Dienstag, 21. Mai 2019

Kranke Zähne -> kranker Körper

Ausgabe 2014.10
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Gesunde Zähne verleihen uns ein strahlendes Lächeln. Doch sind unsere Zähne nicht in Ordnung, drohen schwere Komplikationen: von Müdigkeit über Neurodermitis bis hin zu Entzündungen der Herzmuskeln. gesünder leben liefert die Antworten auf wichtige Fragen.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - 4774344sean

Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahnarzt. So weit, so klar. Ist die dicke Backe weg und der Schmerz auch, dann ist alles wieder gut. Das kann so sein, ist aber leider nicht immer der Fall. Denn: Desolate Zähne können lebensgefährliche Erkrankungen auslösen. Da chronische Entzündungen im Normalfall keine Schmerzen verursachen (und der Mensch nicht rasend gerne zum Zahnarzt geht!), wird der Kontrollbesuch beim Zahnarzt gerne „vergessen“. Der Wiener Zahnarzt, Gesichts- und Kieferchirurg DDr. Christian Schraml (www.ordinationschraml.at) erklärt, welche Symptome auf chronische Entzündungen hinweisen können, welche Erkrankungen damit in Verbindung gebracht werden und wie man seine Zähne gesund erhält. GESÜNDER LEBEN hat die wichtigsten Fragen gestellt – und bringt hier die Antworten des Experten.

Müde, schlapp und träge.
Kann das auch an den Zähnen liegen?
Eine chronische Entzündung im Kiefer- bzw. Gesichtsbereich ist ein Stressfaktor für den Körper. Das Immunsystem muss, wie bei jeder anderen Infektion auch, permanent dagegen ankämpfen. Es kann passieren, dass Immunkomplexe in den Kreislauf kommen oder auch die Keime selbst. Der permanente Kampf gegen die Eindringlinge ist vor allem für junge oder absolut gesunde Menschen gar nicht oder kaum spürbar. Ab den 30-igern jedoch kann eine chronische Entzündung sich in Dauermüdigkeit und anderen Symptomen niederschlagen.

Fünf Mythen

Folgende fünf Mythen halten sich hartnäckig – auch wenn sie nicht stimmen!

Mythos 1
Schlechte Zähne – ganz wie die Oma.
Falsch, denn Karies ist nicht vererbbar.

Mythos 2
Je fester ich Zähne putze, desto besser.
Falsch, zu viel Druck ruiniert Zahnfleisch und Zahnschmelz.

Mythos 3
Äpfel und Kaugummi ersetzen die Bürste.
Falsch: Nur Bürste und Zahnseide entfernen Plaque.

Mythos 4
Kurz, dafür öfter putzen ist besser.
Falsch: Zweimal täglich drei Minuten Zähne zu putzen ist ideal.

Mythos 5
Milchzähne muss man nicht putzen, die fallen ja eh irgendwann aus.
Falsch: Zahnlöcher sind immer schädliche Bakterienherde.

Kopfweh, Magen- und Gliederschmerzen aufgrund desolater Zähne. Gibt es das wirklich?
Es ist tatsächlich so, dass die Symptome einem grippalen Infekt (nicht einer Grippe!) ähneln können. Auch bei einer Erkältung dringen Viren oder deren Entzündungsprodukte ein und müssen von unserem Immunsystem in Schach gehalten werden. Sobald die Symptome weg sind und nichts mehr weh tut, fühlt sich der Mensch wieder gesund. Ein chronischer Entzündungsherd im Mund- oder Kieferbereich wird daher sehr oft bagatellisiert. Da heißt es dann: „Aber Herr Doktor, mir tut doch eh nichts weh“, wenn solch ein chronischer Entzündungsherd mittels Röntgenbild festgestellt wird.

Nicht spürbar, aber dennoch recht aktiv.
Was passiert da genau im Verborgenen?
Der Zahn kann, vor allem dann, wenn er abgestorben ist, zwei Dinge verursachen: Er kann sich an der Wurzelspitze infizieren und ein Granulom – ein knötchenförmiges Entzündungsgewebe – bilden, das auf dem Röntgenbild als dunkler Bereich um die Wurzelspitze zu sehen ist. Und es können sich tiefe Zahnfleischtaschen entwickeln, in denen sich Bakterien und Speisereste sammeln. Dieser chronische Herd ist ein Stressfaktor für den gesamten Körper und kann in weiterer Folge schwerwiegende Erkrankungen auslösen.

Wer ist davon besonders betroffen?
Wie wir aus Studien wissen, leiden Probanden mit einem schlechten Zahnstatus häufig unter allgemeiner Müdigkeit, Gliederschmerzen, Gelenksentzündungen, aber auch Neurodermitis, Schuppenflechte, Diabetes, diversen Autoimmun-erkrankungen, und laut einer neuesten Studie treten auch Schübe bei der Alzheimer-Erkrankung gehäuft auf.

Welche gefährlichen Erkrankungen werden nun wirklich in Verbindung mit schlechten Zähnen gebracht?
Allen voran Endokarditis, die Entzündung der Herzmuskelinnenwand. Wie wir aus randomisierten, kontrollierten Studien wissen, wird die Infektion der Herzinnenhaut zu 85 bis 90 Prozent durch Keime hervorgerufen, die ausschließlich in der Mundhöhle vorkommen und von dort in den Kreislauf eintreten. Die Komplikationen, die bei einer unbehandelten Endokarditis auftreten können, sind lebensgefährlich. So können etwa Herzklappen zerstört werden, Wucherungen und Ablagerungen der entzündeten Stellen können Blutgefäße verstopfen und zu einem Gehirnschlag oder einer Nieren- bzw. Lungenembolie führen.

Könnten auch diverse Allergien mit schlechten Zähnen in Verbindung stehen?
Zu den Allergien kenne ich keine randomisierte Studie. TCM-Ärzte (Traditionelle Chinesische Medizin) und Ganzheitsmediziner gehen aber davon aus, da jede Entzündung einen Stress für die Immunabwehr darstellt und eine geschwächte Abwehr Allergien fördert. Ganzheitsmedizinisch betrachtet ist die Sache so: Es gibt Zahntafeln, wo verschiedene Organe den Zähnen zugeordnet werden. So ist etwa der vierte und fünfte Zahn links und rechts im Unterkiefer dem Magen zugeordnet. Demzufolge kann eine chronische Entzündung im Magen ohne Zahnsanierung nicht wirken. Ähnlich gehen TCM-Ärzte vor, nur dass sie mit Meridianen (Energiebahnen im Körper) arbeiten. In der Schulmedizin wird das insofern außer Acht gelassen, als es sich nicht ausreichend messen lässt. Aber auch Schulmediziner arbeiten ähnlich: Wenn über längere Zeit ein erhöhter Entzündungsspiegel (CRP-Wert) im Blut messbar ist, werden die Zähne kontrolliert, um zu sehen, ob sich der Auslöser im Kiefer- und Zahnbereich befindet.

Übersicht zu diesem Artikel:
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