Keine Angst vor der OP

Ausgabe 2018.09

Angstgefühle vor einer bevorstehenden Operation sind ganz normal.  Wie Sie sich auf einen Eingriff am besten vorbereiten, erklärt ein erfahrener Allgemeinmediziner in GESÜNDER LEBEN.


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Operationen sind in der Medizin an der Tagesordnung: Etwa eine von 20 Personen liegt pro Jahr im OP. Während die Eingriffe für Ärzte und Pflegekräfte zumeist Routine sind, empfinden die Patienten eine Operation hingegen alles andere denn alltäglich. Es gibt kaum jemanden, den nicht zumindest ein mulmiges Gefühl beschleicht, sobald er „unters Messer“ muss. Schließlich stellt der Gang ins Krankenhaus und eine bevorstehende Operation für viele Betroffene eine neue Situation dar. Dr. Wolfgang Molnár, Allgemeinmediziner in Wien, betreut beinahe täglich Menschen, die vor einem chirurgischen Eingriff stehen. Er kennt die Situation: „Die Angst vor einer Operation schadet zwar nicht unmittelbar der Gesundheit, aber sie kann einen doch so sehr in Beschlag nehmen, dass man nur mit halbem Ohr zuhört oder wichtige medizinische Informationen wieder vergisst oder sie nicht richtig versteht.“ Patentrezept gegen die Angst gibt es zwar keines. Aber dafür einige Möglichkeiten für die eigene erfolgreiche Strategie zu mehr Gelassenheit.

Gut informiert
In erster Linie gilt es, die vielen Informationen zu verarbeiten, die man vor einer Operation erhält. Schon das ist meist gar nicht einfach. „Daher empfehle ich meinen Patienten oft, eine Vertrauensperson zur Unterstützung bei Besprechungen beim Arzt oder im Krankenhaus mitzunehmen“, so Molnár. Die wichtigste Maßnahme gegen Angst ist es, sich zu vergewissern, dass die Operation die richtige Entscheidung ist. „Informationen aus seriösen Quellen sind dazu da, um die Furcht vor dem Unbekannten zu nehmen. Daher sollte man in erster Linie beim Arzt seines Vertrauens so lange nachfragen, bis man alles restlos verstanden hat.“ Oft hilft es auch, sich mit Personen auszutauschen, die ähnliche Operationen schon gut gemeistert haben, zum Beispiel aus Selbsthilfegruppen.

Was kann ich selbst beitragen?

• Information beruhigt: Zu wissen, was während der Operation passieren wird, kann die Unsicherheit verringern.
• Planen: Zum Beispiel kann man mit Ärzten und Pflegekräften im Voraus vereinbaren, wie die Schmerzbehandlung aussehen soll.
• Für Entspannung und Ablenkung sorgen.

Was können Angehörige und Freunde tun?
• Seelische Unterstützung anbieten: Eine Betreuung durch Nahestehende hilft gegen die Angst, alleinegelassen zu werden.
• Für Ablenkung sorgen – das ist insbesondere bei Kindern wichtig.

Schmerzen müssen nicht sein
Eine große Angst ist es auch, Schmerzen aushalten zu müssen. Eine moderne Schmerzbehandlung kann diese Sorge ausräumen: Nach einer Operation darf man sich heutzutage weitgehend Schmerzfreiheit erwarten. Treten nach einer Operation Schmerzen auf, müssen sie behandelt werden, sagt Molnár: „Schmerzen im Bereich der Operationswunde sind nicht nur sehr unangenehm, sie können auch die Genesung verzögern.“ Prinzipiell ist es wichtig, nach einer Operation möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, damit die Muskeln nicht zu viel Kraft verlieren. Schmerzen können aber daran hindern, aufzustehen und sich zu bewegen. Mangelnde Bewegung erhöht zudem das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels und kann das Durchatmen oder Abhusten beeinträchtigen. Wichtig ist auch, die Ärzte vor dem Eingriff über bereits bestehende Schmerzen zu informieren und darüber, ob und welche Medikamente eingenommen werden. Molnár: „Wer zum Beispiel regelmäßig starke Schmerzmittel oder größere Mengen Alkohol zu sich nimmt, benötigt nach einem Eingriff möglicherweise andere Medikamente als die üblicherweise eingesetzten.“


 

Das richtige Krankenhaus finden

Sofern Operationen oder Behandlungen geplant sind, haben Patienten in Österreich die Möglichkeit, sich im Spital ihrer Wahl behandeln zu lassen. Ein wichtiges Kriterium ist hier neben guter Erreichbarkeit und dem medizinischen Angebot auch die Zahl der Eingriffe, die in einem Krankenhaus durchgeführt werden. Hilfreiche Informationen erhält man zum Beispiel online über den Spitalskompass. Die Website gibt qualitätsgesicherte, neutrale Auskunft darüber, welche Spitäler zur Verfügung stehen, über welche medizinischen Einrichtungen diese Spitäler verfügen und wie oft bestimmte medizinische Leistungen in einzelnen Krankenhäusern erbracht werden.
kliniksuche.at

Entspannungsmethoden nützen
Die meisten Methoden, mit denen man sich in der Freizeit entspannen kann, werden auch zur Entspannung und Ablenkung vor Operationen empfohlen. „Es ist das Beste, eine Entspannungs- oder Ablenkungsmöglichkeit zu finden, die den eigenen Bedürfnissen gerecht wird – egal ob es sich dabei um schlichtes Fernsehen, Musikhören, Lesen, Meditation oder Yoga handelt.“ Natürlich kann man auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Dr. Molnár und seine Frau, die Allgemeinmedizinerin Dr. Ivana Molnár, haben bei ihren Patienten mit medizinischer Hypnose sehr gute Erfahrungen gemacht.

Schnell wieder gesund

Das unterstützt die Rekonvaleszenz nach der OP:

• Infektionskrankheiten vor der OP auskurieren
• Nikotin und Alkohol mindestens 14 Tage vor der Operation vermeiden; beides führt zu einem erhöhten Bedarf an Schmerz-, Beruhigungs- und Narkosemitteln und beeinflusst die Wundheilung
• vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem
• falls ein Rehabilitationsaufenthalt nach der Operation angeraten wird, sollte man diesen auf jeden Fall in Anspruch nehmen

Nikotinkonsum minimieren
Raucher greifen noch öfter zur Zigarette, wenn sie Stress beziehungsweise Angst verspüren. Wer raucht, erhöht laut Molnár allerdings das Risiko für Komplikationen nach Operationen: „Dies betrifft vor allem die Wundheilung. Durch eine Nikotinersatztherapie, die ein bis zwei Monate vor der Operation begonnen wird, kann man dieses Risiko halbieren.“ Selbst wer erst kurz vor der OP dem Rauchen entsagt, trägt dazu bei: Schon nach 24 Stunden ohne Zigaretten verschwinden Nikotin und das beim Rauchen entstehende Kohlenmonoxid aus dem Blut.

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