Dienstag, 19. Februar 2019

Krank wie ein Kind

Ausgabe 2014.05

Für Kinderkrankheiten ist man nie zu alt. Im Gegenteil! Mit zunehmendem Alter der Patienten können diese zu schweren Komplikationen führen. Der wirksamste Schutz: die Impfung.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - redbaron

 

Am 19. Februar hieß es am Bundesrealgymnasium in Telfs/Tirol „Schule frei“. Der Grund war jedoch alles andere als lustig: Ein Schüler war an Masern erkrankt, und da eine Überprüfung durch die Bezirkshauptmannschaft ergab, dass 30 Personen, darunter fünf Lehrer, nicht hinreichend geschützt, sprich geimpft waren, wurde entschieden, die Schule für einen Tag zu schließen. Und während der Unterricht am darauffolgenden Montag wieder seinen geregelten Lauf nahm, mussten die nicht geimpften Kinder und Lehrer bis zum 10. März zu Hause bleiben, um eine Weiterverbreitung der hochansteckenden Krankheit, die mit Fieber, einer Entzündung der oberen Atemwege und einem typischen Ausschlag einhergeht, zu verhindern. Diese Maßnahme unterstreicht die Bedeutung der Kampagne „Masern sind kein Kinderspiel“, mit der das Gesundheitsministerium seit Anfang dieses Jahres auf die fast schon in Vergessenheit geratene Kinderkrankheit aufmerksam machen möchte. Der Titel ist in jeder Hinsicht passend, schließlich können sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene an Masern erkranken. Und abgesehen davon, dass die Krankheit in rund 20 Prozent der Fälle mit weiteren Erkrankungen einhergeht, wie zum Beispiel einer Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündung, steigt das Risiko für Komplikationen mit zunehmendem Alter, warnt Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze vom Zentrum für Public Health am Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien: „Mitunter kann die Krankheit sogar tödlich enden.“ Deshalb warnen Experten vor einer zu geringen Durchimpfungsrate bei Masern in Österreich.

Kein Zuckerschlecken. Neben Masern zählen auch Mumps, Röteln sowie Ringelröteln, Windpocken, Poliomyelitis bzw. Kinderlähmung und das Drei-Tage-Fieber zu den klassischen Kinderkrankheiten. Allen gemein ist, dass deren Erreger sehr leicht übertragen werden. Und das geht bei Kindern nun einmal wesentlich einfacher vonstatten, immerhin wuseln in Kindergärten und Schulen Dutzende kleine „Virusschleudern“ umher, die die Infektion nach Hause tragen und dort womöglich Eltern, Verwandte und Freunde anstecken können. Die gute Nachricht: Einmal infiziert, hinterlassen Kinderkrankheiten eine lebenslange Immunität. Die schlechte Nachricht: Wenngleich nicht immer mit Komplikationen gerechnet werden muss, unangenehm sind die Erkrankungen allemal – insbesondere im Erwachsenenalter. Laut Kunze verlaufen etwa Windpocken normalerweise relativ harmlos, „allerdings können Erwachsene zusätzlich eine Gürtelrose bekommen. Dieser bläschenförmige Hautausschlag ist zwar nicht lebensbedrohend und kann gut behandelt werden, aber er ist auf jeden Fall schmerzhaft und ungeheuer lästig.“ Weitere Beispiele: Mumps kann bei Männern zu einer Hodenentzündung und bei beidseitigem Befall sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Röteln stellt vor allem für schwangere Frauen eine ernst zu nehmende Krankheit dar, schließlich kann es dadurch zu Schädigungen an Gehirn, Augen oder Ohren des ungeborenen Kindes kommen. Freilich sind Kinderkrankheiten auch für kleine Patienten kein „Zuckerschlecken“, doch weil das kindliche Immunsystem besser funktioniert, kommt es seltener zu Komplikationen. Zwar sei das Immunsystem bei der Geburt noch nicht voll entwickelt und es brauche daher Schutz über die Muttermilch, „nach den ersten zwei, drei Monaten fängt der Körper aber an, Antikörper zu produzieren. Ab diesem Zeitpunkt sollten möglichst bald die ersten Impfungen durchgeführt werden“, betont der Impfexperte.

Impfen bringt’s. Und warum verlaufen Kinderkrankheiten bei Erwachsenen oft schwieriger? „Weil das Immunsystem altert, weniger schnell auf Krankheitserreger reagiert und nicht mehr so viele Abwehrstoffe produziert“, so Kunze. Damit nicht genug, kommen unter Umständen hoher Blutdruck, ein Herzleiden oder eine andere Grunderkrankung hinzu. Und so kann die vermeintlich harmlose Kinderkrankheit durchaus lebensgefährlich werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund machen der Impfplan und insbesondere das Gratiskinderimpfprogramm Sinn, geht es doch darum, leicht übertragbare und vor allem schwerwiegende Infektionskrankheiten zu eliminieren. Bei der gefürchteten Kinderlähmung ist das hierzulande bereits der Fall und es gibt auch so gut wie keine Widerstände bei der Impfung. Letzteres hänge mit dem Image einer Krankheit zusammen, weiß Prof. Kunze: „Bei manchen Impfungen wird gar nicht diskutiert – zum Beispiel bei Tetanus oder Tollwut. Bei Masern hingegen haben wir in Österreich Impflücken, während die Krankheit etwa in Finnland, Nord- und sogar Südamerika ausgestorben ist.“ Wir wissen also, dass beispielsweise Tollwut noch in vielen Ländern vorkommt. Da es jedoch keine Therapie gibt, lassen wir uns impfen. Manche Krankheiten, darunter eben die Masern, kennen wir fast nicht mehr, weil sie durch konsequentes Impfen in weiten Teilen der Erde eliminiert wurden.

 

„Die Impfung macht dasselbe wie die Krankheit“

Der Wiener Impfeprofperte Univ.-Prof.
Dr. Michael Kunze über Impfschutz, Impfskepsis und Komplikationen.

Schützen Impfungen tatsächlich am besten vor Kinderkrankheiten?
Sofern es eine Impfung gibt, ja. Beim Drei-Tage-Fieber gibt es ja beispielsweise keine. Und gegen Windpocken wird im Rahmen des Gratiskinderimpfprogramms nicht geimpft, weil es zu teuer ist und die Krankheit im Allgemeinen ohne Komplikationen verläuft.

Trotzdem gibt es viele Impfskeptiker?
..... Man muss deren Ängste und Sorgen ernst nehmen. Das Problem ist: Wir impfen gesunde Menschen. Das heißt: Wir fügen ihnen eine kleine Verletzung zu, danach tut manchmal der Arm weh oder er schwillt ein bisschen an. Manche kollabieren sogar, daher wird grundsätzlich im Sitzen geimpft. Abgesehen davon lässt sich niemand gern mit einer Nadel stechen, da braucht es gar keine Nadelphobie. Tatsache ist aber, dass das Immunsystem durch die Impfung dazu angeregt wird, Abwehrstoffe zu produzieren. Im Prinzip macht die Impfung also dasselbe wie die Krankheit, nämlich immun gegen die Krankheit. Allerdings wird bei der Impfung der Er-reger derart verändert, dass er möglichst nur diese Immunantwort auslöst, aber nicht die ganze Symptomatik der Krankheit.

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