Dienstag, 26. Januar 2021

Kleiner Unterschied mit großer Wirkung

01. Dezember 2011
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Unterstützen Sie Ihr Kind bei der Entwicklung eines gesunden Körperbewusstseins und eines guten Selbstwertgefühls als Mädchen oder Bub.

Illustration: Gerhard Marschik

Irgendwann um den dritten Geburtstag herum wird Kindern der „kleine Unterschied“ bewusst. Nun bekommen Sie als Vater oder Mutter auch eine Bedeutung als Mann bzw. als Frau. Sie werden in dieser Rolle ein wichtiges Vorbild und „Übungspartner“ in Sachen Liebe für Ihr Kind: Ein Bub will in die Fußstap-fen des Vaters treten und wirbt um die Zu-wendung der Mutter, ein Mädchen möchte einmal so werden wie die Mama und flirtet mit dem Papa. Als gleichgeschlechtlicher Elternteil sind Sie also gleichzeitig Vorbild und Rivale/Rivalin Ihres Kindes! So erklärt sich auch, warum Johanna ihrem Papa vorschlägt: „Machen wir zwei jetzt einmal ganz allein dieses Puzzle, und schicken wir die Mama in den Garten. Zum Kochen holen wir sie dann wieder herein.“ Johannas Vater sollte darauf ganz gelassen reagieren und seiner Tochter antworten: „Ich lege sehr gerne mit Dir das Puzzle, aber die Mama müssen wir schon fragen, ob sie überhaupt in den Garten gehen will. Und kochen können wir später alle gemeinsam.“ So zeigt er Johanna, dass sie seine heißgeliebte Tochter ist. Er zeigt ihr aber auch, dass die Mutter seine Partnerin ist, die er liebt und mit der er respektvoll umgeht. Ihre Mutter braucht sich über die direkte Bemerkung ihrer Tochter nicht zu kränken. Denn auch wenn Johanna mit dem Papa flirtet – sie liebt ihre Mutter genauso und will im Grunde ihres Herzens,  dass sich ihre Eltern gut verstehen. Am besten ist, die Mutter steigt auf das Rivalisieren und die Eifersucht des Kindes nicht zu stark ein, sondern sieht es gelassen als das, was es ist: ein Üben der Partnerwerbung für die Erwachsenenwelt. Durch Anerkennung und Komplimente können Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes als zukünftiger Mann/ zukünftige Frau stärken: Der Papa kann z.B. der Tochter ein liebes Kompliment über ein gelungenes Bild machen, und die Mama kann die Geduld ihres Sohnes beim Spiel mit dem kleinen Bruder loben.

Auch aus der Beziehung der Eltern zueinander ziehen Kinder Rückschlüsse auf die Geschlechterrollen von Mann und Frau. So schaut ein Kind darauf, was seine Mama/sein Papa tut und was sie/er nicht tut (Autowaschen, einkaufen, kochen...), wie sich seine Eltern die Arbeit aufteilen, wie sie übereinander sprechen und wie sie miteinander umgehen. Entsteht durch Kommentare der Eindruck, dass die Männer oder die Frauen es leichter haben, mehr wert sind oder bevorzugt werden, wird sich Ihr Kind schwerer tun, sich als Mann bzw. Frau positiv zu sehen und stolz auf das eigene Geschlecht zu sein.

Aus dem Beobachteten und Gehörten machen sich Kinder eine Vorstellung, wie es in der Erwachsenenwelt sein wird und ob es sich lohnt, Frau oder Mann zu werden!

So natürlich und voll Entdeckerfreude wie Kinder an alle Dinge des Lebens herangehen, erkunden sie auch die spannenden „Geheimnisse der Geschlechter“ und wollen Antworten auf ihre Fragen. Als Elternteil machen Sie es am besten genau so wie Ihr Kind und gehen mit sexuellen Fragen ebenso ungezwungen und natürlich um wie mit anderen Fragen auch! Dazu ist es hilfreich, wenn Sie sich erst einmal bewusst machen, wie es Ihnen selbst mit dem Thema geht, was Ihnen dabei besonders wichtig ist, was Sie ihm gerne weitergeben und wovor Sie Ihr Kind schützen möchten. Das „Wie sag ich’s meinem Kind?“ erfolgt am besten in vielen kleinen, einfachen Erzählungen statt mit langwierigen, umständlichen Erklärungen oder dem „großen Aufklärungsgespräch“. Fragt also Benedikt z.B. beim Ansehen von Hochzeitsfotos: „Und wo bin ich denn da?“, antwortet der Papa: „Du warst da noch nicht auf der Welt.“ Doch Benedikt will es genau wissen: „Aber wo war ich da?“ Papa erklärt: „Damals haben wir uns zwar schon Kinder gewünscht, aber im Bauch von deiner Mama bist du erst ein paar Jahre später gewachsen.“ Jetzt ist die Neugier von Benedikt erst so richtig geweckt und sein Papa muss Fotos holen, die die schwangere Mami zeigen. Benedikt ist begeistert und überrascht: „Und da war ich drinnen? Das geht sich doch gar nicht aus!“ usw. So bekommt ein Kind Schritt für Schritt wahre Antworten auf seine Fragen, die – je nach Interesse des Kindes – ausführlicher oder knapper ausfallen können. Machen Sie sich keine Sorgen. Lachen Sie Ihr Kind nicht aus, sondern gehen Sie entspannt und locker mit den Fragen um. Ihr Kind findet selbst den Weg durch diese Zeit und dieses Thema. So war für den kleinen Markus die Mutter das „liebste Lebewesen auf der ganzen Welt“: Ein paar Monate später war es die Sonne und schließlich die kleine Nina vom Kindergarten.

Tipps für Eltern
  • Respektieren Sie das natürliche Schamgefühl Ihres Kindes und gehen Sie darauf ein, wenn Ihr Kind z.B. die WC-Türe zumacht oder beim Umziehen allein sein will.
  • Überlassen Sie ihrem Kind immer mehr selbst die Reinigung des eigenen Körpers beim Duschen und beim Baden.
  • Überlassen Sie Ihrem Kind auch selbst, wem es wie Zuneigung zeigen will! Zwingen Sie es zu keinem Begrüßungsbussi, keiner Umarmung und anderen Zärtlichkeiten.
  • „Doktorspiele“ sind ganz normal. Kinder entdecken so spielerisch, wie der Körper eines anderen Kindes aussieht. Aber machen Sie Ihrem Kind klar, dass es mit dem eigenen Körper und dem anderer Kinder vorsichtig umgehen soll!

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Kleiner Unterschied mit großer Wirkung
Seite 2 Elternschocker Selbstbefriedigung


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