen, um zu entschlacken, kann auch Geschmack auf mehr machen. Kulinarisch sind kaum Grenzen gesetzt. Vorausgesetzt, man beachtet folgende Regeln: Verzichten Sie an diesem Tag auf Salz, Zucker und Fett. Wer es schafft, sollte auch das Koffein bleiben lassen und sich stattdessen mit Kräutertee (z.B. Rosmarin) aufputschen. Nein heißt es dann natürlich auch bei Alkohol oder Nikotin, dafür aber mindestens drei Liter Flüssigkeit trinken. Für Unterstützung sorgen Ausdauersportarten wie Gehen, Laufen, Schwimmen oder Radfahren – alles sanft und gemäßigt. Eine Zupfmassage sorgt dafür, dass der Bauch nicht nur von innen, sondern auch von außen eine Extraportion Stimulation bekommt. Dazu die Bauchregion mit Babyöl einreiben, die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und sanft zupfen. Was für ein schöner, gesunder Tag!


Vier gute Pläne für Fastentage

1. Gemüsetag
Warum? Gemüse hat wenig Kalorien, sättigt jedoch lange und liefert wertvolle pflanzliche Inhaltsstoffe.
Wie? Entweder bei einer Sorte Gemüse (z.B. Spargel) bleiben oder munter mixen. Morgens entweder Rohkost, mit Hüttenkäse, zu sich nehmen oder mit einer Gemüsesuppe starten. Mittags steht eine große Portion gedämpftes Gemüse mit Kräutern auf dem Speiseplan. Abends alternierend eine Gemüsesuppe.

2. Molketag
Warum? Natur-Molke (bitte nur diese verwenden) ist kalorienarm und reich an Eiweiß und Mineralstoffen.
Wie? Trinken Sie über den Tag verteilt neben Tee und Wasser rund eineinhalb Liter Naturmolke ohne Zuckerzusatz. Dazu erlaubt ist mittags und abends eine Portion Misosuppe (Pulver im Reformhaus erhältlich). Nicht geeignet für Patienten mit Laktose- Intoleranz.

3. Reistag
Warum? Insbesondere Naturreis entwässert, enthält wertvolle B-Vitamine und Spurenelemente wie Kalium.
Wie? Zum Frühstück Obstsalat essen oder frisch gepressten Fruchtsaft trinken. Mittags zehn Dekagramm Naturreis kochen, eine Hälfte davon gleich mit gedünstetem Gemüse (je nach Saison zum Beispiel Spargel, Karotten, Lauch etc.) essen, die zweite Hälfte abends mit gedünstetem Obst (z.B. Äpfel). Statt Reis geht auch Couscous, Amaranth, Quinoa oder Dinkel-Polenta.

4. Obsttag
Warum? Lässt sich leicht im Büro durchführen. Außerdem kurbeln die Ballaststoffe im Obst die Verdauung an.
Wie? Nehmen Sie – neben Tee und Wasser – nur frische Früchte zu sich. Insgesamt rund zwei Kilogramm. Sie können die Früchte so naschen, zu Mus pürieren oder zu Saft pressen. Nicht geeignet bei Fruktose-Intoleranz oder Magen-Darm-Problemen.

Tipp für jeden Fastentag:
Tee trinken tut gut: Je 50 Gramm Löwenzahnwurzel mit je 100 Gramm Schachtelhalm, Brennnesselblätter, Ringel- und Schlüsselblumenblüten mischen, mit kochendem Wasser aufgießen. Drei Mal täglich eine Tasse davon trinken und von innen entschleunigen.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-10 130x173

Aktuelles Heft 10/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. November

 

Unsere Ausgabe 09/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Spielen bei Ihnen beim Backen gesundheitliche Überlegungen eine Rolle?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information