Sonntag, 22. September 2019

Kopfschmerzen müssen nicht sein!

Ausgabe 2015.09

Sie pochen, pulsieren und peinigen und gehören zu den häufigsten Leiden der Österreicher. Wir zeigen, wie Sie Abhilfe schaffen können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - pressmaster

Sie sind unerwünschte Gäste – fallen entweder mit der Tür ins Haus oder kündigen sich kurzfristig an. Kein Zweifel, Kopfschmerzen sind anstrengend; sie zermürben und erschöpfen. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung brummt zumindest zeitweise der Schädel – und das in ganz verschiedenen Intensitäten. „Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen zwei großen Gruppen. Primäre Kopfschmerzen sind selbst die Schmerzerkrankung, d. h., es gibt keine dahinterliegende Ursache, keine anderen körperlichen Schäden, die als Auslöser fungieren. Sekundäre Kopfschmerzen sind wiederum Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen wie z. B. Infektionen, Schädelverletzungen oder Tumoren“, so Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Leiter des Spezialbereichs Kopfschmerz an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie. Die häufigsten Formen primärer Kopfschmerzen sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Symptomatik. „Während Spannungskopfschmerzen beidseitig drückend, leicht bis mittelstark auftreten und meist keine weiteren Symptome wie etwa Übelkeit aufweisen, ist die Migräne durch anfallsartig wiederkehrende heftige Schmerzattacken – meist auf eine Kopfhälfte begrenzt – charakterisiert. Migräneschmerzen werden als pochend und pulsierend beschrieben, werden im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz bei Bewegung stärker und können oft tagelang dauern. Alltagshandlungen sind oft nicht mehr möglich“, so Wöber. Häufige Migräne-begleiter sind Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen. Licht, Lärm und Gerüche können dabei als unerträglich empfunden werden. Bei ca. 10 bis 15 Prozent aller Migränepatienten kündigen sich die Kopfschmerzen durch die sogenannte „Aura“ an: Flimmerbilder, Lichtblitze, Ameisenlaufen an einer Körperhälfte oder Sprachstörungen sind dabei vor dem Anfall möglich, halten etwa 15 bis 30 Minuten an und werden nach Abklingen von Kopfschmerzen „abgelöst“. Bei Clusterkopfschmerzen handelt es sich um eine besonders heftige und extrem belastende Schmerzform, die hinter einem Auge oder an der Schläfe wütet. Sie kommt sehr selten vor (weniger als 1 von 1.000 Personen) und betrifft – im Gegensatz zur Migräne – häufiger Männer.

Das können Sie tun! Neben einer genetischen Prädisposition (v. a. bei Migräne) spielen bei vielen primären Kopfschmerzarten eine Vielzahl an individuellen Auslösern wie Fehlhaltungen des Kopfes mit Muskelverspannung, Fehler am Kauapparat, aber auch psychischer und körperlicher Stress, schlechter Schlaf, unregelmäßige Mahlzeiten oder Flüssigkeitsmangel eine erklärende Rolle. Zu möglichen Auslösern gehören auch Substanzen wie Alkohol und Koffein sowie deren Entzug. Bei Frauen fallen auch zyklusbedingte Hormonschwankungen ins Gewicht. Während Migränikern oftmals der Griff zu schmerzstillenden Medikamenten nicht erspart bleibt, können Menschen mit gelegentlichen Spannungskopfschmerzen der Situation auch ohne Plünderung der Hausapotheke Herr werden. Bei beiden Kopfschmerzformen trägt eine gesunde, ausgeglichene Lebensweise zur Besserung bei und wirkt gleichzeitig präventiv.

Was hilft wirklich gegen Kopfschmerzen?

Wer häufig unter Kopfschmerzen leidet, sollte folgende Ratschläge beachten.

  • Essen Sie ausgewogen und regelmäßig. Ausgelassene Mahlzeiten oder Fastenkuren führen häufig zu Kopfschmerzen. Vermeiden Sie außerdem Fertiggerichte und kochen Sie möglichst naturbelassen. Erkennen Sie individuell auslösende Reize aus Nahrungsquellen, indem Sie aufschreiben, nach welchen Lebensmitteln bzw. nach welcher Kombination die Kopfschmerzen auftreten.
  • Trinken Sie ausreichend (ca. 30 ml Wasser pro kg Körpergewicht)
  • Betreiben Sie Ausdauersport (etwa 3 x 30 Minuten; z. B. Schwimmen, Radfahren, Joggen etc.) und Ausgleichsgymnastik. Versuchen Sie, Ihre Muskulatur und die Bänder zu stärken.
  • Achten Sie auf richtig eingestellte, ergonomische Arbeitsmöbel. Machen Sie regelmäßige Pausen.
  • Schützen Sie Ihren Kopf vor direkter Sonnenbestrahlung.
  • Lernen Sie mit Stress umzugehen. Integrieren Sie Entspannungstechniken in den Alltag und erlernen Sie Yoga, Muskelentspannung nach Jacobson oder Biofeedback. Sie wirken Anspannungen entgegen.
  • Fachkundige Massage lockert Muskeln und Verspannungen.
  • Legen Sie bei Kopfschmerzausbruch kalte Umschläge auf Nacken und Stirn.
  • Tragen Sie Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken auf. Studien belegen, dass Pfefferminzöl eine ähnliche Wirkung wie das Schmerzmittel Paracetamol hat.
  • Experimentieren Sie mit altbekannten Hausmitteln wie z.B. Kaffee mit Zitrone, um die für Sie passenden Gegenmaßnahmen zu finden.

Zum Arzt – aber wann? Bei hartnäckigen Kopfschmerzen, welche die Lebensqualität massiv beeinträchtigen, empfiehlt es sich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oftmals findet man mit gängigen Schmerzmitteln der ersten Wahl wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen das Auslangen.  Die Konsultation eines Arztes ist umgehend notwendig, wenn die Schmerzen mit Fieber oder neurologischen Begleiterscheinungen wie Seh- oder Sprachstörungen einhergehen. „Bei akuten Kopfschmerzen müssen im Rahmen der Erstdiagnose zuerst bedrohliche Erkrankungen wie eine Gehirnhautentzündung, eine Gehirnblutung oder ein Tumor mithilfe klinischer Testverfahren als Ursache ausgeschlossen werden, um eine sinnvolle und maßgeschneiderte Kopfschmerztherapie mit entsprechender Medikation und nicht medikamentösen Therapien einzuleiten“, erklärt Wöber und beruhigt: „In weniger als ein Prozent der Fälle sind die Ursachen für Kopfschmerzen akut gefährlich.“

Weitere Informationen rund um das Thema Kopfschmerzen erhalten Sie beispielsweise bei der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft unter www.oeksg.at

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