Mittwoch, 18. September 2019

Keine Chance dem Lungenkrebs

Ausgabe 2014.11

Lungenkrebs ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, deren Heilungschancen steigen, je früher sie erkannt wird. gesünder leben  beschreibt neue Behandlungsmöglichkeiten und gibt Tipps zur Prävention.


Foto: Can Stock Photo Inc. - AntonioGuillem

Lange Zeit verläuft er völlig symptomlos und daher unbemerkt: Lungenkrebs verursacht zunächst keine Beschwerden und ist daher besonders heimtückisch. Erst im gereiften Stadium macht er sich durch ständiges Husten, blutigen Auswurf, Atemnot und Schmerzen im Brustbereich, aber auch durch Nachtschweißneigung, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust bemerkbar. „Der Terminus ,Lungenkrebs‘ vereint alle bösartigen Tumore, die im Bereich des Lungengewebes bzw. der Bronchien auftreten. Er gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen, die wir derzeit beobachten können“, so Dr. Georg Pall, Oberarzt und Programmdirektor für Thorakale Tumore an der Universitätsklinik für Innere Medizin V (Hämatologie/Onkologie) in Innsbruck. Die Zahlen sprechen für sich: Weltweit verursacht Lungenkrebs die meisten Todesfälle unter Krebspatienten; rund 1,6 Millionen Menschen sterben jährlich daran. In Österreich erkranken etwa 4.000 Menschen pro Jahr am Bronchialkarzinom – Männer fast doppelt so häufig wie Frauen. Dabei liegt das Durchschnittsalter, in dem die Diagnose gestellt wird, zwischen dem 58. und 65. Lebensjahr.

Hauptrisikofaktor Nr. 1 ist der Nikotinkonsum. „Man kann davon ausgehen, dass ca. 85 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen durch das Rauchen bedingt sind“, so Pall. Unter betroffenen Nichtrauchern spielen wiederum Passivrauchkonsum und der Kontakt mit Radongas, Asbest sowie Luftverschmutzung eine eventuelle Rolle. Genetische Faktoren sind laut Pall eher vernachlässigbar. Die detaillierten Ursachen sind allerdings noch unklar. Sie alle vereint aber die Tatsache, dass sie ein unkontrolliertes Wachstum anormaler Zellen in der Lunge und damit den gefürchteten Krebs hervorrufen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten der Erkrankung: dem kleinzelligen Lungenkrebs, der hoch aggressiv ist und vorwiegend durch Rauchen entfacht wird, und dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, der verschiedene Formen (Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom bzw. großzelliges undifferenziertes Karzinom) umfasst. Letzterer ist zwar häufiger anzutreffen, wächst aber wesentlich langsamer. Während die Heilungschancen in einem sehr früh erkannten Stadium noch relativ hoch sind, reduzieren sie sich zu einem späteren Zeitpunkt auf ca. 20 Prozent. Wurden Metastasen in der Blutbahn bereits attestiert, ist eine Heilung nicht mehr möglich.

Prävention ist die beste Medizin. „Die fehlende Früherkennung ist derzeit das größte Problem“, schildert Pall in diesem Zusammenhang. „Da in der Lunge keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind, können Bronchialkarzinome oft unbemerkt eine beträchtliche Größe erreichen.“ Die Folge: späte Diagnosen und schlechte Aussichten auf Genesung. Neue Methoden zur Früherkennung von Lungenkrebs sind daher derzeit Gegenstand aktueller Fachdiskussionen. Speziellen Formen der Computertomografien wie den sog. „Low dose CTs“ wird verstärkt Augenmerk geschenkt. Sie können bei niedriger Strahlenbelastung die Lungen akribisch analysieren. Eine groß angelegte Studie in den USA untermauerte, dass sich diese Form der Untersuchung vor allem für starke Raucher eignet und eine bessere Früherkennung ermöglicht. Moderne Screening-Verfahren sollen aber keinesfalls einen sorgenlosen Freifahrtschein für weiteren Nikotinkonsum darstellen. Oberarzt Pall plädiert daher für eine entsprechende Ergänzung durch gezielte Anti-Rauch-Kampagnen. „Die Mortalitätsreduktion, die man durch konsequente Nichtraucherinitiativen erzielen kann, ist der entscheidende Faktor. Letztlich ist der Verzicht auf Nikotin das Nonplusultra, wenn es um die Verringerung des Lungenkrebs-Risikos geht“, erläutert der Experte. Und: Auch langjährige Raucher, die dem Glimmstängel ade sagen, können ihr Krebsrisiko deutlich senken.

Neue Behandlungsoptionen. Sollte im Rahmen einer Computertomografie des Brustkorbs, einer Bronchoskopie sowie entnommener Gewebsproben Lungenkrebs diagnostiziert werden, bieten sich mehrere Behandlungsmethoden an. Die jeweilige Therapie hängt von der Krebsart, dem Stadium sowie dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. „In frühen Krebsstadien bestehen durch den Einsatz operativer Verfahren, der Strahlentherapie und, in gewissen Situationen, auch der Chemotherapie Heilungschancen“, erklärt Pall. „Sind bereits Metastasen erkennbar, kommt die palliative, medikamentöse Therapie zum Einsatz.“ Wissenschafter tüfteln an den genauen Ursachen, die für die genetischen Veränderungen hauptverantwortlich sind. Erste Erkenntnisse wurden dazu genutzt, um adäquate Medikamente zu entwickeln, die im Unterschied zu herkömmlichen Chemotherapien die Tumorzellen ganz gezielt angreifen. Auf dem Markt befinden sich z. B. in Tablettenform erhältliche Tyrosinkinase-Hemmer. Sie bremsen das Tumorwachstum, verringern Symptome und erhöhen die Lebenszeit. Eine andere Option stellen hochkomplexe, biotechnologische Medikamente in Infusionsform dar. Ein Beispiel dafür ist der Wirkstoff Bevacizumab. Er hemmt die Bildung und Erhaltung von Blutgefäßen, wodurch der Tumor keine Verbindungen zu umliegenden Blutgefäßen mehr bilden kann und im wahrsten Sinn des Wortes „verhungert“. Pall: „Die moderne, medikamentöse Therapie, die darauf abzielt, jene Störungen in der Tumorzelle zu bekämpfen, die den Krebs verursacht haben, stellt eine wichtige Erweiterung dar und bietet eine zusätzliche Behandlungsoption. Für die derzeit noch kleinen Patientengruppen, in denen ihr Einsatz möglich ist, konnten die Behandlungsergebnisse selbst im metastasierten Stadium sowohl hinsichtlich Lebensqualität, aber auch Überlebenszeit dramatisch verbessert werden.“ Weiterer kleiner Hoffnungsschimmer für Betroffene: „In naher Zukunft ist außerdem damit zu rechnen, dass noch effektivere Arzneimittel entwickelt werden, die den Lungenkrebs länger kontrollieren können“, ist Pall überzeugt.

Don’t Smoke

In Österreich rauchen rund 2,8 Mio. Menschen. Das entspricht circa 33 % der Gesamtbevölkerung, womit die
Alpenrepublik deutlich über dem europäischen Niveau von 28 % liegt.

„Das ist ein alarmierendes Ergebnis und war für mich und zahlreiche andere Fachärzte Grund genug, die Nichtraucherschutz-Initiative ,Don’t Smoke‘ ins Leben zu rufen“, so Initiator Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie am LKH am Universitätsklinikum Graz. Gründe dafür gibt es schließlich genug: „Rauchen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und chronische Lungenerkrankungen und ist für die Entstehung von 15 verschiedenen Krebsarten mitverantwortlich“, so Samonigg. Erschütternde Tatsache: Pro Stunde stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen des Rauchens und jede achte Stunde jemand an den Konsequenzen des Passivrauchens.
Die im Internet vertretene Initiative „Don’t Smoke“ fordert daher einen umfassenden Nichtraucher- und besseren Jugendschutz, eine Erhöhung der Tabaksteuer als Hilfestellung, eine Unterstützung von Betrieben, die den umfassenden Nichtraucherschutz bereits implementiert haben, und die Umsetzung des bereits 2005 unterzeichneten WHO-Rahmenübereinkommens zur Tabakkontrolle. „Wir wollen nicht nur einen kritischen öffentlichen Diskurs starten und das Bewusstsein für die Relevanz des Nichtraucherschutzes schärfen, sondern einen Beitrag zur baldigen Formulierung eines adäquaten Gesetzes leisten, der europaweit Anerkennung findet“, betont Samonigg.

Auch Sie können mit Ihrer Stimme den Forderungen Nachdruck verleihen. Klicken Sie auf www.dontsmoke.at und setzen Sie ein Zeichen. 

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