Freitag, 22. Februar 2019

Krebs: Was kann die „andere“ Medizin?

Ausgabe 12/2010-01/2011
Viele Krebspatienten suchen neben der klassischen Schulmedizin auch nach anderen Wegen. Gesünder Leben sprach mit Prof. Dr. Leo Auerbach über das Potenzial komplementärmedizinischer Methoden.

Krebs! Die Diagnose verändert schlagartig alles. Angst, eine tiefe Verunsicherung, Ohnmachtsgefühle, vielleicht auch Wut beherrschen mit einem Mal das Leben. Betroffene und Angehörige klammern sich verzweifelt an jeden Strohhalm, der Heilung verspricht. Über 90 Prozent der Krebspatienten wünschen sich daher begleitend zur schulmedizinischen Standardtherapie noch eine alternative bzw. komplementärmedizinische Behandlungsmethode.

Studien zeigen, dass viele Patienten das Gefühl haben, mit der Komplementärmedizin selbst etwas zu ihrer Heilung beitragen zu können, während die Schulmedizin oft als sehr fremdbestimmt erlebt wird. Betroffene auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden können heute mit kompetenter Hilfe rechnen, denn viele Ärzte haben bereits spezielle komplementärmedizinische Zusatzausbildungen vorzuweisen.

Nur fünf bis zehn Prozent der Patienten lehnen eine gleichzeitige schulmedizinische Behandlung ab – ein nicht selten unheilvoller Weg, denn es gibt nach wie vor Wunderheiler, die verzweifelten Menschen Linderung oder sogar Heilung versprechen, ohne ihre Therapieerfolge ausreichend belegen zu können. Komplementärmedizin sollte daher niemals Ersatz für die klinische Behandlung sein.

Gekonnte Symbiose
Einer, der sich bereits seit vielen Jahren um den für Patienten so wichtigen Schulterschluss zwischen Schulmedizin und „anderer“ Medizin engagiert, ist Prof. Dr. Leo Auerbach. Er ist Leiter der komplementärmedizinischen Ambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde im AKH Wien und rät: „Betroffene und Angehörige sollten genau überlegen, welcher Weg für sie optimal ist und wem sie sich anvertrauen. Der Komplementärmediziner soll nicht nur am neuesten Stand der Wissenschaft sein, sondern auch wesentliche Kenntnisse im Bereich der klinischen Krebstherapien besitzen. Ärzte, die diese Kenntnisse nachweisen können, besitzen zum Beispiel das Diplom ,Begleitende Krebsbehandlungen‘ der Österreichischen Ärztekammer.“

Außerdem ist bei komplementärmedizinischen Behandlungen, die zusätzlich zur Standard Krebstherapie ausgewählt werden, wichtig zu wissen, ob sie sich mit der konventionellen Therapie vertragen und ob Nebenwirkungen zu erwarten sind. Ihre behandelnden Ärzte – sowohl Schul- wie Komplementärmediziner – sollten daher über alle Ihre Behandlungen informiert sein.

Selbstheilung aktivieren
Tatsächlich kann die Komplementärmedizin ergänzend zur Schulmedizin einiges leisten. So werden seit Hunderten von Jahren Therapieformen wie Ayurveda, TCM, Phytotherapie, Homöopathie, klassische naturheilkundliche und psychologische Verfahren angewendet, um Geist und Körper dabei zu unterstützen, Selbstheilungskräfte zu aktivieren, das Immunsystem zu stärken und den Körper allgemein zu kräftigen. Spezialist Auerbach: „Auf jeden Fall können komplementärmedizinische Ansätze das Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern, Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie lindern und die Therapien positiv unterstützen.“

Was sagt die Wissenschaft?
Vor allem wenn es um eine Verbesserung der Lebensqualität geht, sind die Effekte einiger komplementärmedizinischer Methoden bereits wissenschaftlich belegt. Hier eine kleine Auswahl, der gängigsten Methoden.

Misteltherapie: Die Mistel enthält mehrere Stoffgruppen, die sowohl eine Wirkung auf Tumorzellen als auch Zellen des Immunsystems ausüben. Speziell zubereitete Präparate werden meist in Form von Injektionen angewendet. Dazu Auerbach: „Mistelpräparate gehören zu den meistverwendeten und bestuntersuchten komplementären Arzneimitteln in der Onkologie, sie können die Verträglichkeit von konventioneller Chemo- und Strahlentherapie verbessern. Dadurch wird es oft möglich, schulmedizinische Begleittherapeutika zu reduzieren, die Lebensqualität deutlich zu steigern und das Immunsystem zu stärken.“

Antioxidantien: Das Spurenelement Selen, Vitamin E und C sowie Beta-Karotin können freie Radikale abfangen und bieten so Schutz vor Schädigung z.B. der Zellkerne, -membranen und der Erbmasse. Antioxidantien werden in Form von Tabletten oder Kapseln gegeben. Bei gleichzeitiger Chemo- oder Strahlentherapie darf jedoch eine Maximaldosis nicht überschritten werden, da sonst die therapeutische Wirkung vermindert wird.

Enzymtherapie: Sie wirkt über eine Stimulierung und Unterstützung des Immunsystems und soll einen Rückgang oder Stillstand des Tumorwachstums bewirken. Anwendung findet sie auch als unterstützende Maßnahme zur Chemo- und Strahlentherapie und nach Operationen bei Krebserkrankungen. Enzympräparate werden meist in Form von Dragees eingenommen.

Traditionelle Chinesische Medizin: Neben Akupunktur bescheinigen Experten auch der Gabe von Kräuter-, Pflanzen- und Mineralextrakten aus der TCM positives Potenzial. Diese werden als Tees, Pulver, Pillen, Tinkturen oder Sirupe verabreicht. Auerbach: „Sie können zur Reduktion von Nebenwirkungen und zur Stärkung des Wohlbefindens bei Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt werden.“ Auch für die therapeutische Anwendung von Qigong gibt es bereits gute Daten.

Generell hat regelmäßige körperliche Bewegung einen positiven Effekt auf die Befindlichkeit bei einer Krebserkrankung: Patienten, die dreimal die Woche etwa eine Stunde lang trainieren, beeinflussen damit erwiesenermaßen den Heilerfolg und steigern auch die körperliche Leistungsfähigkeit.


Infos, Rat & Hilfe

ÖSTERREICHISCHE KREBSHILFE: In den Beratungszentren wird österreichweit professionelle und individuelle Hilfe angeboten. Infos: www. krebshilfe.net Auch die Broschüre „Das ABC der komplementären Maßnahmen“ kann auf der Homepage bestellt oder gratis downgeloaded werden.

BUCHTIPP: „Krebs und Komplementärmedizin“. Die 111 wichtigsten ergänzenden Methoden zur Vorbeugung, Therapie und Nachsorge. Von Dr. Leo Auerbach, Dr. Ilse Fleck- Vaclavik, Dr. Jutta Hellan, Miriam Özalp; Verlag Wilhelm Maudrich.

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