Mittwoch, 18. September 2019

Krebs und Ernährung: Großes Potenzial

04. Mai 2006
Präventiv. Ernährungsgewohnheiten spielen insbesondere bei der Entstehung und Prävention von Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle. Man schätzt, dass etwa ein Drittel aller Krebsfälle mit Ernährung in Zusammenhang stehen. Wenn auch von der Wissenschaft bereits einige Nahrungsinhaltsstoffe als eindeutig krebsauslösend erkannt wurden, so sind dennoch viele Zusammenhänge zwischen Krebs und Ernährung noch unerforscht. Was die Ernährungstherapie bei bestehenden Krebserkrankungen angeht, so kommt der Erhaltung der Stoffwechselfunktionen und vor allem der Lebensqualität eine bedeutende Rolle zu. Spezielle "Krebsdiäten", die als Therapie eingesetzt werden könnten, gibt es jedoch – trotz gegenteiliger Behauptungen diverser Populärmedien – nicht.

Hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen machen Krebserkrankungen mit rund 25 % den zweitgrößten Anteil an der Gesamtsterblichkeit in Österreich aus. Der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Krebs ist mittlerweile unbestritten. Daneben spielen noch weitere Faktoren eine Rolle in der Genese. Anfang der 1980er Jahre wurde geschätzt, dass die Ernährung mit 35 % und das Rauchen mit 30 % für die Tumorentstehung in Industrieländern verantwortlich sind. Bei erneuter Auswertung epidemiologischer Daten Anfang der 1990er Jahre kam man zu einem ähnlichen Ergebnis. Die restlichen 35 % sind u. a. auf Infektionen, das Sexualverhalten, berufliche Bedingungen, Umweltverschmutzung und unbekannte Faktoren zurückzuführen. Demnach kommt den in der Öffentlichkeit so intensiv diskutierten Faktoren – etwa Lebensmittelzusatzstoffen oder Pestiziden – nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Bedeutend mehr Einfluss haben die gesamte Ernährungs- und Lebensweise über die Jahrzehnte.

Tabelle 1:
Geschätzte Bedeutung von Risikofaktoren für die Krebsentstehung in den USA

Faktor Anteil an der Krebsentstehung
Ernährung 35 %
Tabak 30 %
Infektionen 10 %
Sexualverhalten 7 %
Beruf 4 %
Geophysikalische Faktoren 3 %
Alkohol 3 %
Umweltverschmutzung 2 %
Medizin und medizin. Verfahren 1 %
Lebensmittelzusätze 1 %
Unbekannt 4 %
(Quelle: Kasper H, 2004)

Nicht alle Schuldigen sind eindeutig identifiziert
Bestimmte Substanzen in der Nahrung, wie Benzpyrene in geräucherten Lebensmitteln oder Aflatoxine aus verschimmelten Lebensmitteln sind heute eindeutig als Krebsauslöser identifiziert. Daneben gibt es Nahrungsbestandteile, die die Entstehung von Krebs fördern (Promotoren) bzw. hemmen (Antipromotoren). Zu ersteren zählen etwa eine fettreiche oder ballaststoffarme Ernährung, übermäßiger Alkoholgenuss oder Pökelsalz. Schützend wirken dagegen Ernährungsweisen, die reich an Obst, Gemüse oder Vollkornprodukten sind. Man vermutet, dass dies auf bestimmte Inhaltsstoffe, wie antioxidative Vitamine und Spurenelemente (Vitamin C, Vitamin E, ß-Carotin, Selen…), sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Ballaststoffe zurückzuführen ist.

Krebsfördernde Substanzen in der Ernährung
In der Praxis kommt Schimmelpilzgiften (Mykotoxinen) eine große Bedeutung bei der Krebsentstehung zu, besonders Aflatoxinen des Pilzes Aspergillus flavus. Dieser Schimmelpilz wächst gerne auf Getreide und Nüssen bei feuchtwarmen Umweltbedingungen. Häufig finden sich derartige Mykotoxinbildner auf verpacktem, schimmligem Brot. Dabei dringt das Toxin durch Diffusion innerhalb weniger Tage tief in das Brot ein, so dass generell der Ratschlag gegeben werden kann, angeschimmeltes Brot vollständig wegzuwerfen.

Neben Mykotoxinen kommt den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen große Bedeutung bei. Diese karzinogenen Substanzen sind zwar nach heutiger Einschätzung weniger wichtig als noch vor einigen Jahren angenommen, dennoch sollen sie nicht unerwähnt bleiben. Sie entstehen, wenn organisches Material unvollständig verbrannt bzw. hoch erhitzt wird. Also beim Braten, Grillen und Rösten von Lebensmitteln. Die bekannteste Substanz aus dieser Stoffgruppe ist das Benzpyren. Besonders wenn über offenem Feuer gegrillt wird, sammeln sich im Qualm enthaltene Benzpyrene auf dem Grillgut.

Zu den stärksten, bisher bekannten Kanzerogenen in der Nahrung gehören N-Nitrosamine. Sie werden vorwiegend aus Nitrit und einem sekundären Amin gebildet. Nitrit wiederum kann aus Nitrat durch Reduktion, meist bakteriell, gebildet werden. Daher kommt der Hygiene bei der Zubereitung und Aufbewahrung nitratreicher Lebensmittel, vor allem gepökelten Fleischwaren, besondere Bedeutung bei.

Viele Kilos – großes Risiko
Wie für andere Zivilisationskrankheiten, ist Übergewicht auch für Krebs ein wesentlicher Risikofaktor. Die Ergebnisse vieler epidemiologischer Studien zeigen Hinweise, dass das Tumorrisiko in Abhängigkeit vom Ausmaß des Übergewichtes steigt. In der überwiegenden Zahl der Studien konnte eine direkte Beziehung zwischen der Höhe des Körpergewichtes und dem Krebsrisiko festgestellt werden. Die ursächlichen Mechanismen sind dabei allerdings wenig bekannt. Man vermutet Zusammenhänge mit dem Sexualhormon- und Insulinstoffwechsel bzw. dem Einfluss des Fettgewebes auf die Bildung diverser Wachstumsfaktoren.

Somit gilt für Krebs wie für andere Zivilisationskrankheiten: Würden die geltenden Ernährungsempfehlungen in den Essalltag umgesetzt und das Körpergewicht im Normalbereich stabilisiert, wäre ein großer Teil der Bevölkerung vor dieser tückischen Krankheit gefeit.



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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